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Bodenatlas: Weltweiter Flächenverbrauch nimmt zu

Intakte Böden erfüllen für den Planeten und alle die auf ihm beheimatet sind eine lebenswichtige Funktion. Doch trotz dieser Bedeutung werden die Böden nicht geschützt, sie scheinen unerschöpflich vorhanden zu sein. Tatsächlich gehen durch falsche Nutzung jährlich rund 24 Milliarden Tonnen fruchtbarer Boden verloren und damit auch seine wichtigen Funktionen als Nährboden für Pflanzen, als Filter für sauberes Trinkwasser und als Kohlenstoffspeicher. Der heute vorgestellte Bodenatlas will mit Daten und Fakten auf den weltweit zunehmenden Flächenverbrauch aufmerksam machen.

Berlin (csr-news) > Intakte Böden erfüllen für den Planeten und alle die auf ihm beheimatet sind eine lebenswichtige Funktion. Doch trotz dieser Bedeutung werden die Böden nicht geschützt, sie scheinen unerschöpflich vorhanden zu sein. Tatsächlich gehen durch falsche Nutzung jährlich rund 24 Milliarden Tonnen fruchtbarer Boden verloren und damit auch seine wichtigen Funktionen als Nährboden für Pflanzen, als Filter für sauberes Trinkwasser und als Kohlenstoffspeicher. Der heute vorgestellte Bodenatlas will mit Daten und Fakten auf den weltweit zunehmenden Flächenverbrauch aufmerksam machen.

“Die EU ist der weltweit größte “Importeur” von Landflächen“, kritisierte Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, den wachsenden Flächenbedarf. “Jeder EU-Bürger verbraucht im Jahr 1,3 Hektar Land – das sind zwei ganze Fußballfelder und sechsmal so viel wie der Flächenverbrauch eines Einwohners von Bangladesch“. Damit beschreibt sie eines der Kernprobleme, die im heute vorgestellten Bodenatlas, behandelt werden. Der Flächenverbrauch der Europäischen Union beschränkt sich nicht auf heimisches Territorium sondern für unsere Lebensgewohnheiten verbrauchen wir Land in nahezu allen Teilen der Welt. „Das meiste davon geht auf das Konto der intensiven Fleischproduktion, für die wir gigantische Mengen Futtermittel aus Ländern des globalen Südens importieren. Das Resultat ist, dass Kleinbauern und mittlere Betriebe zunehmend ihr Land und damit ihre Nahrungs- und Existenzgrundlage verlieren”, so Unmüßig. Das sei weder ökologisch vertretbar, noch entspreche es einem gesunden Gerechtigkeitsempfinden. „Hier ist nicht nur der europäische Verbraucher mit verantwor­tungsvolleren Konsumgewohnheiten gefragt, sondern vor allem die Politik: Die EU und Deutschland müssen ihre Agrarpolitik umsteuern und sich schrittweise von der Massentierhaltung verabschieden”, betonte Unmüßig.

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Quelle: Bodenatlas 2015

Der Bodenatlas ist ein gemeinsames Projekt der Heinrich-Böll-Stiftung, des Institutes for Advanced Sustainability Studies (IASS) und dem Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Daten, Grafiken und Fakten sollen das Problem verdeutlichen und die Bedeutung fruchtbaren Bodens klar machen. Denn, das Land und Böden immer knapper werden wird schon am Beispiel Deutschland klar. Der tägliche Flächenverbrauch hierzulande beträgt mehr als 70 Hektar. Das heißt jeden Tag geht eine Fläche in der Größenordnung von rund 100 Fußballfeldern verloren und ist zukünftig nicht mehr oder kaum noch für die landwirtschaftliche Produktion zu gebrauchen. Schon jetzt ist ein Viertel aller Ackerflächen in Deutschland von Wind- und Bodenerosion betroffen – rund drei Millionen Hektar – während der Flächenverbrauch weiter steigt. Zugleich importiert Deutschland Agrarprodukte und andere Verbrauchsgüter, die mit knapp 80 Millionen Hektar mehr als das Doppelte der eigenen Landesfläche in Anspruch nehmen. Für die Europäische Union sieht es auch nicht besser aus: Der Konsum der EU-Bürger benötigt eine Fläche von rund 640 Millionen Hektar pro Jahr, eineinhalb Mal mehr als die Fläche aller 28 Mitgliedstaaten zusammen beträgt. Rund 60 Prozent der für den europäischen Konsum genutzten Flächen befinden sich außerhalb der EU. Damit ist Europa der Kontinent, der für seinen Lebensstil, seine Agrarindustrie und seinen Energiehunger am meisten von Land außerhalb seiner Grenzen abhängig ist.

