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Umweltrisiken dringlicher als ökonomischen Risiken

Das Risiko eines internationalen Konflikts stellt nach Einschätzung des heute präsentierten 10. Global Risks Berichts des World Economic Forums, die größte Bedrohung für die Stabilität der Welt dar. Für das Global Risk Perception Survey bewerten fast 900 Experten die Wahrscheinlichkeiten und möglichen Auswirkungen globaler Risiken für die kommenden zehn Jahre.

London (csr-news) > „25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer steht die Welt wieder im Angesicht eines zwischenstaatlichen Konflikts, den es abzuwenden gilt“, so Margareta Drzeniek-Hanouz, leitende Ökonomin, Weltwirtschaftsforum. „ Der Unterschied ist, dass die heutigen Mittel, mit denen sich ein solcher Konflikt austragen lässt, vielfältiger denn je sind Man denke an Cyberangriffe, Wettlauf um Ressourcen oder Sanktionen und andere wirtschaftliche Instrumente, die in einer globalen Wirtschaft schnell ausufernden Schaden anrichten können“. Das Risiko eines internationalen Konflikts stellt nach Einschätzung des heute präsentierten 10. Global Risks Berichts des World Economic Forums, die größte Bedrohung für die Stabilität der Welt dar. Für das Global Risk Perception Survey bewerten fast 900 Experten die Wahrscheinlichkeiten und möglichen Auswirkungen globaler Risiken für die kommenden zehn Jahre. In diesem Jahr wird das Risiko zwischenstaatlicher Konflikte hinsichtlich der Eintrittswahrscheinlichkeit am höchsten eingestuft und bezüglich seiner möglichen Auswirkungen an vierter Stelle. Dahinter rangieren extreme Wetterereignisse sowie Staats- und Regierungskrisen. Bei der Betrachtung im Hinblick auf ihre potenzielle Auswirkung stuften die Experten Wasserkrisen als das größte Risiko ein. Neben diesem und zwischenstaatlichen Konflikten dominieren folgende weitere Risiken hinsichtlich ihrer Auswirkung: schnelle und massive Ausbreitung von Infektionskrankheiten, Massenvernichtungswaffen und ein Versagen bei der Anpassung an Klimaveränderungen.

Global Risk Perception Survey

Quelle: Global Risk Perception Survey 2015

Mit den 28 im Jahr 2015 analysierten globalen Risiken, die in fünf Kategorien (Wirtschaft, Umwelt, Geopolitik, Soziales und Technologie) gegliedert sind, zeichnet sich 2015 als ein Jahr der geopolitischen Risiken ab, die gleich dreimal unter den fünf wahrscheinlichsten und zweimal unter jenen mit potenziell größter Auswirkung zu finden sind. In den vergangenen fünf Jahren waren diese von der Landkarte der größten globalen Risiken verschwunden. Die Risikolandschaft 2015 zeigt auch, dass weiterhin dringender Lösungsbedarf für soziale Probleme besteht, da Wirtschafts-, Umwelt- und geopolitischen Risiken den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf die Zerreiβprobe stellen. Soziale Risiken belegen in der Tat die zwei Spitzenränge der Risiken mit potenziell stärkster Auswirkung. Ebenso bemerkenswert ist die Präsenz von mehr umweltbezogenen als wirtschaftlichen Risiken auf den Spitzenrängen. Zwar räumen Experten wirtschaftlichen Risiken wie etwa Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung oder Staatshaushaltskrisen eine nahezu gleiche Dringlichkeit wie in 2014 ein, beurteilen jedoch die mit extremen Wetterereignissen und Klimawandel verbundenen Herausforderungen als wesentlicher dringlicher als noch im vergangenen Jahr. Der Bericht beleuchtet darüber hinaus drei Risikokonstellationen näher: das Zusammenspiel von Geopolitik und Wirtschaft, die Risiken im Zusammenhang mit der raschen und ungeplanten Verstädterung in Entwicklungsländern sowie neue Technologien. Bei der Verstädterung prüft der Bericht, wie man am besten ausreichende Stabilität schafft, um die Herausforderungen abzufedern, die sich im Zuge der Gestaltung des raschen und historischen Übergangs von einer vorwiegend ländlichen zu einer städtischen Lebensweise stellen. „Zweifelsohne hat die Verstädterung das soziale Wohlbefinden erhöht. Wenn Städte jedoch zu schnell wachsen, steigt ihre Verwundbarkeit: Pandemien, Ausfälle von oder Angriffe auf Strom-, Wasser- oder Transportnetze sowie die Folgen des Klimawandels sind alles bedeutende Bedrohungen,“ so Axel P. Lehmann, Chief Risk Officer der Zürich Versicherung.

Die größten Risiken im Hinblick auf die unternehmerische Tätigkeit, ist Gegenstand des jährlich erscheinenden Allianz Risk Barometers. In der aktuellen 4. Auflage für 2015 sieht der Bericht aufgrund zunehmender Vernetzung eine grundsätzlich höhere Anfälligkeit für Störungen in den Betriebsabläufen. Zudem sind Unternehmen unverändert gefährdet durch traditionelle Sorgenfaktoren wie Betriebs- und Lieferkettenunterbrechungen, Naturkatastrophen und Feuer & Explosion. Cyberrisiken und politische Risiken sehen Unternehmen aber als immer stärkere Bedrohung an. Für die Studie wurden mehr als 500 Risikomanager und Experten aus der Unternehmensversicherung der Allianz Gruppe sowie aus globalen Unternehmen aus 47 Ländern befragt. Der Klimawandel und Naturkatastrophen sowie technologische Innovationen wie der 3D-Druck oder die Nanotechnologie dominieren die langfristige Risikoagenda. „Die Unternehmen müssen technologische Umbrüche bewältigen und zugleich dem Klimawandel als einem fundamentalen Risiko begegnen, das sich ihrem unmittelbaren Einfluss entzieht“, sagt Axel Theis, Mitglied des Vorstands der Allianz SE. „Vorbildliche Ansätze einzelner Unternehmen sowie unternehmensübergreifende, branchenweite und regionale Kooperationen können helfen, die Umweltschäden zu mindern und für mehr Sicherheit, Wachstum und Innovation in einer nachhaltigeren Welt zu sorgen.“