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Konservendosen ohne das umstrittene Bisphenol A: Frankreich verbannt Chemikalie aus Lebensmittelverpackungen

Frankreich macht Ernst im Kampf gegen Bisphenol A: Ob in Plastikflaschen, Konserven- oder Getränkedosen – die umstrittene Chemikalie ist ab dem 1. Januar in allen Lebensmittelverpackungen verboten. Frankreich geht diesen Schritt als erstes europäisches Land und sieht sich als Vorreiter in der EU. Auch in Deutschland wird ein solches Verbot für die laut Kritikern hormonverändernde, nervenschädigende und krebserregende Chemikalie gefordert. Berlin verweist auf Brüssel, wo Ende Januar ein neuer Bericht zu Bisphenol A vorgelegt wird.

Paris (afp) – Frankreich macht Ernst im Kampf gegen Bisphenol A: Ob in Plastikflaschen, Konserven- oder Getränkedosen – die umstrittene Chemikalie ist ab dem 1. Januar in allen Lebensmittelverpackungen verboten. Frankreich geht diesen Schritt als erstes europäisches Land und sieht sich als Vorreiter in der EU. Auch in Deutschland wird ein solches Verbot für die laut Kritikern hormonverändernde, nervenschädigende und krebserregende Chemikalie gefordert. Berlin verweist auf Brüssel, wo Ende Januar ein neuer Bericht zu Bisphenol A vorgelegt wird.

Von Fabian Erik Schlüter

Bisphenol A steckt in zahlreichen Alltagsprodukten: In Gehäusen von Elektrogeräten, in CDs, Kochutensilien und eben Lebensmittelbehältern. Die Chemikalie steht aber schon seit Jahren massiv in der Kritik: Unter anderem wirkt Bisphenol A wie das weibliche Sexualhormon Östrogen und beeinflusst die Fortpflanzung. Forschern zufolge gibt es zudem Anzeichen dafür, dass Bisphenol A die Gehirnentwicklung bei Ungeborenen während der Schwangerschaft und bei Kleinkindern irreversibel schädigt. Genannt wird die Chemikalie auch im Zusammenhang mit Herzkreislaufproblemen und Krebs.

In Babyfläschchen ist der Stoff seit Januar 2011 daher EU-weit verboten. Frankreich ging das aber nicht weit genug. Hier wurde Ende 2012 ein in der EU einmaliges Gesetz verabschiedet: Seit Anfang 2013 ist die Chemikalie in Lebensmittelverpackungen für Kleinkinder unter drei Jahren verboten, ab dem 1. Januar 2015 sind „Herstellung, Import, Export und Vermarktung“ von allen Lebensmittelverpackungen mit Bisphenol A untersagt.

Für die Verpackungsindustrie ist das eine wahre Herausforderung, denn Bisphenol A kommt in der Innenbeschichtung von Getränke- und Konservendosen ebenso vor wie in Plastikflaschen oder Wasserspendern aus Polycarbonaten. Insbesondere bei Konservendosen ist es schwierig, Ersatz zu finden: Die Epoxidharze genannten Kunstharze aus Bisphenol A, die für die Innenbeschichtung verwendet werden, sind sehr widerstandsfähig und können für alle Arten von Lebensmittel verwendet werden.

„Es gibt für die Innenbeschichtung keinen Ersatz, der so universell eingesetzt werden kann“, sagt Vincent Truelle vom französischen Lebensmittelproduzentenverband Adepale. Für unterschiedliche Lebensmittel mussten daher alternative Beschichtungen getestet werden. Schwierig wurde es insbesondere bei sehr säurehaltiger Nahrung.

Die neuen Beschichtungen seien „absolut sicher“ und würden Geschmack und Aussehen der Lebensmittel nicht beeinflussen, versichert Truelle. Weil manche Beschichtungen aber nicht über die normale, drei- bis fünfjährige Haltbarkeitsdauer von Konservendosen getestet werden konnten, verkürzen die Hersteller jetzt vorsichtshalber das Mindesthaltbarkeitsdatum, im Schnitt um sechs bis zwölf Monate. Die neuen Konservendosen seien zudem drei bis fünf Prozent teurer als herkömmliche, sagt Truelle.

Auf den Verbraucher soll das nicht abgewälzt werden. Und während ein französischer Ministeriumsbericht kürzlich warnte, es könne „Schwierigkeiten“ bei der Lieferung „exotischer Produkte“ aus dem Ausland geben, müssen die Franzosen wohl auch künftig nicht auf Ananas, Mangos oder Litschis aus der Dose verzichten. Denn die Importeure hatten ebenfalls Zeit, sich auf das neue Gesetz einzustellen.

Manche Experten sehen in dem Bisphenol-A-Verbot allerdings einen Verstoß gegen EU-Recht: Grundsätzlich dürfen wegen des freien Warenverkehrs nicht in einem Land Produkte aus den Regalen verbannt werden, die für die EU zugelassen wurden, auch wenn es Ausnahmeregelungen gibt.

Frankreich setzt aber auf Verständnis aus Brüssel, wo Bisphenol A derzeit auf dem Prüfstand steht. Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stellte Mitte Dezember eine umfassende Neubewertung der Risiken der Chemikalie fertig, sie soll Ende Januar vorgestellt werden – dann könnte die EU-Kommission aktiv werden.

Spätestens dann dürfte die Debatte auch in Deutschland wieder an Fahrt gewinnen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) fordert schon seit langem, Bisphenol A in Deutschland aus Lebensmittelverpackungen zu verbannen – so wie es jetzt in Frankreich passiert.

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