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Emissionsneutrale Produktion in der Stadt

Einer der Megatrends der Zukunft ist die zunehmende Bedeutung von urbanen Räumen. Bereits heute leben rund zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten mit steigender Tendenz. Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die industrielle Produktion der nächsten Jahrzehnte. Fabriken kommen zurück in die Städte. Der Innovationsverbund „Urban Production“ arbeitet an Konzepten, mit denen dies gelingen kann. Ein Weg ist die sogenannte Ultraeffizienzfabrik. Für deren Erprobung werden nun Praxispartner gesucht.

Stuttgart (csr-news) > Einer der Megatrends der Zukunft ist die zunehmende Bedeutung von urbanen Räumen. Bereits heute leben rund zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten mit steigender Tendenz. Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die industrielle Produktion der nächsten Jahrzehnte. Fabriken kommen zurück in die Städte. Der Innovationsverbund „Urban Production“ arbeitet an Konzepten, mit denen dies gelingen kann. Ein Weg ist die sogenannte Ultraeffizienzfabrik. Für deren Erprobung werden nun Praxispartner gesucht.

Urbane Produktion ist eigentlich nicht Neues, in zahlreichen Städten zeugen verlassene Industriegelände und Produktionsstätten von ihrer Existenz. Doch es gibt entscheidende Unterschiede zur städtischen Industrieproduktion der Vergangenheit. In den Anfangsjahren der Industrialisierung haben sich die Städte praktisch um die Fabriken entwickelt. Siedlungen wurden für die Arbeiter geschaffen und sind heute oftmals beliebte Wohnquartiere. Allerdings mussten die Menschen damals mit den ökologischen und sozialen Folgen der städtischen Produktion leben. Das ist jetzt anders, die urbane Fabrik der Zukunft muss sich an die Bedingungen der Stadt anpassen. Industrielle Wertschöpfung muss also so schonend gestaltet sein, dass sie praktisch in Wohngebieten stattfinden kann. Möglichst wenig oder keine Emissionen von Schadstoffen und Lärm sind dabei nur zwei Aspekte. Auf der anderen Seite bietet die urbane Fabrik aber auch zahlreiche Vorteile für die Stadt und die Menschen die in ihr Arbeiten. Kurze Wege entlasten den Verkehr und schonen damit das Klima. Flexiblere Arbeitszeitmodelle werden möglich und auch eine bedarfsgerechtere zeitnahe Produktion. Fabriken in der Stadt können also einen Mehrwert für alle Beteiligten generieren, vorausgesetzt sie werden entsprechend konzipiert.

An einem Ansatz um dies zu ermöglichen arbeitet das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. Mithilfe der Ultraeffizienzfabrik soll die städtische Industrieproduktion möglich werden. Das von IPA entwickelte Konzept sieht eine urbane, weitgehend abfallfreie, emissionsneutrale Fabrik vor, die den Ressourcenverbrauch vollständig von der industriellen Wertschöpfung entkoppelt und einen Mehrwert für die Menschen in ihrer Umgebung bietet. „Ziel ultraeffizienter Fabriken ist es, den Einsatz von Material, Energie, Personal und Kapital so zu gestalten. Dass effiziente und effektive Wertschöpfungsprozesse entstehen, durch die Abfall, Abluft und Abwasser eliminiert und damit der Nutzungsgrad der eingesetzten Produktionsfaktoren maximiert wird“, fasst der Baden württembergische Umweltminister Franz Untersteller den Ansatz zusammen. Sein Ministerium fördert das Forschungsprojekt „Ultraeffizienzfabrik im urbanen Umfeld“ mit insgesamt 1,5 Millionen Euro. Das Konzept der ultraeffizienten Fabrik folgt den Ansätzen der Green Economy, bewertet bestehende Technologiekonzepte unter deren Prämisse neu löst damit idealerweise Innovationsprozesse aus. Ziel ist es, einhundert Prozent der in Fabriken eingesetzten Materialien und der benötigten Energie im Produkt zu verwenden. Zahlreiche Teillösungen gibt es bereits, es fehlte bislang jedoch ein ganzheitlicher Ansatz, um auch das Ziel Effektivität statt bloßer Effizienz zu erreichen.

Die theoretische Basis für ultraeffiziente Fabrik haben die Forscher des IPA inzwischen gelegt und wollen nun die zweite Phase, die praktische Anwendung starten. Dazu werden nun produzierende Unternehmen gesucht, die bereits im urbanen Raum tätig sind, um gemeinsam die bisherigen Forschungsergebnisse in der Praxis zu validieren. Den Firmen kann nach umfassender Evaluation des Ist-Zustands ein Gestaltungsrahmen samt Handlungsfeldern und Maßnahmen für Einzelverfahren und Produktionslinien vorgeschlagen werden. Dabei beziehen die Forscher alle Produktionsfaktoren mit ein, also auch Organisation, Personal, Planung, etc.. Daraufhin wird ein sogenanntes Reifegradmodell erstellt, in dem die gegenwärtige Annäherung eines Unternehmens an den Idealzustand „Ultraeffizienz“ beschrieben wird und mit dessen Hilfe sich entscheidende Verbesserungsfelder identifizieren lassen. „Wir haben die Entwicklung des Reifegradmodells abgeschlossen und Kriterien für eine beispielhaft ultraeffiziente Produktion sowie den Zielzustand definiert. An einem fiktiven Beispielunternehmen wurden sämtliche dieser Kriterien angewendet und getestet. Nun werden wir in die realen Unternehmen gehen und freuen uns, wenn sich weitere interessierte Firmen bei uns melden“, so Projektleiter Siegfried Stender vom Fraunhofer IPA. Durch dieses Vorgehen sollen sich die Ergebnisse des Forschungsvorhabens leicht übertragen und adaptieren lassen und einen entscheidenden Beitrag für betriebliches Wachstum entkoppelt vom Ressourcenverbrauch, leisten.

Dieser Beitrag ergänzt den Artikel „Nachhaltige Industrieproduktion“ aus dem aktuellen CSR-Magazin (4/14). In den nächsten Tagen werden weitere Beiträge zu diesem Themengebiet veröffentlicht.

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