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Geiz wird zum Problem für die Wirtschaft

Fast drei Viertel der deutschen Unternehmen halten die sinkende Zahlungsbereitschaft der Verbraucher für bedrohlich. Am kritischsten schätzen Gewerkschaften (73 Prozent) und Wohlfahrtsorganisationen (60 Prozent) diesen Trend ein.

Frankfurt (csr-news) > Hauptsache billig, dieser Anspruch deutscher Konsumenten stellt für die Wirtschaft eine große Gefahr dar. Fast drei Viertel der deutschen Unternehmen halten die sinkende Zahlungsbereitschaft der Verbraucher für bedrohlich. Am kritischsten schätzen Gewerkschaften (73 Prozent) und Wohlfahrtsorganisationen (60 Prozent) diesen Trend ein, so das Ergebnis einer Befragung der Deutschen Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ). Die Untersuchung ging der Frage nach, welche gesellschaftlichen Trends und Einstellungen unserer Zeit für den Erfolg der deutschen Wirtschaft förderlich beziehungsweise nachteilig sind. Dazu wurden 1.214 Unternehmen und 251 Institutionen vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln befragt. „Wie unsere Studie zeigt, registrieren deutsche Unternehmen, dass Verbraucher und Geschäftskunden immer weniger bereit sind, für Qualität den entsprechenden Preis zu zahlen“, so Udo Hansen, Präsident der DGQ. „Diese Entwicklung bringt den Qualitätsstandort Deutschland in Gefahr“. Hansen sieht Unternehmen und Organisationen in der Pflicht, ihre hohen Qualitätsstandards immer wieder in den Fokus des öffentlichen Diskurses stellen. „Die deutsche Wirtschaft muss selbstbewusst und deutlich aufzeigen, was auf diesem Gebiet in Deutschland jeden Tag aufs Neue geleistet wird – eine Arbeit, deren Wert sich auch in einem entsprechenden Preis widerspiegeln muss“, so Hansen.

Aufgrund der nachlassenden Verbreitung deutscher Tugenden wie Fleiß, Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit würde das aus Qualität und Leistung bestehende Fundament der deutschen Qualitätskultur nachhaltig angegriffen. Ebenso wird eine abnehmende Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, in der Wirtschaft als hemmender Faktor für Qualität und Erfolg wahrgenommen. 71 Prozent der Unternehmen betrachten diesen Trend als Bedrohung. In der öffentlichen Verwaltung und bei Wohlfahrtsorganisationen sehen dies jeweils 68 Prozent so. Daneben gibt es gesellschaftliche Trends, die in ihrer Bewertung weniger eindeutig ausfallen. Der zunehmende Wunsch nach Umweltschutz wird von der deutschen Wirtschaft prinzipiell eher als Chance denn als Bedrohung für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland eingestuft (56 Prozent). Mehr als jedes zehnte befragte Unternehmen (12 Prozent) sieht diese Entwicklung als Gefahr für seinen wirtschaftlichen Erfolg an. Für die befragten Stakeholder, insbesondere für Gewerkschaften (91 Prozent) und die öffentliche Verwaltung (72 Prozent), überwiegt hingegen der positive Effekt dieses Trends. Auch die steigende Datensensibilität in der Bevölkerung wird von deutschen Unternehmen kontrovers beurteilt. Für ein Viertel (25 Prozent) ist der Wunsch nach mehr Datenschutz eine Bedrohung, für ein Drittel (34 Prozent) eine Chance. Unternehmen sind sowohl Profiteure als auch Leidtragende dieser Entwicklung. Einerseits werden ihre eigenen Daten sensibel und vertraulich behandelt und ermöglichen neue Geschäftsmodelle. Andererseits steigen Standards und Anforderungen. Die Kosten für Datenspeicherung steigen und es wird schwieriger, relevante Daten zu erschließen, um Service und Qualität zu verbessern. Für Gewerkschaften (64 Prozent) und Wohlfahrtsverbände (53 Prozent) überwiegt hingegen der positive Effekt der Datensensibilität.