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Cloud-Dienste: Energieeffizienz versus Datenschutz

Die digitale Ökonomie ist ein signifikanter Stromverbraucher. Rund zehn Prozent des weltweiten Energieverbrauchs entfallen auf die Informations- und Kommunikationstechnologien und ein Ende ist noch nicht erreicht. Trotz effizienterer Geräte wird der Energiebedarf in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Ein Grund ist die wachsende Datenmenge insbesondere durch mobile Lösungen und Cloud-Dienstleistungen. Doch genau die könnten die Energieeffizienz der ITK-Branche verbessern. Ein Sustainable Spotlight der Schweizer Bank Sarasin hat die wichtigsten Akteure unter die Lupe genommen.

Basel (csr-news) > Die digitale Ökonomie ist ein signifikanter Stromverbraucher. Rund zehn Prozent des weltweiten Energieverbrauchs entfallen auf die Informations- und Kommunikationstechnologien und ein Ende ist noch nicht erreicht. Trotz effizienterer Geräte wird der Energiebedarf in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Ein Grund ist die wachsende Datenmenge insbesondere durch mobile Lösungen und Cloud-Dienstleistungen. Doch genau die könnten die Energieeffizienz der ITK-Branche verbessern. Ein Sustainable Spotlight der Schweizer Bank Sarasin hat die wichtigsten Akteure unter die Lupe genommen.

Die Nachfrage nach Cloud-Speicherlösungen hat ihren rasanten Aufschwung vor allem dem Ausbau mobiler und fixer Breitbandnetzwerke sowie der zunehmenden Verbreitung mobiler Kommunikationsgeräte zu verdanken. Sie bilden die notwendige Voraussetzung für eine sinnvolle Nutzung von Diensten in der Datenwolke. Für die Zukunft werden die größten Potenziale bei geschäftlichen Anwendungen gesehen. Zurzeit werden bereits rund 14 Prozent der IT-Budgets für Cloud-Lösungen ausgegeben. In ihrer Untersuchung der Cloud-Anbieter haben sich die Analysten von Sarasin allerdings nicht auf Geschäftsanwendungen konzentriert, sondern haben ebenso Unternehmen betrachtet, die vor allem von Privatanwendern genutzt werden, die aber einen hohen Bezug zum Thema Cloud haben. Dazu gehören beispielsweise reine Internetunternehmen wie Ebay, Google, Facebook, Amazon und Yahoo aber auch Betreiber von Rechenzentren wie Digital Realty, Telecity und Equinix. Weiterhin wurden Unternehmen analysiert, die ihre Softwareangebote zunehmend in die Cloud verlagern. Dazu gehören salesforce, Adobe und Autodesk. Aber auch Unternehmen aus dem geschäftlichen Umfeld wie SAP, Microsoft, Apple und IBM gehören zu den analysierten Anbietern, auch wenn deren Anteil cloudbasierter Lösungen am Gesamtumsatz noch eher gering ist.

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Quelle: Bankhaus Sarsain, Sustainable Spotlight „Ist das Leben in der Wolke besser?“

