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Industriebeschäftigung im Wandel – mehr Angestellte, weniger Arbeiter

In Deutschland ist die Unterscheidung zwischen Arbeitern und Angestellten fast so alt wie der Kapitalismus. Auch wenn in der Industrie inzwischen der interne Wandel rapide vorangeschritten ist, so spielt die Unterscheidung in den Betrieben noch immer eine wichtige Rolle und hat deutliche Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen. Dies geht aus einem aktuellen Report des Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen hervor.

Duisburg (csr-news) > In Deutschland ist die Unterscheidung zwischen Arbeitern und Angestellten fast so alt wie der Kapitalismus. Auch wenn in der Industrie inzwischen der interne Wandel rapide vorangeschritten ist, so spielt die Unterscheidung in den Betrieben noch immer eine wichtige Rolle und hat deutliche Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen. Dies geht aus einem aktuellen Report des Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen hervor.

Dabei haben sich die Kräfteverhältnisse im Laufe der Zeit deutlich verschoben. Immer weniger Menschen sind unmittelbar in Produktionsprozessen beschäftigt, dafür arbeiten immer mehr Beschäftigte in Verwaltung, Forschung oder Vertrieb. Beispielsweise ist die Anzahl der Angestellten in der Metall- und Elektroindustrie in den vergangenen zwei Jahrzehnten von knapp 1,8 Millionen auf 2,1 Millionen angestiegen. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Arbeiter von 2,5 Millionen auf 2,1 Millionen. In der Chemischen Industrie lässt sich eine ähnliche Verschiebung beobachten. Während der jüngsten Wirtschaftskrise und der damit einhergehenden Entlassung von Produktionsmitarbeitern lag der Angestelltenanteil zeitweise sogar über dem der Arbeiter. Dennoch sorgen die gewachsenen Traditionen aber auch die jeweilige Stellung in den Betrieben dafür, dass sich die Beschäftigten auch weiterhin den Angestellten bzw. den Arbeitern zugehörig fühlen. Auch die inzwischen beseitigten institutionellen und rechtlichen Unterschiede können dies nicht auflösen. Die IAQ-Forscher Thomas Haipeter und Christine Slomka haben die unterschiedlichen Beschäftigungsbedingungen von Arbeitern und Angestellten in der Chemischen und der Metall- und Elektro-Industrie untersucht. Sie nutzten dafür Datenauswertungen des Mikrozensus und des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP).

industriearbeit

Quelle: IAQ-Report „Industriebeschäftigung im Wandel“

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung bezieht sich auf die Beschäftigungsverhältnisse, vor allem im Hinblick auf atypische Beschäftigungsformen wie Leiharbeit, befristete Arbeitsverträge und geringfügige Beschäftigung. Zwar gehört ein Großteil der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie zu den Stammbelegschaften der Unternehmen, von den Arbeitsmarktreformen, beispielsweise die Deregulierung der Zeitarbeit, waren vor allem die Produktionsmitarbeiter betroffen. Insbesondere Leiharbeitsverhältnisse spielen bei den Angestellten kaum eine Rolle und werden zudem immer weniger. Dagegen hat die Anzahl der Arbeiter mit Zeitarbeitsverträgen signifikant zugenommen. Inzwischen gehört die Metall- und Elektroindustrie zu den wichtigsten Einsatzbereichen von Leiharbeitern – hauptsächlich in der Produktion. Dieser elementare Unterschied lässt sich, zwar weniger ausgeprägt, auch bei den anderen atypischen Beschäftigungsformen finden. Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist die Qualifikation und damit einhergehend auch die Position in der betrieblichen Hierarchie sowie das Einkommen. Wie die Studie zeigt, sind die Angestellten durchschnittlich höher qualifiziert als die Arbeiter und nehmen bessere Positionen in der betrieblichen Hierarchie ein – oder haben zumindest die Aussicht darauf, diese zu erreichen. Das hat Auswirkungen auf das Einkommen, die bei den Angestellten im Durchschnitt höher liegen. Seit 1999 konnten zwar beide Gruppen Einkommenszuwächse erzielen, die fielen bei den Angestellten allerdings höher aus. Mit dem Ergebnis, dass die Einkommensspanne zwischen Arbeitern und Angestellten immer weiter auseinanderdriftet. Dafür müssen die Angestellten mehr arbeiten, rund drei Stunden pro Woche und sind einem höheren Zeit- und Leistungsdruck unterworfen. Sie blicken zudem etwas optimistischer in die Zukunft. Während rund 8 Prozent der Angestellten ihren Arbeitsplatz als gefährdet betrachten, sind dies bei den Arbeitern mehr als 15 Prozent. Nicht nur hinsichtlich der Arbeitsbedingungen und den damit einhergehenden unterschiedlichen Interessen unterscheiden sich Arbeiter und Angestellte, sondern auch hinsichtlich ihrer Interessenvertretung. Zu den Gewerkschaften bleiben die Angestellten, aus vielfältigen Gründen, eher auf Distanz. 2001 waren rund 42 Prozent der Arbeiter gewerkschaftlich organisiert, bei den Industrieangestellten nur knapp jeder Fünfte. Inzwischen haben die Gewerkschaften in beiden Gruppen an Einfluss verloren. So sind nur noch rund 17 Prozent der Angestellten und knapp 33 Prozent der Arbeiter gewerkschaftlich organisiert. Mit einem interessanten Effekt, denn die Angestellten verfügen trotzdem über einen höheren Organisationsgrad und sind stärker in Betriebsratsgremien vertreten.

 

 

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