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Managerinnen-Barometer 2015 – Vorstände bleiben männliche Monokulturen

Berlin (csr-news) > Würden die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums in Davos den Querschnitt der Wirtschaft abbilden, dann würden Frauen nur eine Nebenrolle spielen.

In diesem Jahr sind etwa 17 Prozent der Delegierten Frauen. Tatsächlich sieht es in den Chefetagen nicht viel anders aus, wie das heute vorgestellte Managerinnen-Barometer 2015 des DIW Berlin belegt. Klares Fazit: Frauen in Spitzenpositionen waren auch im vergangenen Jahr die Ausnahme. In den Vorständen der –gemessen am Umsatz – 200 größten Unternehmen lag ihr Anteil bei etwa fünf Prozent. Das entspricht 47 von insgesamt 877 Vorstandssitzen. Etwas schlechter sieht es aus, wenn nur die 100 größten Unternehmen betrachtet werden. „In den Vorständen hat sich praktisch nichts getan. Sie bleiben männliche Monokulturen, trotz der Selbstverpflichtung zu mehr Frauen in Führungspositionen, die die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft im Jahr 2001 eingegangen sind. Das ist keine positive Bilanz“, sagt Elke Holst, Forschungsdirektorin für Gender Studies am DIW Berlin. Holst hat zusammen mit ihrer Kollegin Anja Kirsch von der Freien Universität Berlin die Frauenanteile in insgesamt über 500 Unternehmen, Banken und Versicherungen untersucht. Etwas besser vertreten sind Frauen in Aufsichtsräten, hier lag ihr Anteil bei etwa 18 Prozent, in den DAX30 Unternehmen bei knapp 25 Prozent. Die Forscherinnen vermuten hier bereits erste Auswirkungen der gesetzlich vorgeschriebenen Frauenquote. „Dennoch bleibt jede Menge zu tun, bis Frauen und Männer in Spitzengremien auch nur annähernd in ähnlichem Ausmaß vertreten sein werden“, so Holst.

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Quelle: DIW Managerinnen-Barometer 2015 

Auch im Finanzsektor bleiben die Frauenanteile in Spitzengremien gering, obwohl Frauen die Mehrheit der Beschäftigten stellen. In den Vorständen der 100 größten Banken und Sparkassen lag der Frauenanteil Ende 2014 bei durchschnittlich knapp sieben Prozent und in den Vorständen der 60 größten Versicherungen bei 8,5 Prozent – in beiden Fällen fast unverändert im Vergleich zum Jahr 2013. Selbst in den Aufsichtsräten, wo die Frauenanteile wie auch bei allen anderen Unternehmensgruppen höher liegen als in den Vorständen, ging es kaum voran: Mit 18 Prozent (Banken) und gut 17 Prozent (Versicherungen) waren Frauen nur geringfügig häufiger in den Kontrollgremien vertreten als im vorangegangenen Jahr. Die öffentlich-rechtlichen Geldhäuser, also vor allem Sparkassen und Landesbanken, gingen nur bedingt mit gutem Beispiel voran: Zwar konnten sie den Frauenanteil in ihren Vorständen um etwa zwei Prozentpunkte auf knapp sieben Prozent erhöhen, haben aber damit gerade erst aufgeschlossen zu den privaten Banken. Fast gleichauf liegen die beiden Gruppen mit knapp 19 Prozent (öffentlich-rechtliche Banken) und gut 18 Prozent (private Banken) auch bei den Aufsichtsräten.

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Quelle: DIW Managerinnen-Barometer 2015 

Die gesetzliche Frauenquote allein wird nach Ansicht von Holst und Kirsch nicht ausreichen, um langfristig ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern in den Chefetagen herzustellen. „Die Frauenquote ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber nur einer von vielen, die nötig sind“, so die beiden Autorinnen. Zusätzlich müssten sich unter anderem die Unternehmenskultur noch viel stärker für Frauen in Führungspositionen öffnen und verbindliche Zielgrößen auch für Vorstände festgelegt werden, in denen sämtliche Unternehmensgruppen einen noch größeren Aufholbedarf haben als in den Aufsichtsräten. Wichtig seien zudem flexiblere Karriere- und Arbeitszeitmodelle sowie verbesserte Möglichkeiten der Kinderbetreuung, um Beruf, Familie und in vielen Fällen auch die Pflege Angehöriger besser vereinbaren zu können.

Das Managerinnen-Barometer 2015 zum Download.