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Chinas gigantisches Süd-Nord-Wassertransferprojekt geht in Betrieb

Die zentrale Route des umstrittenen Projektes, durch welches der Durst Pekings und anderer Ballungsräume im Norden mit Wasser aus Zentralchina gestillt werden soll, sei am Freitag in Betrieb gegangen.

Peking (afp) – In China hat mit dem Süd-Nord-Wassertransferprojekt eines der ambitioniertesten Bauprojekte in der Geschichte des Landes seinen Dienst aufgenommen. Die zentrale Route des umstrittenen Projektes, durch welches der Durst Pekings und anderer Ballungsräume im Norden mit Wasser aus Zentralchina gestillt werden soll, sei am Freitag in Betrieb gegangen, wie ein Vertreter der mit dem Projekt betrauten Kommission des Staatsrates sagte.

Das Wasser werde „heute offiziell anfangen zu fließen“, sagte der Vertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur AFP. In etwa 15 Tagen solle das Wasser erstmals die Hauptstadt Peking erreichen, sagte der Behördenvertreter.

Künftig sollen 9,5 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Jahr aus dem Danjiangkou-Reservoir in der Provinz Hubei nach Norden geleitet werden, wie der staatliche Fernsehsender CCTV berichtete. Dies entspricht in etwa einem Sechstel der Wassermenge des Gelben Flusses, Chinas zweitgrößter Wasserstraße. Das gesamte Netz aus Pipelines, Kanälen und Wasserwegen hat eine Länge von über 1400 Kilometern.

Für den rund elf Jahre dauernden Bau der zentralen Route seien beinahe 33 Milliarden Dollar (26,5 Milliarden Euro) investiert und über 330.000 Menschen umgesiedelt worden, berichteten chinesische Medien. Auf der östlichen Route, die den 1400 Jahre alten Kaiserkanal nutzt, wird bereits seit dem vergangenen Jahr Wasser aus dem Fluss Yangtze in die Provinz Shandong geleitet.

Die Gesamtkosten des aus insgesamt drei Routen bestehenden Projekts belaufen sich nach Angaben der chinesischen Regierung auf etwa 81 Milliarden Dollar (65 Milliarden Euro) und sollen die chronische Wasserknappheit im Norden des Landes mildern. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Umweltverschmutzung durch das Projekt zunehmen könne. Zudem sei die Wirksamkeit des Wassertransfers angesichts abnehmender Regenmengen im Süden nicht gesichert, während der Wasserbedarf des Nordens dadurch höchstens zeitweise gestillt werden könne.

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