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Nachhaltige Industriestandorte – Ressourceneffizienz in angenehmer Umgebung

Werden Bürogebäude, Lagerhallen oder Gewerbeeinheiten neu gebaut, dann kommen immer öfter die Kriterien für eine Zertifizierung nach den Standards der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zum Einsatz. Inzwischen werden die Standards auf ganze Stadtquartiere angewendet und in diesem Jahr erstmals auch auf Industriestandorte. Als erster nachhaltiger Industriestandort wurde das Logistik-Center der EvoBus in Neu-Ulm ausgezeichnet.

Stuttgart (csr-news) > Werden Bürogebäude, Lagerhallen oder Gewerbeeinheiten neu gebaut, dann kommen immer öfter die Kriterien für eine Zertifizierung nach den Standards der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zum Einsatz. Inzwischen werden die Standards auf ganze Stadtquartiere angewendet und in diesem Jahr erstmals auch auf Industriestandorte. Als erster nachhaltiger Industriestandort wurde das Logistik-Center der EvoBus in Neu-Ulm ausgezeichnet.

Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums gehören bundesweit rund 22.5000 Unternehmen zum verarbeitenden Gewerbe, von der kleinen Schlosserei bis zum Industriekonzern. Vor allem steigende Energiekosten sowie schärfere gesetzliche Auflagen führen auch in diesem Bereich zu einem Umdenken beim Klimaschutz sowie dem Energie- und Ressourcenverbrauch. Hinzu kommen oftmals Anforderungen aus der Kommune, weil sich immer mehr kommunale Strategien einer nachhaltigen Stadtentwicklung auch mit den Industriestandorten beschäftigen. Genau dafür hat die DGNB ihr Nutzungsprofil Industriestandorte entwickelt. DGNB-Geschäftsführer Michael Dax: „Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt für Industriestandorte immer stärker an Bedeutung. Mit dem neuen Nutzungsprofil wollen wir dieser Entwicklung Rechnung tragen“. Somit wird den Standorten mit überwiegend industrieller Güterproduktion die Möglichkeit geboten, sich unter ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten von bisherigen Entwicklungen abgrenzen. Die Erstanwendungsphase, in der an realen Projekten das neue Nutzungsprofil in der Anwendung getestet wurde, hat bereits 2013 begonnen. Nun können sowohl neue als auch bestehende Industriestandorte eine Nachhaltigkeitszertifizierung beantragen. Insgesamt hat die DGNB bislang rund 990 Projekte, hauptsächlich Gebäude, betreut von denen bereits 330 eine Zertifizierung erhalten haben. In Zukunft werden wohl öfters Gewerbegebiete dabei sein. Alleine in diesem Jahr wurden 31 Industriebauten zertifiziert und auch die ersten Industriestandorte.

Entsprechend der Grundsystematik des DGNB Nachhaltigkeitsansatzes werden für die Zertifizierung 40 Kriterien aus sechs Themenfeldern betrachtet. Auch bei den Industriestandorten werden neben den ökologischen Themen auch ökonomische und soziale Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigt. So wird neben der Ökobilanz und geringen Lebenszykluskosten ein besonderes Augenmerk auf die Verbesserung der Aufenthaltsqualität gelegt. Darunter fallen beispielsweise Einkaufsmöglichkeiten vor Ort und Angebote zur Kinderbetreuung. Sowohl die Qualität und der Ressourcenbedarf der Gebäude als auch die Freiflächen und die Infrastruktur der Umgebung werden in die Bewertung mit einbezogen. Als besonders nachhaltig werden die Bildung von Synergien und Kreisläufen zwischen Industrie und den umgebenden Quartieren gewertet.

