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Nachhaltigkeit und Banken – Manche Institute müssen sich Versäumnisse ankreiden lassen

Haben Banken eine gesellschaftliche Verantwortung und wenn ja, wie könnte die aussehen? Fragen mit denen sich der Bankenverband im Rahmen einer Diskussionsrunde auseinandergesetzt hat. „Banken sehen es als ihre Aufgabe an, ihr soziales und gesellschaftliches Umfeld positiv mitzugestalten“, sagte etwa Verbandsgeschäftsführer Michael Kemmer. Irgendwie scheint sich das aber in kulturellen und sozialen Projekten zu erschöpfen. Offen bleibt die Frage nach der Verantwortung im Kerngeschäft.

Berlin (csr-news) > Haben Banken eine gesellschaftliche Verantwortung und wenn ja, wie könnte die aussehen? Fragen mit denen sich der Bankenverband im Rahmen einer Diskussionsrunde auseinandergesetzt hat. „Banken sehen es als ihre Aufgabe an, ihr soziales und gesellschaftliches Umfeld positiv mitzugestalten“, sagte etwa Verbandsgeschäftsführer Michael Kemmer. Irgendwie scheint sich das aber in kulturellen und sozialen Projekten zu erschöpfen. Offen bleibt die Frage nach der Verantwortung im Kerngeschäft.

Was gehört eigentlich zur gesellschaftlichen Verantwortung der Banken? Geht CSR über eine nachhaltige Unternehmensführung und den Beitrag, den Banken als Arbeitgeber und Steuerzahler, als Finanzdienstleister und Kapitalgeber für Wirtschaft und Gesellschaft leisten, noch hinaus? Das Banken ihren Beitrag leisten, darüber sind sie sich selber im Klaren. Der Satz „Banken leisten viel für dieses Land und für diese Gesellschaft“, würde innerhalb der Branche auf Zustimmung stoßen, außerhalb jedoch nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen. So formulierte Michael Kemmer in seiner Eröffnungsrede das Stimmungsbild. Die Branche fühlt sich falsch verstanden. Grund dafür ist unter anderem eine Umfrage des Bankenverbands in der weit mehr als die Hälfte der Befragten angaben, Banken würden sich nicht oder kaum gesellschaftlich engagieren. Kemmer bedauerte das Umfrageergebnis, den nach seiner Auffassung haben „Banken eine gesellschaftliche Verantwortung. Sie sehen es als ihre Aufgabe an, ihr soziales und gesellschaftliches Umfeld positiv mitzugestalten. Und sie kommen dieser Verantwortung auch nach.“ Stellt sich die Frage, was unter dieser Verantwortung zu verstehen ist. Laut Umfrage gehören dazu die Unterstützung sozialer Einrichtungen (71%) und die Förderung von Kultur, Sport oder Bildung (71%). Aber auch die Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen gehören ebenso dazu wie die Erwirtschaftung von Gewinnen und dem damit verbundenen Beitrag der Banken zum Steueraufkommen. Schön wenn solche Umfrageergebnisse exakt zum Eigenverständnis passen. Denn, wie Kemmer weiter ausführte, sind das genau die Bereiche in denen Banken ihre gesellschaftliche Aufgabe sehen. Demnach engagiere sich die übergroße Mehrheit der Banken auf vielfältige Weise im Rahmen von CSR-Projekten entweder direkt oder über die von ihnen gegründeten Stiftungen. Sie ermöglichten Förderunterricht für benachteiligte Schüler, unterstützten bedürftige Kinder, engagierten sich für schwerstkranke Patienten, förderten die Stadtnatur oder vergäben Stipendien an hoffnungsvolle Nachwuchskünstler. Kemmer weiter: „Kleine, mittlere und international aufgestellte Institute prägen an ihren Standorten, in ihrer Region oder überregional das gesellschaftliche Umfeld aktiv mit. Die meisten Institute blicken über den Tellerrand des eigenen Finanzgeschäfts hinaus und viele haben eine mehrere Jahrzehnte, oft sogar noch länger währende Tradition des kulturellen und sozialen Engagements.“

Bankenverband_umfrage

Quelle: Bankenverband – CSR-Umfrage

Leider kommen die Stellschrauben mit denen Banken direkten Einfluss auf die Entwicklung einer nachhaltigen Gesellschaft nehmen können nicht vor. Doch an dieser Stelle ist Kemmer selbstkritisch: „Gerade in puncto Nachhaltigkeit müssen sich einzelne Institute – säulenübergreifend – so manches Versäumnis ankreiden lassen“. Dabei haben ein erheblicher Teil der befragten Bürger nicht mal ein Problem damit, wenn Banken ihr gesellschaftliches Engagement auch nutzen um beispielsweise ihr Image zu verbessern. Kemmer: „Gewinnerwirtschaftung und Imagepflege stehen also keineswegs per se im Widerspruch zur Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung. Die Diskussion zu CSR sollte vor diesem Hintergrund weniger in Form einer „Markt versus Moral“-Debatte geführt werden“. So sei die Diskussion über CSR in der Bankenwelt in den vergangenen Jahren auch weiter vorangekommen. „Längst wird CSR von vielen Unternehmen und Banken als ein Instrument der strategischen Unternehmensführung begriffen, die den „Social Case“ mit dem „Business Case“ verbindet“, so Kemmer. „Dafür, dass viele Menschen heute aber Zweifel hätten, ob die Banken ihrer gesellschaftlichen Verantwortung tatsächlich gerecht würden, so Kemmer, spielten auch Fehler und Versäumnisse während der Finanzkrise eine Rolle. Solche Zweifel könnten nur dadurch entkräftet werden, dass die Banken die richtigen Konsequenzen aus der Krise zögen und nachvollziehbar aufzeigten, welche Leistungen sie erbringen: als Unternehmen für den Wohlstand, als Finanzdienstleister für ihre Kunden und als Corporate Citizen für die Gesellschaft insgesamt.

Zum Download: Thesen des Bankenverbands zum gesellschaftlichen Engagement der privaten Banken

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