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Deutsche Post DHL: Gesellschaftlicher Dialog im 360°-Ansatz

Mit Zukunftsstudien und einem Blog unter der Überschrift „Delivering Tomorrow“ stellt sich die Deutsche Post DHL Zukunftsfragen der Logistik. Anlässlich der Vorstellung einer aktuellen Studie zum „Erfolgsfaktor Stakeholder-Management“ sprach CSR MAGAZIN in St. Gallen mit Prof. Christof Ehrhart, der den Zentralbereich Konzernkommunikation und Unternehmensverantwortung bei Deutsche Post DHL leitet.

St. Gallen (csr-news) – Mit Zukunftsstudien und einem Blog unter der Überschrift „Delivering Tomorrow“ stellt sich die Deutsche Post DHL Zukunftsfragen der Logistik. Anlässlich der Vorstellung einer aktuellen Studie zum „Erfolgsfaktor Stakeholder-Management“ sprach CSR MAGAZIN in St. Gallen mit Prof. Christof Ehrhart, der den Zentralbereich Konzernkommunikation und Unternehmensverantwortung bei Deutsche Post DHL leitet. Das Gespräch führte Achim Halfmann.

CSR MAGAZIN: Welche Bedeutung besitzen „grüne Themen“ für ein globales Logistikunternehmen?

Prof. Christof Ehrhart: Die „grünen“ Produkte und Dienstleistungen bei Brief- und Paketservices gehören genau wie die entsprechenden Angebote auf der Logistikseite zu den am schnellsten wachsenden Produktkategorien. Daran sehen Sie, dass die Nachfrage nach solchen Lösungen hoch ist. Dennoch stehen wir in einer preissensitiven Branche häufig noch vor der Herausforderung, den Kunden einen eventuellen Aufpreis für diese Dienstleistungen zu vermitteln. Aber darin liegt eine Zukunftsaufgabe für die Kommunikation: Zu vermitteln, dass grüne Logistik nicht umsonst zu haben ist.

Zugleich beobachten wir, dass unsere Geschäftskunden von ihren Stakeholdern zu ehrgeizigen Nachhaltigkeitszielen verpflichtet werden. Und um diese zu erreichen, brauchen sie wiederum unsere Expertise: Um Güter CO2-effizient zu transportieren und die eigene Lieferkette nachhaltig aufzubauen – dazu können wir einen wichtigen Beitrag leisten.

Es wird der deutlich kleinere Teil Ihrer Dienstleistungen sein, den Sie „grün“ anbieten.

Wir bieten in allen unseren Geschäftsbereichen – vom Expressversand bis hin zum Containertransport – grüne Transportoptionen an. Das Portfolio reicht von einem dezidierten CO2-Report bis hin zu reduzierten Emissionen entlang der gesamten Lieferkette.
Welchen Anteil die grünen Sendungen insgesamt ausmachen, ist schwer zu sagen, weil wir sehr unterschiedliche Leistungen anbieten – vom Standardbrief bis hin zur komplexen Transportleistung rund um die Welt. Vor allem im letztgenannten Feld wollen wir uns noch stärker profilieren und das Angebot ausbauen. Gute Chancen dazu haben wir vor allem dort, wo es um wirklich anspruchsvolle Logistikleistungen geht, etwa um eine Kombination von Bahn, Flugzeug und Schiff.

Welche „grünen“ Themen außer der CO2-Reduzierung spielen für Ihren Konzern eine Rolle?

Unsere konzernweite GoGreen-Initiative ist bewusst breit aufgestellt: Wir engagieren uns in verschiedenen, internationalen Initiativen, um z.B. den Straßenverkehr umweltfreundlicher zu gestalten oder im Bereich Luftfahrt, wo wir gemeinsam mit Partnern nach alternativen Kraftstoffen forschen. Innerhalb des Konzerns umfasst unser grünes Portfolio den Einsatz von alternativen Fahrzeugen, die Nutzung von grünem Strom, optimierte Netzwerke, aber auch Mitarbeiterschulungen – sei es mit dem Ziel des Energiesparens, zum Beispiel durch Fahrertrainings. Unser grünes Engagement umfasst zum einen die Effizienzsteigerung, die bei uns mit einem konkreten Effizienzziel verbunden ist: Bis zum Jahr 2020 wollen wir unsere CO2-Effizienz um 30 Prozent verbessern. Darüber hinaus bieten wir unseren Kunden den Ausgleich der beim Transport ihrer Waren entstehenden CO2-Emissionen an.

