Agenturmeldung Nachrichten

Deutsche Post will tausende neue Jobs in Sub-Gesellschaften schaffen

Bis 2020 sollten bis zu 10.000 zusätzliche Stellen in der Paketzustellung entstehen. Gewerkschaften kritisierten das Vorhaben.

Bonn (afp) – Aufgrund des starken Wachstums im Paketgeschäft will die Deutsche Post DHL in den nächsten Jahren mehrere tausend Arbeitsplätze in neuen Sub-Gesellschaften schaffen. Bis 2020 sollten bis zu 10.000 zusätzliche Stellen in der Paketzustellung entstehen, erklärte der Post- und Logistikkonzern am Donnerstag in Bonn. Gewerkschaften kritisierten das Vorhaben als Versuch, Beschäftigte in schlechter bezahlte Anstellungsverhältnisse abzudrängen.

„Bis 2020 rechnet der Konzern aufgrund des nachhaltig anhaltenden Wachstums im Paketgeschäft mit einem Mehrbedarf an Arbeitskräften im Umfang von bis zu 10.000 neuen Stellen im Bereich der Paketzustellung. Bis 2025 könnten es sogar 20.000 neue Arbeitsplätze sein“, teilte die Deutsche Post mit. Angesiedelt werden sollten diese in neuen Gesellschaften unter dem Namen DHL Delivery Gmbh, die bestimmte Zustellbezirke übernehmen sollten.

Dem Unternehmen zufolge sollen die Mitarbeiter dort nach den „jeweils regional geltenden tariflichen Bedingungen der Speditions- und Logistikbranche“ beschäftigt werden. Bestehende Arbeitsverträge bei der Deutschen Post DHL blieben „unberührt“. Allerdings würden heute befristet beim Mutterkonzern beschäftigte Mitarbeiter, deren Verträge auslaufen, bei den Sub-Gesellschaften „bevorzugt eingestellt“.

Arbeitnehmervertreter warfen dem Konzern deshalb vor, bestehende befristete Arbeitsplätze durch tariflich deutlich schlechter gestellte Jobs ersetzen zu wollen. Die Post wolle mit ihrem „Manöver“ offensichtlich die Arbeitsbedingungen von mehr als 10.000 Beschäftigten „radikal verschlechtern“, erklärte die Vize-Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Andrea Kocsis.

„Die Ankündigung der Post, angeblich 10.000 neue Arbeitsplätze schaffen zu wollen, ist ein klarer Fall von Tarif- und Mitbestimmungsflucht und eine Aushöhlung bestehender Verträge“, erklärte Kocsis in Berlin. Der Konzern wolle anscheinend den mit den Arbeitnehmerseite abgeschlossenen und noch bis Ende 2015 laufenden Vertrag zur Verhinderung von Fremdvergaben unterlaufen, demzufolge maximal 990 Paket-Zustellbezirke von Tochterfirmen oder Dritten betrieben werden dürften.

Die Kommunikationsgewerkschaft DPV sprach von einem Fall von „Lohndrückerei“. Neue Mitarbeiter würden künftig nicht mehr nach dem Haustarifvertrag der Post bezahlt. „Die Pläne der Deutschen Post, in den kommenden Jahren mehrere Tausend Mitarbeiter zu niedrigeren Löhnen als heute einstellen zu wollen, ist nicht zuletzt angesichts der Milliardengewinne des Unternehmens unsozial und schäbig“, erklärte der Chef der Fachgewerkschaft der Post-Beschäftigten, Volker Geyer, in Bonn.

Das Unternehmen berief sich zur Begründung für seine Pläne auf die Notwendigkeit, Personalkosten zu senken. Angesichts des „hohen Lohnkostenabstands zu unseren Wettbewerbern“ könne der Konzern Umfang und Qualität seiner postalischen Dienstleistungen in der „vorhandenen Tarifstruktur“ nicht aufrechterhalten, erklärte Vorstand Jürgen Gerdes. Gleiches gelte für die bekanntermaßen sehr guten Arbeitsbedingungen im Unternehmen. Nur die neuen Gesellschaften schafften die Grundlage dafür, das eigene Paketgeschäft zukunftssicher zu machen, „ohne die Vergütung unserer vorhandenen Beschäftigten anzutasten“.

Verdi forderte den Konzern im Gegenzug auf, „strittige Fragen“ mit den Gewerkschaften am Verhandlungstisch zu lösen. Die Pläne würden auch in der Politik „nicht ohne Reaktion bleiben“, warnte Kocsis. Die aus der früheren Bundespost hervorgegangene Deutsche Post DHL befindet sich noch zu 21 Prozent im Besitz der staatlichen KfW Bankengruppe. Der Staat ist also ein Hauptanteilseigner.

Die DPV rief das Bonner Unternehmen dazu auf, die Pläne aufzugeben. Befristet Angestellten sollten stattdessen unbefristet im Mutterkonzern weiterbeschäftigt werden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar