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Autoexperte Dudenhöffer will E-Autos über Benzin-Steuer finanzieren

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer will Elektroautos in Deutschland zum Durchbruch verhelfen: Die Autofahrer sollen eine Sonderabgabe von einem Cent pro Liter Spritpreis zahlen, wie Dudenhöffer am Mittwochabend in Duisburg vorschlug. Während in anderen Ländern Elektromobilität mit „umfangreichen Programmen“ gefördert werde, fehlten in Deutschland „Wachstumsimpulse“ für Elektrofahrzeuge, begründete er seinen Vorstoß.

Duisburg (afp) – Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer will Elektroautos in Deutschland zum Durchbruch verhelfen: Die Autofahrer sollen eine Sonderabgabe von einem Cent pro Liter Spritpreis zahlen, wie Dudenhöffer am Mittwochabend in Duisburg vorschlug. Während in anderen Ländern Elektromobilität mit „umfangreichen Programmen“ gefördert werde, fehlten in Deutschland „Wachstumsimpulse“ für Elektrofahrzeuge, begründete er seinen Vorstoß.

Von Michael Rebmann

Dudenhöffers Anschub-Modell umfasst drei Maßnahmen: Erstens sollen die Lade-Infrastruktur in den 60 größten deutschen Städten deutlich ausgebaut sowie kostenloser Strom und kostenlose Parkplätze für Elektroautos zur Verfügung gestellt werden. Zweitens sieht das Modell eine Kaufprämie von 4000 Euro pro Elektrofahrzeug und Plug-In-Hybrid-Auto für Privatkunden vor. Drittens soll das Car-Sharing-Angebot von Elektroautos stark ausgebaut werden.

Vor dem Hintergrund der derzeit niedrigen Preise für Benzin und Diesel sei die Ein-Cent-Steuer auf Kraftstoffe für Autofahrer „mehr als gut verkraftbar“, erklärte die Universität Duisburg-Essen, wo Dudenhöffers Center Automotive Research (CAR) angesiedelt ist. Aufs Jahr gerechnet summiere sich die Steuer pro Fahrzeug im Durchschnitt auf 12,30 Euro. Die Steuer muss laut Dudenhöffer drei Jahre lang erhoben werden, um sein Anschub-Modell zu finanzieren. Länger solle sie auf keinen Fall gelten.

Dudenhöffer stellte das Modell am Mittwoch auf einem Branchentreffen in Duisburg vor. BMW-China-Chef Karsten Engel begrüßte den Vorstoß als „guten Diskussionsbeitrag“, um den Absatz von Elektrofahrzeugen in Deutschland zu erhöhen. Auch Thomas Hausch, Geschäftsführer von Nissan-Europa, bewertete den Vorschlag als möglichen „entscheidenden“ Impuls.

Zu kaufen gibt es bereits viele Elektrofahrzeugmodelle, ihr Absatz läuft aber nur sehr schleppend. Nach Angaben der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) sind auf den deutschen Straßen derzeit nur rund 24.000 Elektroautos zugelassen. Eigentlich sollten es bis Ende dieses Jahres nach den Plänen von Politik und Wirtschaft schon 100.000 sein.

In den USA sind bereits mit rund 220.000 Fahrzeugen deutlich mehr Elektroautos zugelassen; auch die europäischen Nachbarländer Frankreich mit 37.000 E-Autos und die Niederlande mit etwa 38.000 Fahrzeugen sind Deutschland ein Stück voraus. Zudem hinkt Deutschland bei den Ladestationen im internationalen Vergleich hinterher. So gibt es in Frankreich bereits rund 8000 Stationen und in den Niederlanden etwa 3700.

Sollte die Politik das Ein-Cent-Modell aufgreifen, würde der Rückstand der deutschen Elektrobranche nicht nur abgebaut, sondern Deutschland kapituliere sich zudem in eine „Vorreiterrolle“, erklärte Dudenhöffer. Letzteres haben sich Politik und Wirtschaft zum Ziel gesetzt. Bis 2020 soll sich die Bundesrepublik zum internationalen Leitmarkt für Elektromobilität entwickeln. Um das Ziel zu erreichen, wurde im Mai 2010 die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) gegründet, die wesentliche Akteure aus Industrie, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammenbringt und die Entwicklungen im Bereich der Elektromobilität beobachtet und analysiert. Ihren letzten Fortschrittsbericht übergab die NPE Anfang Dezember an Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Plattform zog darin eine gemischte Bilanz und bemängelte besonders den schleppenden Absatz von Elektroautos.

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