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Indikatorenbericht zur biologischen Vielfalt – Es fehlt das Bewusstsein.

Deutschland kommt beim Thema biologische Vielfalt kaum voran. Wie der heute vom Bundeskabinett beschlossene Indikatorenbericht für 2014 zeigt, werden bei fast allen Indikatoren die Zielwerte nicht erreicht. Eines der größten Defizite besteht beim zentralen Indikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“, dort geht die Schere zwischen Ist-Zustand und Zielwert immer weiter auseinander, heißt es aus dem Bundesumweltministerium.

Berlin (csr-news) > Deutschland kommt beim Thema biologische Vielfalt kaum voran. Wie der heute vom Bundeskabinett beschlossene Indikatorenbericht für 2014 zeigt, werden bei fast allen Indikatoren die Zielwerte nicht erreicht. Eines der größten Defizite besteht beim zentralen Indikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“, dort geht die Schere zwischen Ist-Zustand und Zielwert immer weiter auseinander, heißt es aus dem Bundesumweltministerium. Man müsse und werde die nationale Strategie zur biologischen Vielfalt konsequenter umsetzen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: „Ohne besondere zusätzliche Anstrengungen werden wir die Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt aller Voraussicht nach nicht erreichen“. Hendricks kündigte an, auf Basis der Ergebnisse des Indikatorenberichts noch in diesem Jahr eine Initiative zu starten, um insbesondere in den Bereichen mit den größten Defiziten zusätzliche Anstrengungen unternommen werden. Der Indikatorenbericht bilanziert alle zwei Jahre den Fortschritt bei der Umsetzung der Biodiversitätsstrategie. Die 19 Indikatoren geben beispielsweise Auskunft über die Artenvielfalt und Landschaftsqualität, die Gefährdung von wild lebenden Arten und einheimischen Nutztierrassen sowie die streng geschützten Gebiete. Außerdem lässt sich anhand der Indikatoren der Einfluss von Siedlung, Verkehr, wirtschaftlichen Nutzungen wie Land- und Forstwirtschaft und die Auswirkungen des Klimawandels auf die biologische Vielfalt ablesen.

Mehrere deutsche Umweltverbände haben im Anschluss an die Veröffentlichung des Berichts, en voranschreitenden Verlust an Arten und Lebensräumen in Deutschland sowie mangelhafte Schutzmaßnahmen kritisiert. Die Bundesregierung sei meilenweit davon entfernt, ihre eigenen Ziele zum Schutz der biologischen Vielfalt in Deutschland zu erreichen. Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Naturschutzbund Deutschland (NABU), WWF Deutschland, Deutsche Umwelthilfe (DUH) sowie der Dachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) appellieren deshalb an Bund und Länder, ihre Bemühungen zum Schutz der biologischen Vielfalt rasch zu intensivieren, um Lebensqualität, natürliche Ressourcen und Vielfalt der Arten wirksam zu sichern. Mit der UN-Konvention zur Biologischen Vielfalt und den europäischen Biodiversitätszielen gebe es einen klaren Rahmen und in der Nationalen Strategie der Bundesregierung zur biologischen Vielfalt gut gewählte Ziele. Um diese noch zu erreichen, brauche es jedoch ein ambitioniertes Sofortmaßnahmenprogramm, das bis 2020 Erfolge zeige. Insbesondere sei eine bessere Umsetzung, Durchsetzung und Finanzierung von Natura 2000, dem inzwischen größten Schutzgebietsnetz der Welt, notwendig. Das „Bundesprogramm Biologische Vielfalt“ müsse als unterstützendes Förderinstrument von derzeit 15 Millionen Euro auf mindestens 30 Millionen Euro jährlich aufgestockt und vorrangig dafür genutzt werden, die noch verbliebenen „Hotspots der biologischen Vielfalt“ und die Ökosystemleistungen zu sichern. Weiterhin fordern die Umweltverbände, das geplante Biotopverbundsystem auf 10 Prozent der Landesfläche schnellstmöglich einzurichten und zu sichern. Zudem müsse das Ziel, fünf Prozent des Waldes insgesamt in Deutschland und zehn Prozent der öffentlichen Wälder in unbewirtschafteten Naturwald („Urwälder von morgen“) zu überführen, vorangetrieben werden. „Der Indikatorenbericht, der als Fortschrittsbericht geplant war, offenbart vor allem den Fortschritt beim Verlust“, kritisierte Hartmut Vogtmann, Präsident des DNR. „Die bisherigen Maßnahmen wirken nicht. Die Bewirtschaftung der Agrarlandschaft wird weiter intensiviert, mehr Flächen als geplant durch den Straßenbau versiegelt“, so Vogtmann weiter. Selbst bei der Waldzertifizierung und der Agrarnaturschutzförderung sei nur die Theorie des Indikatorenberichts gut, in der Praxis würden bedrohte Arten nicht wirksam geschützt. „Hier sind die Bundesländer in der Pflicht, ihre Spielräume zu nutzen, da sie für die Umsetzung der Maßnahmen verantwortlich sind“, so Vogtmann weiter. Am stärksten falle der fortschreitende Verlust von Artenvielfalt in der Agrarlandschaft ins Gewicht. 2015 sollte der von der Bundesregierung in der Strategie verankerte Zielwert für Bestandsgrößen von bestimmten Vogelarten zu 100 Prozent erreicht sein, jedoch sank der Wert auf derzeit nur 56 Prozent. Hierfür machen die Verbände vor allem die intensive industrielle Landnutzung verantwortlich. Nur eine nachhaltigere Landwirtschaft und der Ausbau des Ökolandbaus könnten dem noch entgegenwirken. Im Wald zeige sich zwar eine leichte Verbesserung der Strukturen, da jedoch die Messlatte durch schwache Standards wie PEFC niedrig sei, bleibe der messbare Erfolg weitgehend aus. Die Umweltverbände weisen auch darauf hin, dass ganze Indikatorengruppen unterschlagen würden: So fehlten ein für die Vielfalt im Meer dringend notwendiger Fischerei-Indikator sowie eine Analyse wirksamer Maßnahmen in der Landwirtschaft.

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Quelle: Indikatorenbericht 2014 zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt

Besonders deutlich verfehle der gemessene Wert des sogenannten Gesellschaftsindikators seine Zielvorgaben. Dieser zeigt an, wie sehr der Bevölkerung die Bedeutung der biologischen Vielfalt bewusst ist. Derzeit liegt dieser Wert mit 25 Prozent bei nur einem Drittel des Zielwertes. „Die Bundesregierung hat zwar theoretisch erkannt, dass der Wert der natürlichen Lebensgrundlagen auch in der Umweltbildung vermittelt werden muss“, sagte der Bundesgeschäftsführer der DUH, Sascha Müller-Kraenner. Der notwendige Dialog über den Stellenwert unserer natürlichen Lebensgrundlagen finde in der Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung jedoch kaum statt. „Die laufende UN-Dekade für biologische Vielfalt ist bei der großen Mehrheit der Bevölkerung noch überhaupt nicht angekommen“, resümierte Müller-Kraenner.

Der „Indikatorenbericht 2014 zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ als PDF zum Download.

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