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Deutschlands größter Energiekonzern baut radikal um: Das ändert sich bei Eon

Deutschlands größtes Energieunternehmen Eon richtet sich radikal neu aus. Das bisherige Geschäftsmodell ist laut Eon-Chef Johannes Teyssen den Herausforderungen der Energiemärkte von heute nicht mehr gewachsen. Deshalb habe sich der Vorstand entschieden, den Konzern aufzuspalten.

Düsseldorf (afp) – Deutschlands größtes Energieunternehmen Eon richtet sich radikal neu aus. Das bisherige Geschäftsmodell ist laut Eon-Chef Johannes Teyssen den Herausforderungen der Energiemärkte von heute nicht mehr gewachsen. Deshalb habe sich der Vorstand entschieden, den Konzern aufzuspalten.

Was hat Eon vor?

Eon plant, sein einstiges Kerngeschäft, die konventionelle Energiegewinnung aus Atom, Kohle und Gas, in eine neue Gesellschaft auszulagern. Stattdessen soll sich die Kernmarke des Konzerns auf die Sparten erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen konzentrieren. Mittelfristig will Eon die konventionelle Energiegewinnung ganz abstoßen und seine Anteile an der neuen Gesellschaft verkaufen.

Teyssen reagiert nach eigenen Angaben auf die neuen Bedingungen im Energiemarkt. Er spricht von einer “neuen Energiewelt”, die durch Kundennähe geprägt sei. Verbraucher würden mehr und mehr nachhaltige Energie fordern und sie zum Teil auch selbst produzieren. Hierfür wolle Eon in Zukunft Lösungen finden, sagte der Vorstandsvorsitzende.

Warum will Eon sein einstiges Kerngeschäft loswerden?

Der schwer angeschlagene Energiegigant reagiert mit der Spaltung auf den Preissturz bei Großhandelspreisen für Strom. Aufgrund von Überkapazitäten an Kraftwerken und des Ausbaus der erneuerbaren Energien sind die Strompreise seit Anfang 2013 drastisch gefallen.

Zudem lasten auf dem Dax-Konzern insgesamt Schulden in Höhe von 31 Milliarden Euro. Unter anderem erwiesen sich Zukäufe in Südeuropa als Milliardengrab.

Plant Eon eine Atom-“Bad-Bank”?

“Ich befürchte, dass Eon eine Bad Bank für seine sieben Atomkraftwerke schafft, die von den Steuerzahlern gerettet werden muss”, erklärte die Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn (Grüne) am Montag. Höhn spielt damit auf die Strategie einiger Banken nach der Finanzkrise an, die ihre problematischen Geschäfte in eine “Bad Bank” auslagerten und dafür zum Teil Staatshilfen in Anspruch nahmen. Im Endeffekt müssten womöglich Steuerzahler für den Rückbau von Eons Atomkraftwerken und die Entsorgung des Atommülls aufkommen, weil die Rücklagen des Konzerns dafür nicht ausreichen könnten, befürchtet Höhn.

Eon-Chef Teyssen widersprach diesen Befürchtungen am Montag energisch. Eon habe mit rund 14,5 Milliarden Euro die höchsten Rückstellungen aller Energiekonzerne. Sie würden komplett auf die neue Gesellschaft übergehen, sagte Teyssen. Die Gesellschaft sei außerdem schuldenfrei und habe gute Chancen am Markt.

Kostet die Konzern-Spaltung Arbeitsplätze?

Für die Eon-Beschäftigten sei die Spaltung zwar eine “Zäsur”, doch sie werde keine Arbeitsplätze kosten, sondern perspektivisch neue Jobs sichern, sagte Eon-Personalvorstand Mike Winkel. Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die die Beschäftigten bei Eon vertritt, begrüßte aus Sicht der Arbeitnehmer die Auspaltung. Beide Unternehmensteile hätten in Zukunft “gute Chancen”, auf den jeweiligen Märkten zu bestehen, teilte Verdi-Bundesvorstand Andreas Scheidt mit. Insgesamt sollen rund 20.000 Beschäftigte für die neue Gesellschaft arbeiten.

Wo wird die neue Gesellschaft sitzen und wer übernimmt ihre Leitung?

Wo genau die neue Gesellschaft angesiedelt werden soll, steht noch nicht fest. Sicher ist aber, dass die Zentrale in der Region “Rhein-Ruhr” stehen soll, wie Teyssen sagte. Auch wer das Unternehmen in Zukunft führen werde, sei noch nicht bekannt.

Der Energiegigant Eon betreibt weltweit fast 270 Kraftwerke

Eon ist Deutschlands größter Energieversorger und gehörte 2013 mit einem Umsatz von rund 122 Milliarden Euro zu den zehn größten Energiekonzernen der Welt. Nach eigenen Angaben beschäftigt Eon etwa 62.000 Mitarbeiter in Europa, Russland und Nordamerika. Rund 35 Millionen Kunden beziehen Strom von Eon. Der Düsseldorfer Konzern entstand 2000 aus der Fusion der beiden Industrieunternehmen Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks AG (VEBA) und Vereinigte Industrieunternehmungen AG (VIAG).

Eon betreibt in Deutschland sieben Atomkraftwerke, den Großteil davon in Norddeutschland. Nach den Plänen der Bundesregierung muss Eon bis 2022 das letzte seiner Akw vom Netz nehmen. Schon jetzt liefern die beiden Kraftwerke Isar 1 in Bayern sowie das Kernkraftwerk Unterweser in Schleswig-Holstein keinen Strom mehr. Sie befinden sich in der sogenannten Nachbetriebsphase.

Neben Akw betreibt Eon in Europa 14 Kohlekraftwerke – zwölf Steinkohle- und zwei Braunkohlekraftwerke. Der Großteil davon steht in Deutschland, drei in Frankreich. Die zwölf Gaskraftwerke des Düsseldorfer Energiegiganten stehen in Deutschland, Ungarn, der Slowakei und Tschechien.

Seit 2007 hat Eon rund zehn Milliarden Euro in erneuerbare Energien investiert und betreibt weltweit 135 Wind-, 100 Wasser- und neun Solarkraftwerke. Sie stehen in zahlreichen Ländern der EU und in den USA.

Neben konventionellen und erneuerbaren Energien ist Eon auch in den Bereichen Energieeffizienz, der weltweiten Förderung von Öl und Gas, der Gasspeichertechnologie sowie der Stromverteilung tätig.

Foto: Pressekonferenz zur neuen Eon-Strategie