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EU-Lebensmittelamt senkt Grenzwert für umstrittenes Bisphenol A

In einer Risikobewertung kam die EFSA zu dem Schluss, dass BPA derzeit im Alltag „für keine Altersgruppe ein Gesundheitsrisiko darstellt“.

Brüssel (afp) – Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA sieht in der umstrittenen Chemikalie Bisphenol A (BPA) kein Gesundheitsrisiko, hat ihren Grenzwert für die tägliche Aufnahme von BPA aber deutlich abgesenkt. In einer Risikobewertung kam die EFSA zu dem Schluss, dass BPA derzeit im Alltag „für keine Altersgruppe ein Gesundheitsrisiko darstellt“, wie die Behörde am Mittwoch in Parma mitteilte. Der BUND in Berlin widersprach und forderte ein Verbot.

Bisphenol A steckt in vielen Dingen: Bei Lebensmittelverpackungen etwa in Konserven- und Getränkedosen, aber auch in Mehrweg-Plastikgeschirr und Kochutensilien. Zudem ist es in Kassenbons aus Thermopapier und zahlreichen weiteren Alltagsgegenständen wie CD-Hüllen und Kosmetika enthalten. Es kann mit der Nahrung und über die Haut aufgenommen oder eingeatmet werden.

Die Chemikalie, die wie ein menschliches Hormon wirkt, steht seit Jahren massiv in der Kritik. In Babyfläschchen ist der Stoff seit Januar 2011 EU-weit verboten. Als erstes EU-Land hat Frankreich zum 1. Januar 2015 die Chemikalie in allen Lebensmittelverpackungen untersagt.

Die neue Risiko-Einschätzung der EFSA ist auch eine Reaktion auf die Debatte. Sie senkte den zulässigen Grenzwert jetzt von 50 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich auf vier Mikrogramm. Das tat sie nach eigener Darstellung aber nicht aufgrund „neuer gesundheitlicher Bedenken“. Vielmehr könnten Risiken heute differenzierter bewertet werden, erklärte die Behörde. Der neue Grenzwert ist zudem noch nicht die endgültige Empfehlung – hierfür will die EFSA noch weitere Untersuchungsergebnisse abwarten.

In der Praxis werde auch der neue Grenzwert bereits unterschritten, erklärte die EFSA weiter. Im Alltag nähmen Menschen mindestens drei bis fünf Mal weniger BPA auf, als der neue, strengere Grenzwert erlaubt.

Die neuen Untersuchungen der EFSA hatten ergeben, dass BPA nur in extrem hohen Mengen schädlich wäre. So habe der Stoff in Konzentrationen, die den neuen Grenzwert um mehr als das Hundertfache übersteigen, „wahrscheinlich schädliche Auswirkungen auf Leber und Nieren“, heißt es in einer Zusammenfassung der Ergebnisse.

Zugleich stellt die Behörde fest: „Auswirkungen auf die Fortpflanzungsorgane, das Stoffwechsel-, Herz-Kreislauf-, Nerven- und Immunsystem sowie auf die Entstehung von Krebserkrankungen werden derzeit nicht als wahrscheinlich erachtet, konnten aber anhand der verfügbaren Daten nicht ausgeschlossen werden.“ Dies sei für die Festsetzung des Grenzwerts berücksichtigt worden.

Der Umweltverband BUND begrüßte die Absenkung des Grenzwerts, forderte aber überall da, wo BPA mit Lebensmitteln in Kontakt kommen kann, ein Verbot. Der Stoff könne in bestimmten Lebensaltern „schon in niedrigen Dosen Effekte auslösen“, sagte Chemie-Expertin Ann-Kathrin Sporkmann zu AFP. Verbraucher sollten auf Lebensmittel aus Konservendosen verzichten, da in diesen BPA außerordentlich häufig vorkomme, riet sie.

Der Industrieverband PlasticsEurope sah sich hingegen in seiner Position bestätigt, dass BPA kein Risiko darstelle. Er forderte daher eine Rücknahme des Verbots in Frankreich. Die Lebensmittelbehörde EFSA kann Grenzwerte nur festsetzen, aber sie der Industrie nicht vorschreiben. Dafür ist auf europäischer und nationaler Ebene der Gesetzgeber zuständig. Die EU-Kommission erklärte auf Anfrage, sie werde prüfen, „ob irgendwelche zusätzlichen EU-Maßnahmen nötig sind“.

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