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„SwissLeaks“: HSBC verwaltete Konten von Kriminellen

Das internationale Recherche-Netzwerk ICIJ berichtete, die HSBC habe in der Schweiz Schwarzgeld-Konten geführt und von Geschäften mit Waffenhändlern und Schmugglern profitiert.

London (afp) – Nach Enthüllungen fragwürdiger Geschäfte steht der Schweizer Zweig der britischen Großbank HSBC in der Kritik. Das internationale Recherche-Netzwerk ICIJ berichtete am Montag, die HSBC habe in der Schweiz Schwarzgeld-Konten geführt und von Geschäften mit Waffenhändlern und Schmugglern profitiert. In der Schweiz wurden Rufe nach Ermittlungen gegen das Kreditinstitut laut. Den deutschen Behörden liegen die Unterlagen bereits seit Jahren vor.

Wie das Recherche-Netzwerk mitteilte, legten internationale Kunden bei der Bank Milliardenbeträge an, offenbar viel als Schwarzgeld. Demnach flossen 2006 und 2007 rund 180 Milliarden Dollar (159 Milliarden Euro) über die Konten des Bankhauses, um Steuern zu hinterziehen, Geld zu waschen oder Terrorismus zu finanzieren. In den ausgewerteten Daten sind dem ICIJ zufolge mehr als 100.000 Kunden aus über 200 Ländern gelistet.

Die HSBC habe unter anderem von „Geschäften mit Waffenhändlern profitiert“, die Mörserbomben an Kindersoldaten in Afrika geschickt hätten, erklärte das Netzwerk. Andere kriminelle Partner seien „Schmuggler von Blutdiamanten“ und Terrorismus-Finanzierer gewesen.

Involviert in die dubiosen Geschäfte ist den Enthüllungen namens „SwissLeaks“ zufolge auch eine Reihe von amtierenden und früheren Politikern aus Großbritannien, Russland, Indien und aus afrikanischen Ländern sowie von Königshäusern arabischer Staaten. Zu den betroffenen Persönlichkeiten gehörten ein Cousin des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad sowie Verwandte des früheren ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak und des ehemaligen chinesischen Ministerpräsidenten Li Peng.

In der Liste tauchen auch die Namen von Topmodel Elle Macpherson und Designerin Diane von Fürstenberg auf. Von Fürstenberg gab gegenüber ICIJ an, die HSBC-Konten von ihren Eltern geerbt zu haben. Macpherson erklärte, sie habe sich an die Steuergesetze Großbritanniens gehalten.

„Diese Enthüllungen über historische Geschäftspraktiken erinnern uns daran, dass das alte Geschäftsmodell der Schweizer Banken nicht mehr akzeptabel ist“, teilte der Chef der Schweizer HSBC, Franco Morra, der Nachrichtenagentur AFP mit. Seit 2008 habe die Bank einen „radikalen Umbau“ vorgenommen, „um zu verhindern, dass ihr Service für Steuerhinterziehung oder Geldwäsche genutzt wird“. Neue Manager hätten Konten von Kunden geschlossen, „die nicht unseren hohen Standards entsprachen“, ergänzte Morra. Derzeit verwaltet die Bank rund 10.000 Konten, vor acht Jahren waren es noch 30.000.

Auch die Schweizerische Bankiervereinigung betonte, die berichteten Beispiele gehörten der Vergangenheit an. Schweizer Politiker forderten dennoch Ermittlungen. Die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens sei „das Mindeste“, sagte die frühere Außenministerin Micheline Calmy-Rey im Radiosender RTS. Der sozialdemokratische Abgeordnete Roger Nordmann verlangte ebenfalls ein Einschreiten der Ermittlungsbehörden.

Die „SwissLeaks“-Dokumente stammen von dem früheren HSBC-Mitarbeiter Hervé Falciani. Er hatte sie entwendet und 2009 an die französischen Steuerbehörden übergeben. Andere Länder, darunter Deutschland, bekamen Unterlagen, um ebenfalls zu ermitteln. Zugriff auf die Daten hatte auch die französische Zeitung „Le Monde“, die sie dem Recherche-Netzwerk zur Verfügung stellte.

Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums sagte, Frankreich habe die Daten 2010 an das Bundeszentralamt für Steuern übergeben. Die Daten seien „unverzüglich“ an die zuständigen Finanzbehörden weitergeleitet worden. Angaben zu Verfahren oder erzielten Steuermehreinnahmen durch die Dokumente konnte sie jedoch nicht machen.