Nachhaltigkeitsthemen – also Aktivitäten über den Umweltbereich hinaus – haben wir für uns in drei Felder unterteilt: Zum einen sprechen wir von „Shared Value“, wenn wir unsere Logistikfähigkeiten und -leistungen einbringen, um dabei zu helfen, gesellschaftliche Probleme zu lösen. Daneben gibt es das Themenfeld „Responsible Business Practice“. Gemeint ist hierbei das Einhalten relevanter rechtlicher und ethischer Regeln. Als großes Unternehmen mit einer Präsenz in mehr als 220 Ländern und Territorien sind wir in einem sehr komplexen Umfeld unterwegs. Um die Berücksichtigung aller Aspekte von verantwortungsvollem Unternehmertum, von Compliance über Diversität bis zu Arbeitnehmerinteressensicherzustellen, müssen wir uns sehr gut organisieren. Der dritte Aspekt ist „Corporate Citizenship“. Hier sind wir in Bereichen aktiv, die eine besondere Nähe zu unserem Geschäft haben. Die beiden großen Themengebiete sind dabei Bildung und Katastrophenhilfe.


Prof. Dr. Christof Ehrhart

Für die Entwicklung von Nachhaltigkeitsleistungen wird der Kundendialog eine große Rolle spielen.

Unsere großen Kunden haben sehr konkrete Vorstellungen davon, was sie im Bereich Nachhaltigkeit erreichen wollen. Manche wissen sogar, welche Art von Lösung sie anstreben, aber häufiger fragen uns unsere Kunden: Was könnt ihr für uns tun? Wir haben zwar auch Standardlösungen, die wir aus dem Regal ziehen können, aber wenn unser Kunde – etwa im Frachtgeschäft – einen wirklichen Schritt nach vorne machen will, muss er genau erklären, wie sein Geschäft funktioniert, wie seine Kundenbeziehungen aussehen, welche Transportwege er normalerweise nutzt und welche Anforderungen sein Produkt hat. Dann erarbeiten unsere Experten dafür maßgeschneiderte Lösungen.

In Ihrer aktuellen Studie verweisen Sie auf ein großes Interesse an nachhaltiger Logistik aus Asien.

Seit vier Jahren sehen wir diesen sich langsam entfaltenden Trend in den asiatischen Gesellschaften – vermutlich unter dem Eindruck zunehmender Umweltbelastungen. Dort fand die Industrialisierung teilweise sehr schnell statt und die Leute merken jetzt, dass ihre natürliche Umwelt sehr gelitten hat. Diese Erkenntnis dokumentiert sich in den Antworten von Befragten unserer Studie in Asien, die der Nachhaltigkeit von Logistiklösung tendenziell eine höhere Wichtigkeit zuweisen als Befragte in Europa oder Amerika. Das heißt aber noch nicht, dass sie bereit wären, dafür in diesem Falle auch zusätzliche Kosten in Kauf zu nehmen. Und es heißt ebenso wenig, dass sie genau wissen, welche Art von Produkten sie kaufen wollen. Und trotzdem zeigt unsere Studie, dass in Asien ein Wertewandel stattfindet.

Kunden und Mitarbeiter stehen für viele Unternehmen im Mittelpunkt. Mit welchen weiteren Stakeholdern suchen Sie den Dialog?

Kunden und Mitarbeiter sind natürlich sehr wichtig. Wir sagen: Unser ökonomischer Erfolg ist eine nachlaufende Größe der Kundenzufriedenheit und diese ist wiederum eine nachlaufende Größe der Mitarbeiterzufriedenheit. Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit hängen nicht zuletzt davon ab, dass wir die Nachhaltigkeit unseres Geschäftsmodells darstellen können. Man kann gar nicht hoch genug einschätzen, wie stark Nachhaltigkeitsaktivitäten bei der eigenen Belegschaft wahrgenommen werden. Daneben gibt es natürlich NGOs, die sich entsprechenden Themen verschrieben haben, etwa im Bereich der grünen Logistik, der Arbeitnehmer- und Menschenrechte und ähnlichem. Und es gibt das Feld der Wissenschaft im weitesten Sinne, die uns beobachtet und uns wichtige Impulse liefert.

Wir haben uns viel Mühe gegeben, über Befragungen und das Schaffen von entsprechenden Gremien den breiten gesellschaftlichen Willen ins Unternehmen einzuspiegeln. Dazu haben wir zum Beispiel einen „Sustainability Advisory Council“ geschaffen, der mit Vertretern unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen besetzt ist, zum Beispiel aus Politik, Wissenschaft, NGOs, Kunden und den Medien. Wir wollen nicht nur mit den professionellen Interessenvertretern im direkten Gespräch sein, sondern in einem 360°-Ansatz die gesellschaftliche Sicht der Dinge breit erfassen.

