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Demografie – Unsicherheit bei zukünftigen Beschäftigungsverhältnissen

Der demografische Wandel ist in zahlreichen Betrieben bereits heute spürbar. Vor allem der Mangel an qualifizierten Fachkräften spitzt sich immer weiter zu. So bestanden im Herbst vergangenen Jahres bereits in 139 von 615 Berufsgattungen Engpässe beim Fachpersonal. Dennoch erwarten 90 Prozent der deutschen Unternehmen starke Auswirkungen des demografischen Wandels erst in sieben bis zehn Jahren, wie eine Untersuchung der Beratungsgesellschaft PWC ergeben hat.

Frankfurt (csr-news) > Der demografische Wandel ist in zahlreichen Betrieben bereits heute spürbar. Vor allem der Mangel an qualifizierten Fachkräften spitzt sich immer weiter zu. So bestanden im Herbst vergangenen Jahres bereits in 139 von 615 Berufsgattungen Engpässe beim Fachpersonal. Dennoch erwarten 90 Prozent der deutschen Unternehmen starke Auswirkungen des demografischen Wandels erst in sieben bis zehn Jahren, wie eine Untersuchung der Beratungsgesellschaft PWC ergeben hat.

Erst in der vergangenen Woche haben die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen eine gemeinsame Erklärung zum Thema Demografie unterzeichnet. Ziel ist es bestehende Verbesserungsmöglichkeiten zu nutzen, aber auch in den Unternehmen für das Thema zu sensibilisieren. Im Versicherungssektor ist das Durchschnittsalter von Arbeitnehmern in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen, eine Entwicklung die sich in den kommenden Jahren weiter beschleunigen wird. Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Meister. „Mit dieser gemeinsamen Erklärung ist ein erster großer Schritt getan, um für erfahrene, ältere Arbeitnehmer sicherzustellen, dass sie ihre Tätigkeit bis zum Eintritt in die Rente motiviert und leistungsorientiert weiterführen können. Gleichzeitig werden jüngeren Beschäftigten Chancen auf ein nachhaltiges und zukunftsorientiertes Berufsleben gegeben.“ Beide Tarifparteien betonten, sie seien sich über die zentrale Bedeutung von Life-Balance, Gesundheitsschutz und Qualifizierung einig. Im Einzelnen geht es nun darum, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit- und Privatleben zu fördern, auf vielfältige Beschäftigungsmodelle in der Versicherungswirtschaft hinzuwirken, Aus- und Weiterbildung zu fördern und durch die Übernahme von qualifizierten Ausgebildeten die Nachwuchsförderung voranzutreiben. Um eine gesunde Arbeitsumgebung zu schaffen sollen Maßnahmen getroffen werden, um leistungsabträglichen, arbeitsbedingten Stress nach Möglichkeit zu vermeiden oder zu reduzieren.

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Quelle: PWC-Demografie-Studie „Auf einem Auge blind – Unternehmen unterschätzen den demografischen Wandel“

Auf diesem Weg sollen vor allem auch ältere Arbeitnehmer in Beschäftigung bleiben, denn ohne diese wird es in einigen Branchen und Berufszweigen kaum noch gehen. In den Berufsfeldern „Gesundheit, Soziales und Bildung“, „Energie, Elektro und Mechatronik“ sowie „Logistik und Sicherheit“ bestehen jetzt schon Engpässe. Dabei sind bereits immer mehr ältere Menschen erwerbstätig. Waren im Juni 1999 lediglich 5,2 Millionen Personen ab 50 Jahren sozialversicherungspflichtig beschäftigt, stieg die Zahl bis zum Jahr 2013 auf 9,1 Millionen. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil älterer Beschäftigter in diesem Zeitraum von 19 auf 31 Prozent. Das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln sieht für diese Entwicklung vor allem zwei Gründe. Zum einen rücken die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre zunehmend in die Altersgruppe der 50-jährigen und Älteren auf, zum anderen nahm die Erwerbsquote älterer Menschen in den vergangenen Jahren deutlich zu. Der absehbare Renteneintritt der Babyboomer wird mittelfristig zu einem erhöhten Ersatzbedarf an Fachkräften führen, sofern die Nachfrage nach Fachkräften stabil bleibt. Von den 6,7 Millionen Fachkräften in Engpassberufen werden nach Einschätzung der Wirtschaftsforscher 2,1 Millionen ältere Fachkräfte innerhalb der nächsten 15 Jahre den Arbeitsmarkt verlassen und müssen ersetzt werden.

So wundert es nicht, wenn 80 Prozent der Unternehmen zunächst nur Handlungsbedarf im Bereich Personal sehen, so eine Untersuchung von PWC. Ansatzpunkte für eine Lösung der Personalsorgen sehen 75 Prozent der Unternehmen in flexiblen Arbeitszeiten sowie in Beschäftigungsmodellen, die den Bedürfnissen von Familien entgegenkommen. Dagegen ziehen nur 28 Prozent der befragten Unternehmen in Betracht, gezielt Mitarbeiter einzustellen, die älter als 50 Jahre sind. Große Unternehmen haben bei der Entwicklung innovativer Arbeitszeitmodelle zwar die Nase vorn, doch selbst bei ihnen fehlen klare Konzepte. Kleine bis mittlere Unternehmen haben in diesem Punkt allerdings deutlichen Nachholbedarf, so ein Fazit der Unternehmensberater. Der Ruf nach Hilfe aus der Politik ist deshalb umso lauter. Von der Unterstützung für pflegende Berufstätige und berufstätige Eltern, über die Förderung einer betrieblichen Altersvorsorge bis zu Impulsen für flexiblere Arbeitszeitmodelle reicht der Forderungskatalog. „Unsere alternde Gesellschaft verändert sich so massiv, dass die Wirtschaft die gewaltigen Herausforderungen nicht alleine bewältigen kann. Genauso wichtig wird es aber sein, dass die Unternehmen den demografischen Wandel ernst nehmen“, sagt Norbert Winkeljohann, Sprecher des Vorstands von PWC Deutschland.

Allerdings wird der demografische Wandel nicht nur die Arbeitswelt verändern, sondern hat auch Auswirkungen auf die Konsumentengruppen und -gewohnheiten und damit auch auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen. „Die Unternehmen in Deutschland wissen, dass der demografische Wandel auch an ihnen nicht spurlos vorübergehen wird. Sie konzentrieren sich aber einseitig auf Personalfragen und unterschätzen die Auswirkungen auf ihr Geschäftsmodell. Die Nachfrage nach Dienstleistungen und Produkten wird sich mindestens ebenso dramatisch verändern wie der Arbeitsmarkt“, so Winkeljohann. Klare Konzepte, wie Unternehmen den demografischen Wandel als Chance nutzen können, gibt es in der deutschen Wirtschaft kaum, heißt es in der Studie. „Der Bevölkerungsrückgang wird nicht nur die Hersteller von Babynahrung betreffen, sondern beispielsweise auch Energieversorger, den Einzelhandel oder Automobilhersteller. Der Kreis potenzieller Kunden wird kleiner und die Kunden immer älter“, so Michael Burkhart, Partner bei PWC und Experte für den demografischen Wandel.

 

 

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