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Mindestlohn: Firmen planen Preiserhöhungen und Personalabbau

Etwas mehr als die Hälfte der von der Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns betroffenen Firmen will mit Preiserhöhungen, Personalabbau oder anderen Maßnahmen reagieren, so das ifo Institut in München.

München (afp) – Etwas mehr als die Hälfte der von der Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns betroffenen Firmen will mit Preiserhöhungen, Personalabbau oder anderen Maßnahmen reagieren. Das teilte das ifo Institut in München am Donnerstag unter Berufung auf eine eigene Umfrage unter mehr als 6300 Unternehmen verschiedener Branchen mit. Demnach planen 57 Prozent der Firmen solche Schritte. 43 Prozent sehen keinen Grund für Änderungen.

Die Art der bevorzugten Reaktion unterscheidet sich laut ifo je nach Wirtschaftsbereich. Dienstleister vor allem im Gastgewerbe wollen demnach bevorzugt mit steigenden Preisen reagieren (31 Prozent), während im Einzelhandel vor allem Personalabbau (29 Prozent) sowie reduzierte Arbeitszeiten für Mitarbeiter (33 Prozent) favorisiert werden. In der Industrie planen Firmen hingegen sowohl mit Personalabbau (26 Prozent), steigenden Preisen (23 Prozent) sowie geringeren Sonderzahlungen (23 Prozent).

Die verschiedenen Reaktionen erklären sich dem Institut zufolge unter anderem durch die jeweilige Markt- und Wettbewerbssituation. Dienstleister stünden seltener im internationalen Preiswettbewerb und könnten Erhöhungen eher durchsetzen als etwa Einzelhändler. Die tendierten daher eher dazu, Personal abzubauen. Insgesamt planten Firmen aber meist eine Kombination von Maßnahmen.

Die Umfrage beschränkte sich auf Unternehmen, die von der Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde ab 1. Januar 2015 betroffen sein werden. Das waren laut ifo vor allem Firmen aus dem Gastgewerbe (72 Prozent) sowie in geringerem Ausmaß aus dem Einzelhandel (43 Prozent), der Dienstleistungsbranche (31 Prozent) und dem verarbeitenden Gewerbe (21 Prozent). Betriebe aus Ostdeutschland sind demnach mit 43 Prozent deutlich häufiger betroffen als solche im Westen (24 Prozent).

Der Mindestlohn ist den ifo-Experten zufolge aber nicht für alle Unternehmen aus einer Branche gleichermaßen von Bedeutung, da manche ohnehin höhere Löhne zahlen. Einige Branchen wie der Bausektor blieben ganz außen vor, weil dort bereits ein branchenbezogener Mindestlohn gilt.

Das Gesetz zum allgemeinen flächendeckenden Mindestlohn war im Sommer nach langen und kontroversen Diskussionen von Bundestag und Bundesrat gebilligt worden und tritt zum Jahreswechsel in Kraft. Das von der SPD forcierte Vorhaben ist eines der zentralen Vorhaben der großen Koalition. Arbeitgeber kritisieren es. Laut Gesetz gilt künftig eine Lohnuntergrenze von 8,50 Euro pro Stunde. Es gibt allerdings Ausnahmen für bestimmte Beschäftige sowie Übergangsregelungen, die einzelne Branchen unter gewissen Bedingungen bis Ende 2016 beanspruchen können.

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