Agenturmeldung Nachrichten

Mindestlohn wird zu mehr Schwarzarbeit führen

Schwarzarbeit kommt der Studie zufolge besonders häufig in der Landwirtschaft, im Gastgewerbe, persönlichen Dienstleistungen und Teilen der Bauwirtschaft vor.

Tübingen (afp) – Der seit Anfang dieses Jahres geltende Mindestlohn treibt laut einer Studie Schwarzarbeit und andere illegale wirtschaftliche Aktivitäten voran. Die Schattenwirtschaft werde 2015 in Deutschland erstmals seit Jahren nicht mehr schrumpfen, heißt es in einer am Dienstag in Tübingen veröffentlichten Untersuchung des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und der Universität Linz. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bezweifelte die Ergebnisse der Forscher.

Eigentlich müsse die Schattenwirtschaft 2015 aufgrund der prognostizierten konjunkturellen Entwicklung um rund 1,3 Milliarden Euro schrumpfen, erklärten die Wissenschaftler, doch Mindestlohn und leicht steigende Sozialbeiträge würden der Entwicklung entgegenwirken. Alleine die neue Lohnvorschrift lasse die dunklen Geschäfte um 1,5 Milliarden Euro wachsen. Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung und andere gesetzwidrige Tätigkeiten würden also 2015 unterm Strich im Vergleich zum Vorjahr um 200 Millionen Euro „geringfügig“ zunehmen. Der „rückläufige Trend der Schattenwirtschaft“, der seit 2003 anhalte und nur im Krisenjahr 2009 einmal unterbrochen worden sei, komme damit „zum Stillstand“. Insgesamt bleibe der Anteil der Schattenwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt (BIP) aber stabil bei 12,2 Prozent.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach kritisierte die Studie. „Wir bezweifeln, dass die wissenschaftlichen Methoden zur Berechnung von Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit tatsächlich so genau sind, um die Zu- oder Abnahme auf 200 Millionen genau zu berechnen“, erklärte sie am Dienstag. Die Berechnungen beruhten auf „ausgesprochen vagen“ Annahmen. Der DGB bezweifle auch grundsätzlich die Annahme, dass steigende Löhne zu mehr Schwarzarbeit führten, erklärte Buntenbach.

Der Mindestlohn selbst wird nach den Schätzungen der Forscher durch Aktivitäten der Schattenwirtschaft nur in relativ geringem Umfang umgangen. Insgesamt müssten in dden für Schattenwirtschaft anfälligen Branchen, in denen seit Januar der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde gilt, in diesem Jahr sieben Milliarden Euro mehr an Löhnen gezahlt werden als 2014. Der prognostizierte Anstieg der Schattenwirtschaft um 1,5 Milliarden Euro durch den Mindestlohn falle deutlich geringer aus.

Schwarzarbeit kommt der Studie zufolge besonders häufig in der Landwirtschaft, im Gastgewerbe, persönlichen Dienstleistungen und Teilen der Bauwirtschaft vor. Beim Vergleich des Schattenwirtschaftsvolumens in den Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liege Deutschland im Mittelfeld. In südeuropäischen Ländern wie Griechenland, Italien oder Spanien sei der Anteil der Schattenwirtschaft am BIP mit Werten zwischen 18 und 22 Prozent deutlich höher.

Hinterlassen Sie einen Kommentar