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Welthungerhilfe: Unternehmenspartnerschaften gewinnen an Bedeutung

Wird ein Unternehmen seiner gesellschaftlichen Verantwortung umfassend gerecht oder stellt es lediglich Einzelaktivitäten heraus? Eine Antwort auf diese Frage ist für gemeinnützige Organisationen wichtig, die um Unternehmenspartnerschaften werben und die mit solchen Partnerschaften Reputationsrisiken eingehen. Über die damit verbundenen Herausforderungen sprach CSR NEWS mit Christian Stark, Leiter Unternehmenskooperationen bei der Welthungerhilfe.

Bonn (csr-news) – Wird ein Unternehmen seiner gesellschaftlichen Verantwortung umfassend gerecht oder stellt es lediglich Einzelaktivitäten heraus? Eine Antwort auf diese Frage ist für gemeinnützige Organisationen wichtig, die um Unternehmenspartnerschaften werben und die mit solchen Partnerschaften Reputationsrisiken eingehen. Über die damit verbundenen Herausforderungen sprach CSR NEWS mit Christian Stark, Leiter Unternehmenskooperationen bei der Welthungerhilfe.

Personalentwicklung und –bindung sind ein wichtiges Motiv für die Kooperation von Unternehmen mit NGOs. „Unternehmen kommen auf uns zu, weil sie zum Beispiel Projekte zur Mitarbeiter-Motivation durchführen möchten“, sagt Christian Stark. Immer wieder ist auch der Fall, dass Unternehmen in denselben Regionen wie die Welthungerhilfe tätig sind und sich deshalb für die Menschen vor Ort engagieren wollen.

Unternehmenskooperationen kommuniziert die Entwicklungshilfeorganisation auf ihrer Website. Häufig sind dabei Cause Related Marketing-Programme: Die Vollkornbäckerei Mestemacher sammelt beim Verkauf von Bio-Vollkornbroten Geld für den Kampf gegen den Hunger, der Wohndesign-Versandhandel Connox lädt zu Origami-Geschenkspenden – faltbaren Papierfiguren – ein und bei Madeleine Mode geht beim Kauf einer Tasche oder eines Schals ein Teil des Verkaufserlöses an die Welthungerhilfe. Ein Beispiel für das gesellschaftliche Engagement auf eigenen Märkten gibt CNH Global: Der Traktorenbauer überreichte der Welthungerhilfe in Nairobi zwei Traktoren und verkündete zugleich den Start eines Joint Ventures mit einem kenianischen Vertriebs- und Servicepartner.

„Unser Fokus ist die Ernährungssicherung, besonders in ländlichen Gebieten“, sagt Stark. Die Welthungerhilfe unterstützt dazu beim Anbau von Obst und Gemüse, bei der Wasserversorgung oder dem Schulbau. In manchen Regionen Afrikas und Asiens hungern Menschen. Viele dieser Länder sind auf eine Ertragssteigerung ihrer Landwirtschaft angewiesen, verzeichnen deutliche Wachstumsraten und sind damit zugleich Zukunftsmärkte für die Ernährungs- und Landmaschinenindustrie. Die Welthungerhilfe wirbt um Partnerschaften mit solchen Unternehmen, wenn deren Geschäftspraxis nicht den Zielen der Organisationen entgegensteht. So konnte die internationale NGO in diesem Jahr eine bis 2017 befristete Partnerschaft mit dem Landmaschinenhersteller Amazone vereinbaren. Dadurch werden Programme im indischen Jharkhand und West Bengalen gefördert: 4.500 besonders arme Bauernfamilien erhalten Saatgut, Wasserspeicher und Schulungen.

Die Welthungerhilfe weist Spenden in kritischen Fällen durchaus zurück. Wenn sich etwa eine Ölfirma von der Zuwendung einen verbesserten Marktzugang verspricht. „Wir erhalten von Zeit zu Zeit Spendenangebote von Minenfirmen oder von Ölfirmen, die in unseren Projektländern tätig sind, und da sind unsere Absagequoten sehr hoch“, sagt Stark. Grundsätzlich abgelehnt würden größere Spenden oder das Angebot einer Zusammenarbeit aus den Branchen Waffen, Tabak, Glücksspiel, Pelzwaren und Pornografie. Ausnahmen gebe es, wenn Mitarbeiter solcher Unternehmen für die Welthungerhilfe sammeln.

Auf der Liste der Unternehmenspartner der Welthungerhilfe finden sich viele Mittelständler, aber auch einige Konzerne. Bei der Prüfung möglicher Partnerschaften gebe es aber keine „schwarze Liste“, sondern die Welthungerhilfe beurteile Unternehmen nach einem Kriterienkatalog, so Stark. Im Blick sind dabei die Branche, ethische Selbstverpflichtungen, Prüfsiegel und Reputationsrisiko. Dabei werden Unterlagen wie eine Bewertung durch Oekom Research, ein Global Compact-Fortschrittsbericht oder eine Abfrage bei Reprisk herangezogen. In kritischen oder unklaren Fällen werde ein externer Dienstleister mit der Recherche beauftragt, so der Fundraiser. In diesen Fällen entscheidet der Vorstand über die Annahme von höheren Spenden und Unternehmenspartnerschaften. Bei letzteren steht an deren Beginn ein Vertragsabschluss, mit dem zugleich ein Verhaltenskodex vereinbart wird.

Für ihre Unternehmenspartnerschaften veröffentlicht die Welthungerhilfe auf ihrer Website Richtlinien. „Unternehmenspartnerschaften besitzen eine kleine, aber wachsende Bedeutung“, sagt Stark. „Auch öffentliche Partner gehen zunehmend davon aus, dass Public Private Partnerships begründet werden.“