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Lagarde: Jugendarbeitslosigkeit in Italien ist sozialer Sprengstoff

“Anhaltende Arbeitslosigkeit untergräbt nicht nur die wirtschaftliche Produktivität, sondern auch das Selbstbewusstsein der Menschen und sie erschüttert das Fundament der Gesellschaft”, so die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde.

Mailand (afp) – Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat vor den sozialen Folgen der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Italien gewarnt. “Anhaltende Arbeitslosigkeit untergräbt nicht nur die wirtschaftliche Produktivität, sondern auch das Selbstbewusstsein der Menschen und sie erschüttert das Fundament der Gesellschaft und der Institutionen, indem sie Ungleichheit und auch Gewalt hervorruft”, sagte Lagarde bei einer Rede in der Bocconi-Universität in Mailand. Mit Blick auf eine Arbeitslosenquote von 43 Prozent unter den 15- bis 25-Jährigen könne “sogar der Mona Lisa das Lächeln vergehen”.

“Dieses Kreuz müssen nicht nur die jungen Menschen tragen”, sagte die IWF-Generaldirektorin. Früher oder später werde sich das Problem auf die gesamte Gesellschaft auswirken. Lagarde befürwortete die von Ministerpräsident Matteo Renzi vorangetriebene Reform, mit dem er für mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt sorgen will. Unter anderem sieht das Gesetz vor, den Kündigungsschutz an die Dauer der Betriebszugehörigkeit zu knüpfen.

Lagarde forderte die Regierung in Rom aber gleichzeitig zu weiteren Anstrengungen auf. Italien müsse unter anderem sein Ausbildungssystem verbessern und die Lohnnebenkosten reduzieren. Lagarde äußerte sich besorgt über die lahmende Konjunktur in Italien. “Niedrige Wachstumsraten und eine schwache Inflation sind eine giftige Mischung und erschaffen einen Teufelskreis: Wer ein geringes Wachstum erwartet, hält sich heute mit Investitionen und Einstellungen zurück. Diesen Teufelskreis zu durchbrechen, ist eine Herausforderung für Italien und ganz Europa.”