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Deutsche Fischer mit Fangquoten für 2015 zufrieden – NGOs kritisieren Überfischung der Nordsee

Die deutsche Fischerei-Branche ist mit den von der EU beschlossenen Fangquoten für nächstes Jahr zufrieden. „Die Aussichten für die deutsche Fischerei sind nicht so schlecht“, sagte der Sprecher des Deutschen Fischerei-Verbandes in Hamburg, Claus Ubl, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Empört sind dagegen Umweltschützer. WWF und Greenpeace kritisierten, dass die jüngst beschlossene Fischereireform ignoriert werde und die Überfischung weitergehe.

Brüssel (afp) – Die deutsche Fischerei-Branche ist mit den von der EU beschlossenen Fangquoten für nächstes Jahr zufrieden. „Die Aussichten für die deutsche Fischerei sind nicht so schlecht“, sagte der Sprecher des Deutschen Fischerei-Verbandes in Hamburg, Claus Ubl, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Empört sind dagegen Umweltschützer. WWF und Greenpeace kritisierten, dass die jüngst beschlossene Fischereireform ignoriert werde und die Überfischung weitergehe.

Die EU-Staaten hatte sich am Dienstagabend in Brüssel nach langwierigen Verhandlungen einstimmig darauf verständigt, wie viel die Fischer 2015 in Nordsee und Nordostatlantik fischen dürfen. Es geht um Hunderte von Beständen, also bestimmte Fischarten in abgegrenzten Meeresgebieten. Ein Teil der Quoten stand aber schon zuvor fest, da es sich um gemeinsam mit Nicht-EU-Fischern bewirtschaftete Bestände handelt.

Der für die Fischerei zuständige Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) erklärte, die deutschen Fischer könnten „insgesamt optimistisch ins nächste Jahr blicken.“ Die Fischereiminister der EU hätten die Weichen dafür gestellt, bis 2020 „für alle Bestände das Nachhaltigkeitsziel“ zu erreichen.

Für Deutschland sind unter anderen Scholle, Kabeljau und Hering wichtig. „Die Fischer freuen sich natürlich, dass einige Quoten hochgehen“, sagte Branchensprecher Ubl. Darunter sei eine Steigerung von Kabeljau in der Nordsee um fünf Prozent und eine Steigerung bei der Scholle um weitere 15 Prozent, da die Schollenbestände „einen historischen Höchststand“ erreicht haben, wie Ubl sagte.

Beim Hering müssen die deutschen Fischer nach Angaben des Ernährungsministeriums hingegen Kürzungen von fünf Prozent hinnehmen. Bei Seelachs beträgt die Kürzung sogar 15 Prozent.

Die europäischen Fangquoten werden alljährlich am Ende des Jahres beschlossen. Diesmal waren sie von besonderem Interesse, da die EU 2013 eine große Fischereireform beschlossen hat. Sie soll die Überfischung zwischen 2015 und 2020 zugunsten einer überall nachhaltigen Bewirtschaftung stoppen.

Dabei bildet der sogenannte höchstmögliche Dauerertrag den Maßstab. Das ist die Menge, die nicht überschritten werden darf, damit der Bestand langfristig überlebt. Er basiert auf wissenschaftlichen Untersuchungen.

Allerdings sind die Meinungen geteilt, ob die Reform schon gebührend ernst genommen wird. Die EU-Kommission bejaht dies: „Die reformierte gemeinsame Fischereipolitik hat ihren erst richtigen Test bestanden“, erklärte Fischerei-Kommissar Karmenu Vella. Die Zahl der nachhaltig bewirtschafteten Bestände sei gestiegen und der Grundsatz der Nachhaltigkeit werde „jetzt in der ganzen EU weithin akzeptiert“, sagte Vella.

Auch der Deutsche Fischerei-Verband lobt, dass das Nachhaltigkeits-Prinzip immer stärker befolgt werde. Was der Umwelt nütze, nütze auch den Fischern, weil mit den Beständen auch ihr Erwerb langfristig gesichert werde, erläuterte Ubl.

Umweltschützer vermitteln ein anderes Bild. Ihrer Ansicht zufolge wird der Nachhaltigkeit noch viel zu wenig gefolgt: „Mehr als die Hälfte der Fangmengen setzten die Fischereiminister – teilweise deutlich – oberhalb der wissenschaftlichen Empfehlungen fest“, kritisierte der WWF in Berlin. Die Minister nähmen die Reform nicht ernst. Auch Greenpeace beklagte, die Ressortchefs hätten für viele Bestände zu hohe Fänge erlaubt.

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