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Der Regenwald von Peru wird zum Opfer eines Goldrauschs

Wo einst der Regenwald wucherte, ist alles Grün gewichen. Quecksilber verseuchte Gewässer prägen die von Raupen planierte Mondlandschaft. Die paradiesische Tierwelt ist verschwunden, dafür blühen Prostitution und Gewalt. Perus Amazonas-Region Madre De Dios ist fest im Griff eines zerstörerischen Goldrauschs. Die Zentralregierung in Lima, Gastgeber des am Montag startenden 20. UN-Klimagipfels, bekommt die wachsende Zahl illegaler Goldsucher nicht unter Kontrolle.

Huepetuhe (afp) – Wo einst der Regenwald wucherte, ist alles Grün gewichen. Quecksilber verseuchte Gewässer prägen die von Raupen planierte Mondlandschaft. Die paradiesische Tierwelt ist verschwunden, dafür blühen Prostitution und Gewalt. Perus Amazonas-Region Madre De Dios ist fest im Griff eines zerstörerischen Goldrauschs. Die Zentralregierung in Lima, Gastgeber des am Montag startenden 20. UN-Klimagipfels, bekommt die wachsende Zahl illegaler Goldsucher nicht unter Kontrolle.

Von Juan Castro

„Es gibt hier enorm viel Gold. Und die armen Leute kommen von überall, um es zu finden“, sagt Raúl Ramos, der seit zehn Jahren in den Minen von Madre de Dios an der Grenze zu Brasilien arbeitet. Bis zu 400 Gramm Gold schürfen fleißige Goldsucher in einem Jahr, wie Ramos sagt. Für ein Kilo des Edelmetalls erhalten sie etwa 20.000 Euro.

Im Boden des Andenstaats lagert Gold im Wert von 400 Milliarden Euro, wie die peruanische Wirtschaftsschule Esan errechnet hat. Das Land ist der fünftgrößte Goldproduzent der Welt. Doch nach offiziellen Angaben stammt ein Fünftel des geschürften Edelmetalls aus illegaler Produktion. Die nicht regulierten Minen nehmen weder Rücksicht auf die Gesundheit der Arbeiter, noch auf den Regenwald. Dabei kommt dem Amazonas-Dschungel eine Schlüsselrolle zu im Kampf der Menschheit um die Erhaltung ihrer Lebensgrundlagen.

Die grüne Lunge des Planeten ist ein CO2-Killer, sie wandelt das Treibhausgas in Sauerstoff um. Wenn der Wald aber gerodet wird, fällt er nicht nur als Luftfilter aus, sondern setzt gespeichertes CO2 frei. Ronald Corvera vom peruanischen Regenwaldinstitut IIAP schätzt, dass es „mindestens 40 Jahre“ dauern würde, den zerstörten Wald von Madre de Dios wieder aufzubauen.

Die Goldwäscher sieben den Sand mit Hilfe von Quecksilber, um die Goldpartikel im Wasser zu binden. Jedes Jahr landen nach Regierungsangaben 30 bis 40 Tonnen Quecksilber in den Flüssen des Amazonasgebiets. Das flüssige Metall sickert ins Grundwasser und vergiftet die Fische. Forscher der US-Universität Stanford haben im Blut der Ureinwohner von Madre de Dios einen fünfmal höheren Quecksilberwert gefunden als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für maximal zulässig hält.

Die illegalen Schürfer vergiften sich schleichend bei ihrer Jagd nach Reichtum, wenn sie nicht eines gewaltsamen Todes sterben. „Hier gibt es mehrere Morde die Woche, manchmal liegen die Leichen mehrere Tage herum. Andere Menschen verschwinden und werden irgendwo vergraben“, sagt einer der illegalen Schürfer aus der Siedlung La Pampa.

In dem als besonders gefährlich verrufenen Dorf sind Journalisten nicht gern gesehen. Wer dennoch etwas sagt, will seinen Namen nicht preisgeben. Die Polizei ist entweder machtlos oder verdient mit an der Jagd nach dem Gold. „Bei einer Durchsuchung neulich haben wir 106 Kilo Gold auf den Tisch gelegt, damit die Polizei wieder abhaut“, sagt der Schürfer.

„Gegen die illegalen Goldwäscher gibt es kein Nachlassen. Die Polizeieinsätze gehen weiter“, sagt dagegen der pensionierte Polizeichef Aldo Soto bei einer Konferenz von Umweltschützern und Journalisten im Ort Huepete. Die Aktivisten wollen vor dem Klimagipfel auf die Zerstörung in Madre de Dios aufmerksam machen.

„Die Leute leben von dem, was sie der Natur entreißen“, sagt Eduardo Salhuana vom Verband der Minenarbeiter in Madre de Dios bei der Versammlung in Huepete. Er ist sich sicher: Beim Klimagipfel „werden wir die ganze Welt belügen, denn hier hat sich gar nichts verändert.“