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Koalition will gesunde Ernährung fördern

Zum Start der „Grünen Woche“ in Berlin hat sich auch der Bundestag mit dem Thema gesunde Ernährung beschäftigt. Grundlage der knapp zweistündigen Debatte waren entsprechende Anträge der Regierungskoalition und der Oppositionsparteien. Das eine gesunde Ernährung insbesondere für Kinder und Jugendliche sehr wichtig ist, darüber waren sich alle Parteien einig.

Berlin (csr-news) > Zum Start der „Grünen Woche“ in Berlin hat sich auch der Bundestag mit dem Thema gesunde Ernährung beschäftigt. Grundlage der knapp zweistündigen Debatte waren entsprechende Anträge der Regierungskoalition und der Oppositionsparteien. Das eine gesunde Ernährung insbesondere für Kinder und Jugendliche sehr wichtig ist, darüber waren sich alle Parteien einig. Die Koalition beantragte dazu, bei der Entwicklung einer Präventionsstrategie darauf hinzuwirken, dass die gesundheitlichen Risikofaktoren unausgewogene Ernährung und Bewegungsmangel angemessen berücksichtigt werden. So sollten etwa Zucker, Fette und Salze in Fertigprodukten verringert werden aber auch ein stärkeres Bewusstsein für Lebensmittel müsse geschaffen werden. Den Handel ermutigte die Koalition verstärkt auf Familienkassen zu setzen an denen keine Süßigkeiten angeboten werden. „Wir wollen keine Süßigkeiten an der Kasse verbieten“, sagte Gitta Connemann, Vorsitzende des Ernährungsausschusses in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. „Es geht uns um Wahlfreiheit“. Staatliche Bevormundung würde nach Auffassung von Connemann nicht helfen um eine gesunde Ernährung in der Bevölkerung zu verbreiten. Auch Landwirtschaftsminister Christian Schmidt machte deutlich, dass man den Menschen nicht vorschreiben könne, was sie zu essen hätten. „Wir dürfen den Teller nicht mit Regelungen vollpacken“, so Schmidt. Es sei aber sehr wohl nötig, die Verbraucher zu informieren. „Wir müssen diese Informationen abgreifbar und verständlich halten“, forderte er. Besonders hinschauen müsse man aber bei der Verpflegung von Kindern. Der Minister kündigte an, am Vernetzungswerk Schulverpflegung zu arbeiten und es finanziell zu unterstützen. „Dort wird die Entscheidung gelegt, wie sich die jungen Menschen auch später ernähren.“

Mehr Verbindlichkeit forderte dagegen die Fraktion der Linken. In ihrem Antrag forderten sie unter anderem die schon oft diskutierte Einführung einer Nährwert-Ampel. Außerdem müsse Lebensmittelwerbung die sich direkt an Kinder und Jugendliche richtet konsequenter eingeschränkt werden. Zudem sieht der Antrag eine Ausweitung der Transparenz im Lebensmittelsektor vor und im Gegensatz zur Regierungskoalition eine vollständige Abschaffung der sogenannten Quengel-Kassen. Die Grünen verlangen unter anderem eine verlässliche Tierhaltungskennzeichnung für Fleisch, damit die Verbraucher sofort erkennen können, wie die Tiere gehalten wurden. Dem Rückgang des regionalen Lebensmittelhandwerks, etwa von Bäckereien und Metzgereien, müsse aktiv entgegengewirkt werden, um qualifizierte Arbeitsplätze in der Fläche zu erhalten. Schließlich sollte nach Meinung der Faktion die Datenlage über das tatsächliche Ausmaß der Lebensmittelabfälle auf allen Stufen der Wertschöpfungskette verbessert werden.

Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer der Verbraucherorganisation foodwatch zur Debatte: „Deutlicher kann eine Kapitulationserklärung der Großen Koalition vor der Lebensmittelindustrie nicht ausfallen. Union und SPD erkennen und benennen die Probleme für die massenhafte Fehlernährung von Kindern und Erwachsenen, ihnen fehlt aber der Mumm, auch nur an einer Stelle Maßnahmen gegen die Interessen der Lebensmittelindustrie und Zuckerlobby durchzusetzen. Wenn die Probleme so ‚besorgniserregend‘ sind, wie die Koalition sie beschreibt – warum legt sie dann einen Katalog an Unverbindlichkeiten vor, aber keine konkrete Regulierungsmaßnahme? Warum sollen eigentlich Grundschüler einen Ernährungsführerschein machen, aber nicht die ernährungswissenschaftlichen Geisterfahrer von Nestlé, Kellogg’s, Unilever & Co.?“.

„Die Diskussion über quengelfreie Kassen ist gefährlich, weil sie von den ernsteren Problemen wie Bewegungsmangel und mangelndem Ernährungswissen in der Küche ablenkt“, sagte Stephan Becker-Sonnenschein, Geschäftsführer des Branchenvereins „Die Lebensmittelwirtschaft“. Es sei wichtig, sich darüber zu unterhalten, wie ausgewogene Ernährung weiter gestärkt werden kann. „ Der Vorschlag, Kassen ohne Süßigkeiten einzuführen, adressiert jedoch nicht das Grundproblem. Selbst wenn solche Kassen flächendeckend kämen, wären wir dem Ziel einer ausgewogenen Ernährung keinen Schritt näher. Die Diskussion um Kassen ohne Süßigkeiten ist zudem gefährlich, weil sie von den ernsteren Problemen wie Bewegungsmangel und mangelndem Ernährungswissen in der Küche ablenkt.“

 

Die einzelnen Anträge der Parteien zum Download:

Bundestagsfraktion von CDU/CSU, SPD – Gesunde Ernährung stärken – Lebensmittel wertschätzen

Bundestagsfraktion Die Linke – Gute Lebensmittel für eine gesunde Ernährung

Bundestagsfraktion Bündnis 90 /Die Grünen – Gute Ernährung für alle

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