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ADAC schließt sich Regeln für transparente Produkttests an und verabschiedet Strukturreform

Als Reaktion auf die Skandale zu Jahresbeginn hat sich der ADAC der Initiative “Gutes Testen” angeschlossen, die Regeln für Verbrauchertests festgelegt hat. Auf seiner Hauptversammlung verabschiedete der Automobilclub am Samstag eine Strukturreform und wählte einen neuen Präsidenten.

München (afp) – Als Reaktion auf die Skandale zu Jahresbeginn hat sich der ADAC der Initiative “Gutes Testen” angeschlossen, die Regeln für Verbrauchertests festgelegt hat. Der Autofahrerclub habe sich per Unterschrift verpflichtet, die vom Bundesverbraucherministerium vorgelegten “Regeln der guten fachlichen Praxis des Testens” einzuhalten, erklärte der ADAC am Freitag in München. Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) begrüßte den Schritt. “Der ADAC scheint verstanden zu haben, dass er vom Vertrauen seiner Mitglieder lebt”, erklärte Maas in Berlin. Die Selbstverpflichtung könne dem Verein helfen, das Vertrauen zurückzugewinnen.

Zuvor hatten bereits die Stiftung Warentest, Ökotest und das Computermagazin c’t Heise die Selbstverpflichtung unterzeichnet. “Verbraucher müssen sich darauf verlassen können, dass Produkttests und Umfragen nicht manipuliert werden”, erklärte Maas. Dafür seien transparente Standards wichtig. Sein Ministerium habe daher zusammen mit Testorganisationen Grundsätze für “Gutes Testen” formuliert. Dabei handele es sich aber nicht um eine gesetzliche Regelung, sondern eine Selbstverpflichtung.

Die Regeln für das Testen hat das Ministerium auf seiner Website veröffentlicht. Dort soll auch eine Liste von Unternehmen veröffentlicht werden, die diese neuen Testgrundsätze anerkennen und sich zu ihrer Anwendung verpflichten. Die Teilnehmer müssen unter anderem Auskunft über die Identität des Testveranstalters, seine Eigentümerstruktur und die Zusammensetzung seiner Einnahmequellen sowie die Grundzüge seines Geschäftsmodells oder die Testmethoden geben. Den Anstoß zu der Initiative des Ministers hatten die zu Jahresbeginn bekannt gewordenen Manipulationen des ADAC bei seiner Autopreisverleihung “Gelber Engel” gegeben.

Am Samstag brachte der ADAC auf einer außerordentlichen Hauptversammlung ein großes Reformprogramm auf den Weg und wählte August Markl zum neuen Präsidenten. Markl war bisher gewählter Vize-Präsident des ADAC und hatte den Verein in den zurückliegenden Monaten kommissarisch geführt.

Die Standards der Initiative “Gutes Testen” >> im Internet

Verein, AG und Stiftung – Der neue ADAC: Drei-Säulen-Modell soll saubere Trennung bringen
Ein Hintergrund von Ralf Isermann

Die Skandalserie des ADAC rückte auch ins Bewusstsein, zu welch einem Milliardenkonzern der Verein inzwischen gewachsen ist. Mit dem am Samstag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung beschlossenen neuen Drei-Säulen-Modell trennt der ADAC seine Vereinsaktivitäten von seinen Wirtschaftsaktivitäten und stärkt mit einer Stiftung zusätzlich sein gemeinnütziges Engagement.

VEREIN: Der eingetragene Verein ADAC soll in Zukunft alleine die Aufgaben übernehmen, die bis heute auch viele mit dem Club verbinden. Dazu zählen im Kern die Pannenhilfe und der Motorsport. Finanziell gespeist wird der Verein aus den Mitgliedsbeiträgen. Kommt es hier zu Überschüssen, sollen diese im Verein bleiben.

Am Leistungsumfang der Mitgliedschaften – bei der besonders beliebten Plus-Mitgliedschaft etwa sind das Leistungen wie ein europaweiter Krankenrücktransport – ändert sich nichts. Die hier angebotenen Versicherungsleistungen werden bereits jetzt über eine Versicherung abgewickelt.

Juristisch bleibt der ADAC ein sogenannter Idealverein – dieser darf nur zum Nebenzweck wirtschaftlich aktiv werden. Der Vereinsstatus des ADAC wird derzeit gerichtlich geprüft. Eine wegen der vielen Geschäfte drohende Aberkennung des Vereinsstatus will der ADAC durch die Auslagerung der Geschäfte in die Aktiengesellschaft verhindern.

AKTIENGESELLSCHAFT (AG): Bislang liefen die Geschäfte des ADAC – darunter etwa Auto- und Wohnmobilvermietungen, Finanzdienstleistungen wie Autokredite und Kreditkarten oder die Schutzbriefversicherung – mit dem Verein verwoben. Die ehrenamtlichen ADAC-Vertreter aus den Regionalclubs konnten dabei die Geschäfte mit beeinflussen.

Künftig laufen die Geschäfte in einer personell unabhängigen AG. Sowohl der AG-Vorstand als auch der Aufsichtsrat sollen nicht mehr vom Verein Anweisungen bekommen. Der ADAC wird über eine Holding 74,9 Prozent an der AG halten, 25,1 Prozent und damit eine Sperrminorität hält die neue ADAC-Stiftung. Die Gewinne der Aktiengesellschaft fließen in diese Stiftung.

STIFTUNG: In der Stiftung bündelt der ADAC seine bisherigen gemeinnützigen Aufgaben und weitet diese aus, die Leistungen erfolgen unabhängig von einer ADAC-Mitgliedschaft. Die Stiftung soll Forschungsprojekte im Bereich Mobilität und Motorsport finanzieren, Unfallopfer unterstützen, Konzepte zur Unfallverhütung finanzieren oder bei der Rettung aus Lebensnot insbesondere über die Luftrettung helfen.