Inhaltlich haben wir in den letzten zwölf Monaten in Bonn einen intensiven Stakeholder-Dialog im Bereich grüne Logistik geführt. Hier führen wir gerade einen großen Feldversuch durch, mit dem wir die flächendeckende CO2-freie Zustellung in der Stadt prüfen. Bei Projektende 2016 werden in Bonn und Umgebung 150 Elektrofahrzeuge unterwegs sein und die gesamte Verbundzustellung – das heißt die Zustellung aller Briefe und Pakete – CO2-optimiert durchführen.

Jetzt sind wir dabei, einen Perspektivwechsel vorzunehmen: Die Veröffentlichung unserer Studie zum Stakeholderdialog leitet eine Phase ein, in der wir uns grundsätzlich mit den Fragen beschäftigen wollen: Wie organisiert man Stakeholder-Dialoge an sich? Wie machen das andere und was können wir davon lernen? Wie können bereits existierende Instrumente wie eine Materialitätsanalyse sinnvoll eingesetzt und weiterentwickelt werden? Das ist sozusagen eine logische Weiterentwicklung der vergangenen fünf Jahre. Die Logistikindustrie unterliegt in diesem Bereich anderen Anforderungen und Ausgangsbedingungen als zum Beispiel die Pharma- oder Chemieindustrie, die hier heute bereits auf einem hohen Niveau aktiv sind. Diese Branchen sind zu einem früheren Zeitpunkt mit höheren Anforderungen konfrontiert worden als wir und deshalb sind wir noch an einer etwas früheren Stelle in der Kurve als diese.

Viele Unternehmen wollen sich ein grünes Image geben. Wie gewinnen Sie für Ihr ökologisches Engagement das Vertrauen der Kunden?

Wir machen ein ganz interessantes Experiment, insofern die Thematik Corporate Responsibility seit zwei Jahren mit Corporate Communications „verheiratet“ ist. Das ist nicht aus der Not geboren oder zufällig, sondern aus Überzeugung. Unter anderem wird so unsere Fähigkeit gestärkt, die eigenen Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit angemessen darzustellen. Und damit meine ich genau das Gegenteil von Greenwashing, ich meine die ganze Bandbreite der Dokumentation dessen, was wir in diesem Bereich tun, und eben auch das Öffnen von Dialogkanälen, um regelmäßig zu den Aktivitäten im Gespräch zu sein.

Unter dem Gesichtspunkt der Materialität haben wir einen integrierten Plan für Kommunikation und Responsibility entwickelt, der vorsieht, dass wir uns auf wesentliche Maßnahmen konzentrieren. Wir verfolgen die Verbesserung unseres CO2-Footprints konsequent. Wir sind erfolgreich unterwegs, was den Prozentanteil erneuerbarer Energien an unserem Elektrizitätsverbrauch betrifft und liegen heute bei über 60 Prozent weltweit. Dazu wollen wir nicht einfach nur Geschichten erzählen, sondern wir peilen klare Ziele an, wir erreichen sie und dann sprechen wir darüber.

Weil ich nun Kommunikationsprofi bin und das jetzt seit fast 20 Jahren, werde ich oft von Kollegen aus der CSR-Community gefragt: Warum erhält unser Nachhaltigkeitsengagement in den Medien nur so einen geringen Stellenwert? Was müssen wir tun, um das zu ändern? Dazu kann ich nur sagen: Wir würden uns mehr Darstellungsraum in den wesentlichen Publikationen wünschen. Aber es hat auch etwas damit zu tun, dass wir diese Themen entsprechend vermitteln müssen. Sie brauchen einen Nachrichtenwert und Berichterstattungsattraktivität. Ich kann nicht erwarten, dass eine Sache – nur weil sie per se relevant ist – in den Medien breiten Raum einnimmt. Ich muss sie entsprechend darstellen. Daher geben wir uns, ohne irgendein schlechtes Gewissen zu haben, auch Mühe, um mit unseren Botschaften durchzudringen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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Unter dem Schwerpunktthema „Grüne Unternehmen“ stellt sich die Dezemberausgabe des CSR MAGAZIN der Frage nach einer verantwortungsvollen Logistik. >> Hier lesen Sie mehr über die aktuelle Ausgabe.

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