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Frauenförderung bedeutsam für den Unternehmenserfolg

Zwar sind Frauen im Top-Management immer noch seltener anzutreffen, in mittleren und gehobenen Managementpositionen hat sich ihr Anteil inzwischen allerdings deutlich erhöht. Drei neue Studien beschäftigen sich mit Frauen in Top-Positionen. Die eine stammt von der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und liefert Zahlen für mehr als 80 Länder. Die andere stammt von der Managementberatung Bain & Company und beruht auf einer Befragung unter amerikanischen Führungskräften. Die Dritte im Bunde stammt von der Unternehmensberatung Deloitte und hat den Nachwuchs im Blick.

Genf/München (csr-news) > Zwar sind Frauen im Top-Management immer noch seltener anzutreffen, in mittleren und gehobenen Managementpositionen hat sich ihr Anteil inzwischen allerdings deutlich erhöht. Drei neue Studien beschäftigen sich mit Frauen in Top-Positionen. Die eine stammt von der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und liefert Zahlen für mehr als 80 Länder. Die andere stammt von der Managementberatung Bain & Company und beruht auf einer Befragung unter amerikanischen Führungskräften. Die Dritte im Bunde stammt von der Unternehmensberatung Deloitte und hat den Nachwuchs im Blick.

Nach der Studie „Women in Business and Management: Gaining Momentum“ von der Internationalen Arbeitsagentur ILO, hat sich in 80 von 108 Ländern, für die Daten zu Verfügung standen, der Anteil von Managerinnen in den vergangenen 20 Jahren teilweise deutlich erhöht. Mit Auswirkungen auf die Unternehmen, denn die ILO sieht einen direkten Zusammenhang zwischen Frauenförderung und Unternehmenserfolg. „Unsere Forschung beweist, dass der steigende Anteil von Frauen im Arbeitsmarkt der stärkste Antrieb für weltweites Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit ist“, sagt Deborah France-Massin, Direktorin der ILO-Abteilung für Unternehmensaktivitäten. „Zahlreiche Studien zeigen ebenfalls den positiven Zusammenhang von Frauenbeteiligung in Top-Entscheidungsteams und Geschäftserfolg. Aber es gilt noch einen langen Weg zurückzulegen bis wir Geschlechtergleichheit am Arbeitsplatz erreicht haben, besonders wenn wir uns die Top-Managementpositionen ansehen“. Tatsächlich sind nach der ILO-Studie in den obersten Etagen der Unternehmen hauptsächlich Männer zu finden, allerdings lohnt ein Blick auf die einzelnen Länder. Insgesamt sind im Durchschnitt knapp fünf Prozent des globalen Führungspersonals der weltgrößten Unternehmen Frauen. Dabei zeigt sich ein Zusammenhang zwischen der Größe der Unternehmen und dem Frauenanteil in Führungspositionen. Je größer das Unternehmen, umso weniger wahrscheinlich ist es, dass in der Top-Führungsposition eine Frau zu finden ist. „Männlich dominierte Vorstände sind immer noch weit verbreitet, aber ihre Anzahl geht zurück“, heißt es im ILO-Report. Tatsächlich zeigen sich teilweise erheblich Unterschiede in den einzelnen Ländern. In einigen wenigen Ländern besetzen Frauen inzwischen 20 Prozent oder mehr aller Vorstandsposten. Eine weltweite Umfrage, die in der Studie zitiert wird, zeigt, dass Norwegen die weltweit höchste Zahl von Unternehmen (13,3 Prozent) besitzt, in der eine Frau den Vorstandsposten besetzt, gefolgt von der Türkei (11,1 Prozent). „Es ist für Frauen entscheidend, in strategisch wichtige Managementpositionen zu gelangen, die einen Pool von potenziellen Kandidatinnen für Topjobs als Geschäftsführerin oder Führungspersonal für die Unternehmensspitze bereitstellen“, so France-Massin. „Dennoch existieren immer noch ‚gläserne Wände‘, weil sich Frauen auf bestimmten Managementbereiche wie Personalentwicklung, Kommunikation und Verwaltung konzentrieren“.

