Agenturmeldung Nachrichten

Parlamentswahl in Grönland von Rohstoff-Kontroverse beherrscht

In Grönland sind am Freitag vorgezogene Parlamentswahlen abgehalten worden. Die größte Insel der Welt, die politisch zum Königreich Dänemark zählt, hat nur rund 57.000 Einwohner.

Kopenhagen (afp) – In Grönland sind am Freitag vorgezogene Parlamentswahlen abgehalten worden. Die größte Insel der Welt, die politisch zum Königreich Dänemark zählt, hat nur rund 57.000 Einwohner. Die Stimmabgabe war bis Mitternacht möglich, so dass ein Ergebnis erst am Samstag erwartet wurde.

Seit März 2013 wurde das autonome dänische Arktisgebiet von einer Koalition aus Sozialdemokraten und Rechtsliberalen regiert. Diese zerbrach im Oktober im Zusammenhang mit einer Spesenaffäre der sozialdemokratischen Regierungschefin Aleqa Hammond. In jüngsten Umfragen lag Hammonds Siumut-Partei knapp hinter der linksoppositionellen Ökologiepartei Inuit Ataqatigiit. Im Wahlkampf ging es insbesondere um den künftigen Umgang mit vorhandenen und vermuteten Rohstoffen und natürlichen Ressourcen auf der Insel.

„Das Thema der letzten Wahl lautete vor allem: Wie kommen wir voran Richtung Unabhängigkeit?“, sagte Ulrik Pram Gad, Grönland-Experte an der Universität von Kopenhagen. „Bei dieser Wahl geht es bodenständiger zu. Alles dreht sich um Wirtschaftspolitik.“ Hammond hatte das Land mit der Ausbeutung der zahlreichen Rohstoffe im Arktisboden unabhängig machen wollen von den Subventionen aus Dänemark. Mit jährlich 3,3 Milliarden Kronen (fast 450 Millionen Euro) steuert die ehemalige Kolonialmacht fast ein Viertel von Grönlands Budget bei.

Als besonders umstritten, weil potenziell schädlich für Grönlands einzigartige Natur, gilt der geplante Uranabbau. Hammonds Regierung hob ein Verbot der Uranförderung ungeachtet von Protesten auf. Im Süden der Insel soll eine der größten Uranminen der Welt entstehen. Olsvig will das unbedingt verhindern.

Bei der Regierungsbildung könnte der neugegründeten, populistischen Partei von Ex-Regierungschef Hans Enoksen eine Schlüsselrolle zukommen. Die Siumut wird angeführt von Kim Kielsen, der auch vorübergehend die Regierungsgeschäfte von der gefallenen Hammond übernahm. Der angesehene ehemalige Polizist will Schluss machen mit Korruption und Selbstbereicherung, die Grönlands Politik seit der Teilunabhängigkeit im Jahr 1979 plagen.

Im September stellte eine parlamentarische Untersuchungskommission fest, dass Hammond für umgerechnet 14.300 Euro aus dem Staatshaushalt Flüge für Verwandte gekauft und private Hotelrechnungen für die Mini-Bar bezahlt hatte. Auf dem sozialen Internetnetzwerk Facebook artikulierte sich ein wütender Protest. In der Hauptstadt Nuuk gab es Demonstrationen, die schließlich zu Hammonds Rücktritt führten.

Hinterlassen Sie einen Kommentar