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Umfangreichere Nachhaltigkeitsberichterstattung über Korruption und Lobbying

Nicht jeder nach GRI veröffentlichte Bericht erfüllt tatsächlich auch alle Anforderungen, die an ihn gestellt werden. Dies ist zumindest eine Erkenntnis aus einer Untersuchung von 21 Nachhaltigkeitsberichten, die Transparency International 2012 für die Themenbereiche Korruption und Politik durchgeführt hat. Nun wurden die aktuellen Nachhaltigkeitsberichte nach der gleichen Systematik analysiert. Dabei zeigte sich eine deutliche Verbesserung.

Berlin (csr-news) > Nicht jeder nach GRI veröffentlichte Bericht erfüllt tatsächlich auch alle Anforderungen, die an ihn gestellt werden. Dies ist zumindest eine Erkenntnis aus einer Untersuchung von 21 Nachhaltigkeitsberichten, die Transparency International 2012 für die Themenbereiche Korruption und Politik durchgeführt hat. Nun wurden die aktuellen Nachhaltigkeitsberichte nach der gleichen Systematik analysiert. Dabei zeigte sich eine deutliche Verbesserung.

Für ihre erste Untersuchung hat Transparency International 21 Unternehmen ausgewählt, die nach eigenen Angaben dem internationalen Berichtsstandard der Global Reporting Initiative (GRI) entsprechen und dabei die Anwendungsebene A befolgen. Dafür müssen die Unternehmen Angaben machen zum Prozentsatz und zur Anzahl der Geschäftseinheiten, die auf Korruptionsrisiken hin untersucht wurden. Sie müssen angeben, wie hoch der Anteil der Angestellten ist, die in der Antikorruptionspolitik und den Verfahrensweisen der eigenen Organisation geschult wurden, welche Maßnahmen bei Korruptionsvorfällen ergriffen wurden sowie Angaben zu politischen Positionen und Lobbying. Auch wenn die meisten Unternehmen in den Berichten die vollumfängliche Erfüllung der Indikatoren angab, so war dies nach Angaben von Transparency International bei drei Viertel der untersuchten Berichte nicht der Fall. Nun zwei Jahre später sollten die damaligen Ergebnisse erneut überprüft werden. Dabei hat sich Transparency auf 18 Unternehmen konzentriert, weil bei drei Unternehmen die Systematik nicht mehr anwendbar war. Dies war zum einen bei Daimler und SAP der Fall, weil beide Unternehmen inzwischen nach G4 berichten sowie bei Telefonica Germany, die ihren nationalen Nachhaltigkeitsbericht nicht mehr nach GRI erstellen. Das Resultat der erneuten Untersuchung zeigt demnach eine deutliche Verbesserung. Sowohl die Qualität der Berichterstattung hat sich gesteigert, die Informationen sind vollständiger und die Angaben in den GRI-Indizes zutreffender. Insgesamt hat sich die Anzahl der Abweichungen von den GRI-Regeln in etwa halbiert. Bei etwa einem Drittel der untersuchten Indikatoren wurden aber die GRI-Richtlinien noch immer nicht eingehalten. Für die Zukunft empfiehlt Transparency den Unternehmen, den entscheidenden weiteren Schritt zu gehen und zukünftig nach GRI G4 zu berichten. Manfred zur Nieden, Co-Autor der Studie: „Es ist zu hoffen, dass der Neustart der Berichterstattung mit größerer Regeltreue und Transparenz einhergehen wird, zumal die Unternehmen nach den G4-Regeln in gewissem Umfang selbst definieren können, welche Themen für sie wesentlich und daher berichtenswert sind.“ Auch wenn man sich bei Transparency über die positive Entwicklung erfreut zeigt, so haben die Autoren der Studie dennoch den Eindruck, „dass die Bereiche Korruption und Politik in der Nachhaltigkeitsberichterstattung stiefmütterlich behandelt werden“.

Ergebnisse der Kernindikatoren SO2 bis SO5

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Quelle: Studie „Nachhaltigkeitsberichte deutscher Großunternehmen. Untersuchung der Übereinstimmung mit den GRI-Richtlinien im Bereich Antikorruption. Wiederholungsstudie 2014“

Parallel zur deutschlandweiten Untersuchung der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Großunternehmen hat die Regionalgruppe Hamburg/Schleswig-Holstein von Transparency Deutschland Hamburger Unternehmen in den Fokus genommen. In diesem Raum haben nur fünf der 100 mitarbeiterstärksten Unternehmen nach GRI berichtet. Dies sind Aurubis, Beiersdorf, Ergo, Hamburg Port Authority und die Stadtreinigung. Letzteres hat als einziges Unternehmen die Anforderungen der Anwendungsebene A erfüllt, die anderen vier Unternehmen hatten sich niedrigere Ziele gesetzt. Weitere vier Firmen erstellen zwar einen Nachhaltigkeitsbericht, folgen dabei aber einem weniger strengen Berichtsweg. Die beiden Hamburger Großunternehmen Tchibo und Otto sind bereits in der bundesweiten Studie vertreten.

 

Die vollständige Untersuchung zum Download.

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