Frauen führen oder besitzen heute 30 Prozent aller Geschäftsbetriebe, sie sind häufiger in kleinen oder mittleren Unternehmen zu finden. Mehr Frauen im Geschäftsleben zu haben ist nicht nur entscheidend für Wachstum und Geschlechtergleichheit, sondern auch für die nationale Entwicklung, so der Bericht. Die Autoren betonen, dass Frauen und Mädchen fast die Hälfte aller Bildungsressourcen erhalten und somit einen bedeutenden Anteil des zur Verfügung stehenden Talente-Pools bilden. Investitionen, um Unternehmen für Frauen attraktiv zu machen und Frauen im Unternehmen zu halten und zu fördern sind daher bedeutsam für den Unternehmenserfolg. Der Bericht legt dar, dass nationale Arbeitgeberorganisationen eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Aufmerksamkeit der Geschäftswelt auf die Bedeutung von Führungsverantwortung von Frauen für ihr Unternehmen aufzeigen. „Wenn wir nichts unternehmen, brauchen wir 100 bis 200 Jahre, um Gleichheit im Topmanagement zu erreichen. Es ist Zeit, die gläserne Decke zu zerschlagen, um umstrittene verpflichtende Quoten zu vermeiden, die nicht immer notwendig oder effektiv sind. Frauen in Top-Positionen sind einfach gut fürs Geschäft“, so France-Massin. Laut dem Bericht hat Jamaica den höchsten Anteil von Managerinnen, mit 59,3 Prozent; im Jemen hingegen ist der Anteil mit 2,1 Prozent am geringsten. Die Vereinigten Staaten von Amerika liegen auf Platz 15 auf der Liste von 158 Ländern mit 42,7 Prozent weiblichen Managern, Großbritannien liegt auf dem 41. Platz und die Russische Föderation mit 39,1 Prozent belegt den 25. Platz. Deutschland erreicht mit 31,1 Prozent nur den 55. Rang. In Afrika belegt Ghana mit 39 Prozent den 26. Platz, gefolgt von Botswana auf dem 28. Rang (38,6 Prozent). In Asien liegen die Philippinen mit 47,6 Prozent auf dem vierten Platz. Die Mongolei erreicht mit 41,9 Prozent den 17. Rang.

Welche Erfahrungen Frauen in ihrem Berufsleben machen, ist Gegenstand der Studie „Everyday Moments of Truth“ der Managementberatung Bain & Company, die dafür in den USA rund 1.000 Männer und Frauen befragt hat. Danach würden Frauen zwar mehrheitlich mit hohem Ehrgeiz und hohen Erwartungen ins Berufsleben einsteigen, diese Zuversicht würde sich allerdings innerhalb weniger Jahre verflüchtigen. So streben rund 43 Prozent der Berufsanfängerinnen noch eine Top-Position im Management an, fünf Jahre später haben nur noch 16 Prozent diesen Ehrgeiz. Dagegen starten 34 Prozent der Männer mit dem Selbstvertrauen eines zukünftigen Topmanagers ins Berufsleben – und sind nach mehreren Jahren noch genauso zuversichtlich, bis in den Vorstand zu kommen. Interessant sind die Gründe für diese Entwicklung. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass Eheschließung und Familiengründung Frauen daran hindern, Karriere zu machen, sind es eher innerbetriebliche Gründe. „Es fehlt den weiblichen Beschäftigten in der mittleren Phase ihrer Karriere an ehrlicher Anerkennung und Unterstützung durch das Management – genau in einer Zeit, in der sie beginnen, die Karriereleiter zu erklimmen und ihr Selbstvertrauen entweder wächst oder aber untergraben wird“, so ein Fazit der Studie. Gängige Auffassung war bisher, dass die Bemühungen um Chancengleichheit bei jeder Mitarbeiterin selbst anfangen und im Topmanagement verankert sein müssen. „Unsere Analysen zeigen jedoch, dass der Fokus vor allem auf den wichtigen Jahren in der mittleren Karrierephase liegen muss“, erklärt Henrik Naujoks, Partner bei Bain & Company. „Da entstehen Führungspersönlichkeiten und leitende Angestellte sowie direkte Vorgesetzte müssten spätestens in dieser Phase Frauenkarrieren formen und Mitarbeiterinnen helfen, Selbstvertrauen als Managerinnen zu entwickeln. Genau das aber tun sie meist nicht.“ Mit den bereits genannten Folgen, das Streben nach einer Position im Topmanagement nimmt bei Frauen im Verlauf ihrer beruflichen Tätigkeit ab. Deutlich wird dies auch an einer weiteren Zahl. Am Begin ihrer beruflichen Laufbahn trauen sich 27 Prozent der Frauen den Sprung ins Top-Management noch zu, einige Jahre später hat sich dieser Wert bereits halbiert. Die Bain-Studie nennt drei Schlüsselfaktoren, die Frauen in der mittleren Karrierephase in ihrem Aufstiegswillen und ihren Karrieremöglichkeiten bremsen. Erstens erkennen sie, dass sie nicht in das vorherrschende stereotype Bild des idealen Angestellten passen, sprich: des stets verfügbaren Siegertypen auf der Überholspur. Zweitens fehlt ihnen die Unterstützung ihrer direkten Vorgesetzten. Und drittens gibt es nach wie vor zu wenig weibliche Rollenvorbilder im Topmanagement. Dies nimmt nach Auffassung der Managementberater leitende Angestellte ebenso in die Pflicht wie die oberste Ebene der Unternehmensführung. „Insbesondere der direkte Vorgesetzte spielt eine entscheidende Rolle bei der Mitarbeitermotivation”, so Mareike Steingröver, Partnerin bei Bain & Company. „Das Management hat die Aufgabe, ein diversifiziertes und realistisches Bild über die im Unternehmen gewünschte Mitarbeiterschaft zu entwickeln“.

