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Deutsche Bahn: Nachhaltigkeit auf die Schiene bringen

Kaum ein Unternehmen im Markt präsentiert sich so grün wie die Deutsche Bahn: Auf Werbeplakaten, Imagebroschüren und auf der BahnCard prangt die Farbe Grün. Die Farbe steht auch für den Strategiewechsel: DB2020 heißt das in 2012 verabschiedete Programm, zu dessen Umsetzung Meike Niedbal als Verantwortliche für Nachhaltigkeitsmanagement und Zukunftsforschung beiträgt.

Berlin (csr-news) – Kaum ein Unternehmen im Markt präsentiert sich so grün wie die Deutsche Bahn: Auf Werbeplakaten, Imagebroschüren und auf der BahnCard prangt die Farbe Grün. Die Farbe steht auch für den Strategiewechsel: DB2020 heißt das in 2012 verabschiedete Programm, zu dessen Umsetzung Meike Niedbal als Verantwortliche für Nachhaltigkeitsmanagement und Zukunftsforschung beiträgt.

Nachhaltigkeit bei der Bahn soll kein Nice to Have oder ein Marketingargument sein, sondern Kern der Unternehmensstrategie, die Ökonomie, Soziales und Ökologie in Einklang bringt. „Wir haben keine separate Konzern- und eine Nachhaltigkeitsstrategie, sondern eine nachhaltige Konzernstrategie. Damit unterlegen wir, dass Nachhaltigkeit in die DNA unseres Unternehmens integriert ist“, sagt Niedbal.

Das Unternehmen hat sich auf Konzern- und Geschäftsfeldebene ein integriertes Zielsystem mit zwölf Kennzahlen gegeben, um Fortschritte messen und Maßnahmen steuern zu können. Die Säulen sind „profitabler Marktführer“, „Top-Arbeitgeber“ und „Umwelt-Vorreiter“ und verbinden ökonomische, soziale und ökologische Aspekte. Niedbal: „Die Erreichung dieser Ziele berichten wir nicht nur nach außen, sondern unterjährig auch nach innen.“ Die Erreichung von Konzern- und Geschäftsfeldzielen fließt ebenso in die flexible Jahresabschluss-Vergütung von rund 6.000 DB-Führungskräften ein.

Kunden: CO2-freier Transport und Mobilität

Für Industriekunden gewinnt der CO2-Footprint eine immer größere Bedeutung. Der Schienengüterverkehr der DB – DB Schenker Rail – reagiert darauf mit dem Angebot „ECO Plus“: Für Transporte nach diesem Tarif speist DB Energie die benötigte Menge an Ökostrom ins Bahnstromnetz ein. Der Ökostrom stammt aus einheimischen Quellen, insbesondere aus Wasserkraftwerken. Die zugrunde liegenden Berechnungen werden durch den TÜV Süd geprüft und dem Kunden individuell bescheinigt. Genutzt wird dieses Angebot beispielsweise von Automobilkonzernen wie Audi oder BMW.

Konzernweit hat sich die Bahn zum Ziel gesetzt, ihre spezifischen CO₂-Emissionen bis zum Jahr 2020 weltweit um 20 Prozent im Vergleich zu 2006 zu senken und den Anteil der erneuerbaren Energien am Bahnstrom bis 2020 auf mindestens 35 Prozent zu steigen. Letzteres hat die Bahn bereits 2013 erreicht, es bleibt Raum für weiterreichende Ziele. Auch bei der CO2-Reduzierung ist die DB mit erreichten 18,7 Prozent dem Ziel bereits sechs Jahre vorfristig sehr nahe. „Nachhaltigkeit ist ein wesentliches Merkmal unseres Angebotes. Noch ist es nicht für alle Kunden kaufentscheidend, aber die Bedeutung nimmt zu“, sagt Niedbal. „Als Umwelt-Vorreiter müssen wir in Vorleistung gehen.“ Beispielsweise mit dem Einkauf von Ökostrom für den grünen Fernverkehr.

Anwohner: halber Lärm

Wer an Bahn-Emissionen denkt, dem fällt wohl nicht zuerst das CO2 ein, sondern der Lärm – insbesondere durch den Güterverkehr. „Dem Thema müssen wir uns stellen“, sagt Niedbal. Bis 2020 will die Bahn den Schienenverkehrslärm gegenüber dem Jahr 2000 halbieren. Daher werden alle DB-Waggons mit Verbundstoffbremssohlen – sogenannten „Flüsterbremsen“ – ausgestattet. Allerdings müssen für eine deutliche Lärmreduzierung im Güterverkehr nicht nur die 60.000 Bestands-Wagen der DB umgerüstet werden, sondern auch 120.000 Waggons anderer Eigentümer, die durch Deutschland rollen. Lärmdämpfer sind zudem Schallschutzwände. Wirkung zeigt auch das 2013 eingeführte, lärmabhängige Trassenpreissystem. Leise Züge erhalten einen Rabatt, für laute Züge wird ein Aufpreis fällig. Die Mehreinnahmen werden zusammen mit einer Zuwendung der Bundesregierung in Form von Zuschüssen zur lärmmindernden Umrüstung an die Wagenhalter ausgezahlt.

Reisende: neue Mobilitätskonzepte

Die neue App „Qixxit“ ist ein Mobilitätsratgeber für mobile Endgeräte, mit dem sich für den Weg von A nach B eine optimale Kombination verschiedener Verkehrsmittel – Bus, Bahn, Flugzeug, Auto oder zu Fuß – ermitteln lässt. „Wir sind von dem Denken weggekommen, bei einem Mobilitätsmix würden immer Teile unserer Reisekette kannibalisiert“, sagt Niedbal. Dazu beigetragen hat sicherlich auch ein Besuch von DB-Experten im Silicon Valley in Kalifornien, die sich vor Ort angesehen haben, wie Kundenkontakte und Kundenbegeisterung für Mobilitätslösungen funktionieren. Mit ihrer „Initiative Mobilität 4.0“ reagiert die Bahn auf die zunehmende Digitalisierung und damit steigende Anforderungen ihrer Kunden.

Gesellschaft: mehr Dialog und Transparenz

Mit ihrer umfangreichen Nachhaltigkeitsberichterstattung und mit regelmäßigen Stakeholderdialogen kommt die Deutsche Bahn auch den Erwartungen ihrer Kritiker entgegen. So hat die DB im November 140 Stakeholder zum 3. DB Nachhaltigkeitstag und damit zum direkten Austausch eingeladen. Die Offenheit ist neu: 2006 erhielt der bundeseigene Konzern für besonders restriktive Öffentlichkeitsarbeit den Negativpreis „Verschlossene Auster“ des Journalistenverbands Netzwerk Recherche, drei Jahre später folgte ein Skandal um einen Millionen-Betrag der Bahn für verdeckte PR. „Gerade der übergreifende Dialog mit mehreren Stakeholdergruppen bringt wichtige Impulse für uns und schärft unser Verständnis, was diese konkret von uns erwarten”, sagt Niedbal. Klare Zielfestlegungen und eine transparente Kommunikation sind ihr deshalb wichtig. Für den kommenden März bereitet die Bahn einen integrierten Geschäftsbericht vor, welcher die Nachhaltigkeits- und die Geschäftsberichterstattung zusammenführt.

Foto: Dr. Meike Niedbal bei einer Dialogveranstaltung