Als erstes Unternehmen in Deutschland hat die zum Daimler-Konzern gehörende EvoBus GmbH das DGNB-Zertifikat für seinen nachhaltigen Industriestandort erhalten, und zwar für ihr Logistik-Centrum in Neu-Ulm. Dafür hat die DGNB den Standort nach insgesamt 29 ökologischen, ökonomischen, soziokulturellen und technischen Einzelkriterien geprüft und bewertet. Entscheidend für den Erfolg der Zertifizierung war die EvoBus Initiative „Grüne Fabrik“. Sie hat zum Ziel, den Umweltschutz an den Standorten des Unternehmens zu fördern und geht dabei über die reine Produktbetrachtung hinaus. Vielmehr werden die Themen CO2 und Energie, Luftverschmutzung, Wasser und Abwasser, Ressourcen und Abfall sowie Biodiversität in den Mittelpunkt gerückt. In den Jahren 2007/2008 wurde das Logistik-Center neu geplant und schon dabei wurde versucht möglichst viele Nachhaltigkeitsanforderungen zu berücksichtigen und zu erfüllen. Bei der Prüfung durch die DGNB überzeugte der Standort zum Beispiel mit dem nachhaltigen Grünflächenkonzept auf dem Werksgelände. Es beheimatet eine naturnahe Begrünung, heimische Pflanzen und Wildblumenwiesen. Zudem gibt es ansprechende Aufenthaltsbereiche für die Mitarbeiter. Beim Thema Energie punktet das Verwaltungsgebäude mit seiner modernen Haustechnik, die hilft, weniger Energie zu verbrauchen und dabei, bei allen Witterungsbedingungen, ein behagliches Raumklima zu schaffen. Entscheidend sind dafür eine gute Wärmedämmung, einen außen liegenden Sonnenschutz, die Nutzung von Erdwärme und eine luftdichte Gebäudehülle. Insgesamt umfasst das Logistik-Center eine Fläche von rund 40.000 m² und bietet 400 Mitarbeitern aus Lager und Verwaltung einen Arbeitsplatz.

Inzwischen wurde schon ein weiterer nachhaltiger Industriestandort ausgezeichnet. Das Volkswagen Motorenwerk im sächsischen Chemnitz. Nachdem im Vorjahr bereits einzelne Gebäude wie die Erweiterung einer Produktionshalle zertifiziert wurden, hat die DGNB diesmal den gesamten Standort bewertet. Dabei stachen vor allem die hohe Ressourceneffizienz und Umweltverträglichkeit hervor. Volkswagen will im Rahmen seines „Think Blue. Factory.-Programms“ die weltweit umweltfreundlichste Automobilproduktion erreichen. Im Werk Chemnitz sind rund 1.750 Mitarbeiter beschäftigt, die jährlich rund 700.000 Motoren für die Fahrzeuge der Volkswagen-Gruppe zusammenbauen. Für die DGNB hat sich der Standort in ausgewogener Balance mit seinem Umfeld entwickelt. Bei der Integration neuer Produkte in den Industriestandort wurde besonderer Wert auf die Investition in ressourceneffiziente Anlagentechnik gelegt. So wurde bei der Entwicklung des Standorts versucht, ein Gleichgewicht zwischen Tradition und Innovation, Urbanität und Natur sowie zwischen Globalisierung und nationaler Identität zu erreichen. Neben der Ökobilanz wird zudem ein besonderes Augenmerk auf die Verbesserung der Aufenthaltsqualität gelegt. Sowohl Qualität und Ressourcenbedarf der Gebäude als auch die Freiflächen und die Infrastruktur der Umgebung wurden in die Bewertung mit einbezogen. Als besonders nachhaltig wurden die Bildung von Synergien und Kreisläufen zwischen Industrie und den umgebenden Quartieren gewertet. Durch die Optimierung der Fertigungs- und Logistikprozesse wurde der interne Wertstrom maßgeblich verbessert und zugleich die Lärmemissionen des Werkes nach außen kontinuierlich verringert.

 

Zulassungsvoraussetzungen für Industriestandorte:

(1) Die Mindestgröße eines Industriestandortes beträgt 2 Hektar Bruttobauland (BBL).

(2) Es handelt sich um einen überwiegend industriell genutzten Standort.

(3) Es gibt eine natürliche oder juristische Person, die flächenverantwortlich für den Standort ist.

Foto: Das EvoBus Logistik-Center Neu-Ulm dient der weltweiten Versorgung der Zwischenlager, Servicecenter, Händler und Werkstätten mit Ersatzteilen für die Omnibusmarken Setra und Mercedes-Benz. Dort sind auf einer Fläche von 40.000 qm über 138.000 Teile gelagert.

 

 

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