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Süßwarenmesse – Nachhaltigkeit im Kakaosektor

Die diesjährige Süßwarenmesse und die parallel mit ihr stattfindende Zuliefermesse ProSweets Cologne sind beendet. Wenn es um Süßigkeiten geht, dann geht es zu einem großen Teil auch um Schokolade. So tagte während der Messe auch die Multi-Stakeholder-Initiative „Forum Nachhaltiger Kakao“ und auch TransFair war mit Kakao-Produzenten aus der Elfenbeinküste vor Ort.

Köln (csr-news) > Die diesjährige Süßwarenmesse und die parallel mit ihr stattfindende Zuliefermesse ProSweets Cologne sind beendet. Wenn es um Süßigkeiten geht, dann geht es zu einem großen Teil auch um Schokolade. So tagte während der Messe auch die Multi-Stakeholder-Initiative „Forum Nachhaltiger Kakao“ und auch TransFair war mit Kakao-Produzenten aus der Elfenbeinküste vor Ort.

Immer mehr in Deutschland verkaufte Schokolade stammt aus nachhaltigem Anbau. Konnte dies 2013 erst jedes neunte Schokoladenprodukt von sich behaupten, so war es im vergangenen Jahr schon jedes fünfte. Manche Unternehmen wie etwa Nestle haben bereits einige Produktbereiche vollständig auf Kakao aus nachhaltigem Anbau umgestellt. In 2014 hat der Konzern etwa 80.000 Tonnen nachhaltigen Kakao bezogen. Dennoch gibt es noch genügend Herausforderungen für die Branche. Dabei helfen soll das 2012 gegründete „Forum Nachhaltiger Kakao“, eine Multistakeholder-Initiative mit über 60 Akteuren aus Politik, Unternehmen, NGOs und Gewerkschaften. „Für Kakaobauern und ihre Familien muss es möglich sein, von ihrem Einkommen angemessen leben zu können. Die Herausforderungen sind jedoch vielschichtig und nicht einfach zu meistern. Sie erfordern die enge Zusammenarbeit zwischen allen wichtigen Akteuren im Kakaosektor, sowohl in den Erzeugerländern wie auch hier in Deutschland“ machte Wolf Kropp-Büttner, Vorstandsvorsitzender des Forums Nachhaltiger Kakao, deutlich. Eröffnet wurde die Tagung von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt: „Ich rufe alle Beteiligten dieses Forums dazu auf, sich weiterhin aktiv einzubringen. Ein erfolgreiches Forum Nachhaltiger Kakao ist die beste Werbung für die Übertragung dieser Organisationsidee auf andere Bereiche.“ Der Minister wiederholte das Angebot zur Zusammenarbeit mit den kakaoproduzierenden Ländern, vor allem auch in Hinblick auf das geplante Projekt PRO-PLANTEURS. Allein auf Produktivität zu setzen, würde jedoch nicht ausreichen, deshalb setzt das Forum auf ganzheitliche Ansätze und innovative Lösungen, um die Lebenssituation der Kakaobauern und ihrer Familien zu verbessern, wie etwa im Projekt PRO-PLANTEURS. Gemeinsam mit der ivorischen und der deutschen Regierung beginnt das Forum in diesem Jahr mit der Umsetzung des Projekts. Ziel ist es, 20.000 Kakaoproduzenten und ihre Organisationen in der Côte d’Ivoire zu professionalisieren. Ihr Einkommen soll gesteigert und die Ernährungs- und Lebenssituation insgesamt verbessert werden. Langfristiges Ziel ist es, den gesamten Kakaosektor nachhaltig zu gestalten. Um das zu erreichen, müssen insbesondere die Kakaobauern als wichtigstes und gleichzeitig schwächstes Glied in der Kette gefördert und die missbräuchliche Kinderarbeit beseitigt werden.

Mehr Fairtrade-Kakao in die Süßwaren-Wertschöpfungskette, fordert entsprechend TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath. „Das Fairtrade-Rohstoffprogramm ist gut angelaufen, jetzt müssen die Ankündigungen der Industrie, auf nachhaltigen Kakao zu setzen, noch stärker sichtbar werden“, sagte Overath. Gemeinsam mit Bamba Mamadou, Direktor der Kooperativen-Union Ecookim aus der Elfenbeinküste setzt er auf das Potenzial in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, Kooperativen wie Ecookim würden die Möglichkeiten zeigen. Ecookim ist ein Zusammenschluss von 23 Kooperativen mit insgesamt rund 12.000 Kleinbauern, die in ländlichen Kakao-Regionen in der Elfenbeinküste angesiedelt sind. Für ihre Absätze unter Fairtrade-Bedingungen erhält Ecookim eine Prämie, die zusätzlich zum Verkaufspreis für ihren Kakao gezahlt wird. „Die Mitglieder von Ecookim waren sich einig darüber, die Prämie in die Verbesserung von Produktivität und Qualität zu investieren“, berichtete Bamba Mamadou. Höhere Umsätze, mehr Realisierungschancen von Projekten – das erwarten die Bauern vom Fairen Handel. Partnerschaften auf Augenhöhe seien hier gefragt, sagte Anne Marie Yao, Fairtrade Beraterin in der Elfenbeinküste: „Eine unserer größten Herausforderungen ist es, Käufer zu finden, die bereit sind, die Kleinbauern langfristig zu unterstützen.“ Genau in diese Richtung entwickelt sich die Zusammenarbeit von Ecookim und Ferrero. „Dem Ziel, unsere Fairtrade-Absätze zu steigern, rücken wir durch das Kakaoprogramm einen Schritt näher“, erklärte Bamba Mamadou. „Dazu trägt insbesondere Ferrero als zuverlässiger Fairtrade-Kakao-Abnehmer bei“. Ferrero nimmt am Fairtrade-Kakaoprogramm teil und ist darin größter Einzelabnehmer. Statt ein spezifisches Endprodukt mit dem Fairtrade-Siegel zu zertifizieren, liegt der Schwerpunkt dieses Programms auf dem Rohstoffeinkauf. Durch das Rohstoff-Programm stieg der Einsatz von fairem Kakao von rund 1.000 Tonnen 2013 auf gut 6.000 Tonnen 2014. Über 300 Produkte wurden im ersten Jahr unter dem Kakao-Programm eingeführt. Insgesamt rechnet Overath mit einem weiter positiven Verlauf und betont, „das Engagement der Kooperativen muss entsprechend entlohnt und gefördert werden. Und es scheint positive Signale aus Handel und Industrie zu geben. Lidl, Kaufland und Rewe haben mit der Umstellung kakaohaltiger Eigenmarken auf Fairtrade-Kakao begonnen und die Confiserie Riegelein startete mit einem breiten Sortiment in die Weihnachts- und Ostersaison, Mars wird die Kakaomenge für Twix umstellen. Dieses neue Engagement und die Verkäufe über das klassische Produktsiegel steigerten den Einsatz von fair gehandeltem Kakao 2014 um das Sechsfache auf gut 6.000 Tonnen. Neben dem Kakao, der durch die Rohstoffprogramme eingesetzt wurde, entwickelt sich aber auch der Absatz von Fairtrade-zertifizierten Süßwaren ersten Hochrechnungen zufolge positiv: Gut 1.100 Tonnen Schokolade mit dem Siegel wurden 2014 verkauft, ein Plus von zehn Prozent. Bei Trinkschokoladen/Kakao waren es knapp 395 Tonnen, ein Plus von sechs Prozent.

Foto: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt beim Forum Nachhaltiger Kakao