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World Report: Menschenrechte kein Luxusgut für besser Zeiten

Beirut (csr-news) > Zum 25. Mal dokumentiert die Menschenrechteorganisation Human Rights Watch in ihrem 656 Seiten umfassenden World Report die Lage der Menschenrechte in mehr als 90 Ländern. „Menschenrechtsverletzungen spielten eine große Rolle, wenn es um die Entstehung und Verschärfung der heutigen Krisen geht“, sagte Kenneth Roth, Executive Director von Human Rights Watch. „Die Menschenrechte zu schützen und demokratische Verantwortlichkeit sicherzustellen, sind der Schlüssel zur Lösung dieser Krisen.“ Immer öfter wird dies auch bei sportlichen Großveranstaltungen sichtbar. Seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigt sich Human Rights Watch mit diesem Thema. Minky Worden, Direktorin für Globale Initiativen bei Human Rights Watch gibt im aktuellen Report einen umfangreichen Einblick in die Problematik. Sie hat umfangreich dokumentiert, wie sportliche „Mega-Events“ zu „Mega-Menschenrechtsverletzungen“ führen können, wenn die Spiele an Regierungen vergeben werden, welche die Menschenrechte nicht achten. „Kein Land verfügt über eine perfekte Menschenrechtsbilanz, doch es sind immer häufiger die schwarzen Schafe, die sich am eifrigsten darum bemühen, ihren Ruf in der Welt aufzupolieren und den Patriotismus im eigenen Land zu befeuern, indem sie internationale Medien und Weltpolitiker zu einem extravaganten Sportspektakel einladen“, so Worden. Trotz allem würden die Chancen für Verbesserungen heute besser stehen, weil Sponsoren und die Öffentlichkeit stärker sensibilisiert sind. Es sei ein explosives Gemisch aus Sport und Menschenrechtsverletzungen, schreibt Worden, das immer wieder mit sportlichen Großveranstaltungen einhergeht oder sogar von ihnen verursacht wird. Reformen seien also längst überfällig. Regierungen müssten dazu angehalten werden, bevor sie als Gastgeber großer Sportereignisse in Frage kommen, ihre Menschenrechtsprobleme zu lösen. Aber auch die internationalen Sportverbände müssten begreifen, dass Menschenrechtsprobleme eher zunehmen, wenn eine Regierung den Zuschlag für große Infrastrukturinvestitionen erhält.

Die Verstöße sind zahlreich und reichen von Zwangsräumungen im Vorfeld der Veranstaltungen, bei denen die Betroffenen kein faires Verfahren und keine angemessene Entschädigung erhalten, bis hin zu allzu oft von entrechteten und ausgebeuteten Arbeitsmigranten erbauten Sportstätten. Kritik von Umweltschützern und anderen Betroffenen führt nicht selten zu Inhaftierungen und langjährigen Haftstrafen. Auch die Einschüchterung von Medienvertretern gehört zum Repertoire der kritisierten Nationen. „Das Internationale Olympische Komitee und die FIFA sind die beiden wichtigsten Akteure auf dem Gebiet der sportlichen Großereignisse. Sie müssen diese Krise nutzen, um noch vor den nächsten Olympischen Spielen und der nächsten Fußballweltmeisterschaft konkrete Reformen umzusetzen“, so Worden. „Das Problem, dem sich IOC und FIFA stellen müssen lautet: Wie lässt sich die Kluft zwischen gefälligen Worten und der hässlichen Realität vor Ort schließen?“ Eine Möglichkeit wäre es, in den umfangreichen Ausrichtungsprozess ein Menschenrechtsmonitoring zu integrieren. „Es ist an der Zeit, für gleiche Wettbewerbsbedingungen zu sorgen und den hohen menschlichen Preis, den die Vergabe großer Wettkämpfe an repressive Regierungen fordert, nicht länger zu bezahlen“, so Worden. Durch die „Agenda 2020“, die erstmals auch Mechanismen zum Schutz der Menschenrechte enthält, hat IOC-Präsident Bach einen ersten, längst überfälligen Schritt in diese Richtung gemacht. Jetzt müssen die FIFA und andere internationale Sportverbände nachziehen und für Reformen sorgen. In einem Land, in dem schwere Menschenrechtsverletzungen stattfinden, kann eine Sportveranstaltung niemals wirklich erfolgreich sein“.

Der vollständige World Report zum Download.