Damit cloubasierte Lösungen tatsächlich zur Steigerung der Energieeffizienz beitragen können, sind mindestens verschiedene Einflussfaktoren entscheidend. Dazu gehört beispielsweise die Infrastrukturoptimierung. Lokale Rechenzentren sind zumeist überdimensioniert, damit auch bei Spitzenbelastungen reibungslose Abläufe gewährleistet sind. An dieser Stelle kann die Cloud eine sinnvolle und energiesparende Alternative sein. Dazu gehört aber auch die Skalierbarkeit und die optimale Auslastung der Server, um eine bessere Effizienz der Rechenzentren zu erreichen. Eine Studie der Unternehmensberatung Accenture aus dem Jahr 2010 kommt zu dem Schluss, dass die ökologische Nachhaltigkeit von Cloud-Diensten im Vergleich zu lokalen Unternehmensrechenzentren vor allem auf Größenvorteile zurückzuführen ist. Die CO2-Intensität nimmt signifikant ab je größer die Installation ist, also je mehr Anwender sie nutzen können. Bis zu 90 Prozent können die Einsparungen beim Verbrauch betragen. Die Umweltbilanz wird aber zusätzlich auch vom Energiemix des Betreibers beeinflusst. Vor allem große Anbieter von Rechenzentren nutzen oftmals aufgrund des hohen Kostendrucks die preiswerteste Lösung. Das sind meist fossile oder atomare Energiequellen. Dies ist vor allem für Unternehmen interessant, die eigene Anwendungen in die Cloud auslagern, dabei aber ihre eigene Umweltbilanz nicht verhageln wollen. Bezogen auf die Anbieter cloudbasierter Lösungen weisen vor allem Apple, Facebook, Google und salesforce einen vorbildlichen Energiemix auf. Alle vier Unternehmen haben bereits jetzt substanziell in den Bezug und die Erzeugung von Erneuerbaren Energien investiert und sich alle ein 100-Prozent-Ziel gesetzt. Gleichzeitig investieren diese Unternehmen aber auch in die Energieeffizienz ihrer Anlagen, denn die hat direkten Einfluss auf ihre Profitabilität. So hat der Energieverbrauch bei den meisten Software & IT-Services-Unternehmen in den letzten Jahren zugenommen. Google meldete 2011 einen Verbrauch seiner Rechenzentren von 2.26 Mrd. kWh, was einer US-Stadt mit 200.000 Einwohnern entspricht. Aber den Unternehmen, neben Google auch IBM, Microsoft oder Facebook, gelingt es ständig ihre Effizienz zu verbessern. So verbraucht ein Google Rechenzentrum im Industrievergleich nur rund die Hälfte der Energie pro Monat und Nutzer als eine 60-Watt-Glühbirne in 3 Stunden.

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Quelle: Bankhaus Sarsain, Sustainable Spotlight „Ist das Leben in der Wolke besser?“

Neben ökologischen Faktoren spielen aber auch die Themen Datenschutz und Datensicherheit eine große Rolle. Hier unterscheiden sich Cloud-Anbieter nicht grundsätzlich von lokal betriebenen Rechenzentren, sie bieten allerdings ein beliebteres Angriffsziel von Hackern. Datenverluste haben für Unternehmen nebst direkten finanziellen Folgen auch einen Reputations- und Vertrauensverlust zur Folge. Die Sarasin-Analysten haben für ihre Nachhaltigkeitsbeurteilung den Stand der technischen, prozessualen und personellen Vorkehrungen sowie Zwischenfälle in der Vergangenheit betrachtet. Als ein positives Beispiel nennen sie Microsoft, das 2014 die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt hat. Beim Datenschutz steht die vertrauliche Nutzung der kundenbezogenen Daten im Fokus. Dies ist vor allem bei Geschäftsmodellen relevant, die auf dem Weiternutzungsrecht dieser Daten beruhen. Für die Nachhaltigkeitsbeurteilung wurde daher hauptsächlich das Ausmaß an kundenbezogenen sensitiven Daten, welche ein Unternehmen sammelt und welche Vorschriften existieren bezüglich deren Verwendung und der Weitergabe an Dritte. Insbesondere Unternehmen wie Google und Facebook, die ihr Geschäftsmodell auf Werbeeinnahmen aufgebaut haben, schneiden in dieser Hinsicht unterdurchschnittlich ab, während europäische Softwareunternehmen wie SAP auch dank der strikten Datenschutzvorschriften in der EU und eines breiter abgestützten Geschäftsmodells bessere Resultate erzielen.  In der Summe bescheinigen die Analysten den Cloud-Diensten Vorteile beim Thema Energieeffizienz. Einerseits lassen sich Energiekosten sparen, was die Profitabilität positiv beeinflusst und andererseits wird die Umwelt entlastet, was der Unternehmensreputation zuträglich ist. Zudem sei die technische Entwicklung der Cloud-Dienste noch in den Anfängen, das Potenzial für Effizienzsteigerungen deshalb lange noch nicht ausgeschöpft. Paradoxerweise sind einige der Unternehmen, welche bezüglich Umweltbilanz zu den Spitzenreitern zählen gleichzeitig die Sorgenkinder bezüglich Datenschutz. Dies beeinträchtigt beispielsweise das Gesamtrating von Facebook maßgeblich. Datenschutz bleibt die Achillesferse der Cloud-Dienste.

 

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