Das aktuelle Deloitte Millennial Survey 2015 bestätigt diese Zahlen und zeigt, dass es in Deutschland nur wenige Generation-Y-Frauen gibt, die sich in Führungspositionen sehen. Lediglich 29 Prozent der weiblichen Befragten wünschen sich eine leitende Position, bei den Männern sind es 46 Prozent. Deutschland nimmt damit im internationalen Vergleich einen der letzten Plätze ein. „Millennials sind das Fundament der Innovationskraft und damit Zukunftsfähigkeit der Volkswirtschaften. Dass Deutschland im internationalen Vergleich nach Auffassung dieser Generation hinterherhinkt, muss uns zu denken geben. Es ist Aufgabe von Unternehmen und öffentlicher Hand gleichermaßen, der Generation Y mehr Fähigkeiten und Möglichkeit zur Entfaltung zu geben“, kommentiert Nicolai Andersen, Partner und Leiter Innovation bei Deloitte. Immerhin 65 Prozent der jungen Generation in den Emerging Markets wollen eine Führungsposition erreichen – dies ist der weltweit höchste Wert. Der deutsche Nachwuchs ist zurückhaltender, hier wollen lediglich 37 Prozent in die Führungsetagen. Denn Nachwuchskräften, nicht nur in Deutschland, fehlt das soziale Engagement der Wirtschaft. Die Mehrheit kritisiert das profitgetriebene Wirtschaften von Unternehmen. Dabei wird die gesellschaftliche Bedeutung von Unternehmen hoch eingeschätzt. 43 Prozent der Deutschen denken, dass Unternehmen soziale Themen stärker beeinflussen als die Regierung. Das Verhalten von Firmen bewertet ein Großteil als ethisches Statement und fordert von Führungskräften Mithilfe bei der Verbesserung der Gesellschaft. „Junge Talente sind bereit, Verantwortung zu übernehmen, wenn Unternehmen ihnen dies ermöglichen. Unternehmen sollten daher beim Nachwuchs und bei bestehenden Mitarbeitern die Wertevermittlung in den Vordergrund stellen, ihre Position als Meinungsführer bei sozialen Themen stärken und Gestaltungsraum für junge Talente bieten. Dies wird dazu führen, dass die Bereitschaft der Generation Y steigt, eine Führungsposition anzustreben“, so Andersen.

Für weitere Informationen die vollständigen Studien zum Download:

ILO „Women in Business and Management: Gaining Momentum”

Bain & Company „Everyday Moments of Truth“

Deloitte “Millennial Survey 2015“