Das Jahr 2015 ist das Internationale Jahr der Böden. Die UN will damit für mehr Bodenschutz werben. Dies sollte Anlass für die Bundesregierung sein, „Alles dafür tun, damit der Bodenschutz endlich besser gesetzlich geregelt wird”, sagte der BUND-Vorsitzende Prof. Hubert Weiger. “Immer mehr Flächen an fruchtbaren Böden in Europa werden durch schwere landwirtschaftliche Maschinen verdichtet, degradiert oder zerstört. Der fortschreitenden Überbauung, Erosion und dem Humusverlust muss Einhalt geboten werden”, forderte Weiger. Tatsächlich scheint der Hunger Europas nach frischem Land noch lange nicht gedeckt. „Forscher haben errechnet, dass die EU weitere 70 Millionen Hektar Land benötigt, um die Anforderungen an Bioenergie gemäß ihrem Klima- und Energierahmen 2030 zu erfüllen. Das entspricht einer Fläche, die größer als Frankreich ist. Die aufstrebenden Märkte für Materialien wie Biokunststoffe und Biochemikalien werden das Problem weiter verschärfen“, heißt es dazu im Bodenatlas. Europäer verbrauchen mehr Land dieser Erde, als ihnen zusteht. Der internationale Ausschuss für nachhaltiges Ressourcenmanagement (International Resources Panel), ein Expertengremium des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, hat berechnet, wie viel Ackerland wir nutzen dürften, wenn fair geteilt würde. Die Antwort lautet: 0,2 Hektar pro Person und Jahr – das ist weniger als ein Drittel eines Fußballfeldes und weniger als ein Sechstel dessen, was jeder Europäer derzeit verbraucht.

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Quelle: Bodenatlas 2015

Und dieser Verbrauch hat negative Auswirkungen auf die Umwelt, das Sozialwesen und die Wirtschaft der Regionen aus, aus denen es kommt. So werden in den Entwicklungsländern Ökosysteme zerstört, im großen Stil wird Land aufgekauft, das sogenannte Land Grabbing und auch die Umsiedlung indigener Völker ist oftmals eine Folge des enormen Flächenverbrauchs. „Anstatt diese Probleme anzugehen, verbraucht die EU immer mehr Land“, heißt es im Bodenatlas. „Auch bei der Umstellung auf Biokraftstoffe werden die Folgen für den Land-Fußabdruck Europas nicht berücksichtigt“. Ein Beispiel ist Palmöl, das als Nahrungsbestandteil verwendet wird. Die hierfür erforderliche virtuell importierte Fläche hat sich seit dem Jahr 2000 von 1 auf 2 Millionen Hektar verdoppelt. Die virtuelle Fläche für Raps, Basis eines anderes Pflanzenöls, hat sich im gleichen Zeitraum auf fast 3 Millionen Hektar verdreifacht. Die Palmölproduktion hat in Indonesien und Malaysia, den beiden größten Herstellern, besonders schädliche Auswirkungen auf die Umwelt und das Sozialwesen.

Der vollständige Bodenatlas 2015 als PDF zum Download.

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Quelle: Bodenatlas 2015