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Keine Garantie für höhere Sozialstandards in der textilen Lieferkette

Die Durchsetzung verbesserter Sozialstandards in den Lieferländern der Textilindustrie ist ein komplexes Problem. Die Außenhandelsvereinigung des deutschen Einzelhandels (AVE) hat bei ihren Mitgliedern, allesamt in der Business Social Compliance Initiative (BSCI) vertreten, nach Gründen für die langsamen Fortschritte gefragt. Korruption in den Lieferländern ist demnach eines der Hauptprobleme. Höhere Preise sind nach Einschätzung der Unternehmen nicht geeignet um eine Verbesserung zu erreichen.

Köln (csr-news) > Die Durchsetzung verbesserter Sozialstandards in den Lieferländern der Textilindustrie ist ein komplexes Problem. Die Außenhandelsvereinigung des deutschen Einzelhandels (AVE) hat bei ihren Mitgliedern, allesamt in der Business Social Compliance Initiative (BSCI) vertreten, nach Gründen für die langsamen Fortschritte gefragt. Korruption in den Lieferländern ist demnach eines der Hauptprobleme. Höhere Preise sind nach Einschätzung der Unternehmen nicht geeignet um eine Verbesserung zu erreichen.

„In den letzten Jahren sind in den Lieferländern zunehmend bessere Gesetze zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen erlassen worden“, sagt AVE-Geschäftsführer Jens Nagel. „Allerdings werden diese Gesetze meist umgangen oder nicht durchgesetzt“. Nagel benennt damit eines der Hauptprobleme, die aus Sicht von Unternehmen wie Kaufhof, Puma, Otto, Tchibo, Lidl oder C&A bei der Durchsetzung höherer Sozialstandards in den Lieferländern bestehen. Es sind nämlich nicht fehlende Gesetze, die nennen nur 24 Prozent der 100 befragten Geschäftsführer, Einkäufer und CSR-Manager, sondern es mangelt nach Auffassung von 73 Prozent der Befragten an der Durchsetzung bestehender Gesetze. Vor allem die stark um sich greifende Korruption ist für zwei Drittel der Manager die Ursache dafür. Etwa die Hälfte der Befragten gibt zudem den hohen Preisdruck, sowohl in den Lieferländern als auch im deutschen Einzelhandel als weiteren Grund an. Außerdem wäre es schwierig die Lieferanten zu weiteren Zugeständnissen zu zwingen, weil diese immer genügend Abnehmer finden würden, die keine hohen Sozialstandards einfordern. Profitgier der Lieferanten sieht nur ein Viertel der Manager als ein bestehendes Problem. Entsprechend plädiert ein Großteil für eine bessere Überwachung und Durchsetzung der Gesetze. Gleichzeitig müsse die Korruption wirksamer bekämpft werden. 52 Prozent der Befragten sehen auch die intensivere Zusammenarbeit mit westlichen Unternehmen als wirksames Mittel zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Für weniger geeignet halten sie die Stärkung der lokalen Gewerkschaften sowie die Ausweitung eigener Audits.

Insgesamt sieht die Branche jedoch auch positive Entwicklungen. So gaben 93 Prozent an, dass sich das Bewusstsein der Lieferanten in Sachen Arbeitsbdingungen in den letzten Jahren verbessert habe. Die Frage allerdings, ob sie gute Sozialstandards in der Lieferkette hundertprozentig garantieren können, beantworten 87 Prozent der Manager mit einem klaren Nein. „Die Umfrage macht deutlich, dass die Verbesserung von Sozialstandards ein komplexes Problem ist, bei dem viele Akteure gefordert sind – Handel, Verbraucher und die Verantwortlichen vor Ort“, so Nagel. „Wirklich nachhaltige Fortschritte werden wir aber nur erzielen, wenn vor Ort ein Bewusstseinswandel stattfindet und die beschlossenen Gesetze auch tatsächlich durchgesetzt werden“. Nagel sind an diesem Punkt vor allem die Regierungen der Länder wie beispielsweise in China oder Bangladesch in der Verpflichtung.

Tatsächlich, so zeigt die Umfrage auch, ist die Einhaltung hoher sozialer Standards nur ein untergeordnetes Kriterium bei der Auswahl der Lieferanten. Qualität und Preis sind hierbei für die Manager das entscheidende Kriterium, gefolgt von Zuverlässigkeit. Nur 38 Prozent nennen Sozialstandards als wichtiges Auswahlkriterium. Auf die Frage, ob höhere Preise ein geeignetes Instrument zur Verbesserung der Sozialstandards sind, herrscht große Einigkeit. Mehr als 80 Prozent verneinen dies. 79 Prozent begründen dies damit, es sei nicht sichergestellt, dass das Geld auch tatsächlich zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen eingesetzt wird. Zudem glauben 71 Prozent, ihre Kunden würden höhere Preise nicht akzeptieren. Rund 40 Prozent halten höhere Preise für Massenprodukte für unrealistisch. Sie liessen sich nur für Nischenprodukte durchsetzen. Allerdings haben erst 17 Prozent einen entsprechenden Versuch in ihren Geschäften gestartet und sind damit beim Verbraucher auf Ablehnung gestoßen.