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CSR im Handwerk und in kleinen Betrieben (Teil1)

Der Mittelstand und seine zahlreichen kleinen Unternehmen gelten als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Mit ihren fast 16 Millionen Beschäftigen besitzen sie ein enormes Potenzial, um einen unternehmerischen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Die Organisation Verbraucher Initiative hat deshalb das CSR-Engagement von klein- und mittelständischen Betrieben aus „Friseurhandwerk“, „Kfz-Werkstätten“ und „Pflegedienstleistung“ untersucht. Dabei zeigte sich, das Potenzial wird bisher nur unzureichend genutzt. Teil 1: CSR im Friseurhandwerk.

Berlin (csr-news) > Der Mittelstand und seine zahlreichen kleinen Unternehmen gelten als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Mit ihren fast 16 Millionen Beschäftigen besitzen sie ein enormes Potenzial, um einen unternehmerischen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Die Organisation Verbraucher Initiative hat deshalb das CSR-Engagement von klein- und mittelständischen Betrieben aus „Friseurhandwerk“, „Kfz-Werkstätten“ und „Pflegedienstleistung“ untersucht. Dabei zeigte sich, das Potenzial wird bisher nur unzureichend genutzt. Teil 1: CSR im Friseurhandwerk.

Die Gründe für den Nachholbedarf beim Thema CSR sind unterschiedlich. Es fängt an mit Begrifflichkeiten, noch immer ist längst nicht allen Unternehmern und Handwerkern das Konzept von CSR bekannt, und noch im Jahr 2011 gaben mehr als die Hälfte der Befragten in einer Studie an, sich nicht mit nachhaltiger Unternehmensführung zu beschäftigen. Und oftmals werden erfolgreiche Maßnahmen verantwortungsvoller Unternehmensführung im eigenen Betrieb nicht als CSR wahrgenommen. Kunden sind neben Mitarbeitern die wichtigste Anspruchsgruppe kleinerer Unternehmen. Im Rahmen ihres Projekts hat die Verbraucher Initiative Interviews mit Branchenvertretern und Unternehmen aus dem Friseurhandwerk, dem KFZ-Gewerbe und dem Bereich der Pflegedienstleistung geführt und in allen drei Bereichen auch Kundenbefragungen durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in drei Branchendokumentationen zusammengefasst und um Praxisbeispiele sowie branchenspezifische Checklisten ergänzt.

CSR im Friseurhandwerk

Immerhin 7 Milliarden Euro werden jährlich in den rund 80.000 Friseursalons des Landes mit ihren knapp 175.000 Beschäftigten erwirtschaftet. Auch wenn sich in den vergangenen Jahren einige größere Ketten im Markt etablieren konnten, so überwiegen in der Branche kleine Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern. Zu den Branchenriesen gehört die Klier-Gruppe, die rund 900 Filialen unterhält, einen Großhandel für Friseurbedarf betreibt und eine eigene Haarpflegeserie anbietet. Durch den seit Jahren bestehenden Konkurrenz- und Preiskampf haben sich die Arbeitsbedingungen in der Branche rapide verschlechtert. Inzwischen gelten die Gehälter im Friseurgewerbe als die niedrigsten in Deutschland, zudem müssen die Angestellten häufig unbezahlte Überstunden leisten, haben keine Ruhezeiten oder müssen einen Mindestumsatz erbringen. Hauptthema der Branche ist deshalb momentan auch der Mindestlohn. Die Themen Nachhaltigkeit bzw. CSR werden von den Berufsverbänden bislang nicht adressiert. Vereinzelte Seminarangebote zu betrieblichen Gesundheitsthemen, die meist in Kooperation mit Krankenkassen durchgeführt werden, zeigen Ansätze verantwortlichen unternehmerischen Handelns. Dabei ist das Thema Nachhaltigkeit sowohl für Friseure als auch für Kunden interessant, wie ein Landesinnungsvertreter aus Niedersachsen im Rahmen der Untersuchung bestätigte. Vor allem das Thema Mitarbeitergewinnung ist für Friseurbetriebe relevant, denn der Beruf hat in den letzten Jahren deutlich an Ansehen und Attraktivität verloren. Durch nachhaltigeres Engagement könnte eine Imageaufwertung erreicht werden, die notwendig sei, heißt es in der Dokumentation.

Aber es gibt auch einzelne Akteure, die sich für eine nachhaltige Entwicklung in der Branche einsetzen. Ein Beispiel ist die Nachhaltigkeitsinitiative „Der faire Salon“. Ziel der 2009 gegründeten Initiative ist es unter anderem, gegen Lohndumping und unseriöse Praktiken bei Friseurbetrieben vorzugehen. Gründer René Krombholz beobachtet seit einigen Jahren die Entwicklung hin zu Luxussalons einerseits und Friseur-Discountern mit unfairen Geschäftspraktiken andererseits. Die Initiative betreibt eine gleichnamige Internetplattform, auf der Betriebe aufgenommen werden können, die bestimmte Mindeststandards erfüllen. Als Werte-Richtlinie für die Initiative gilt der Verhaltenskodex „Leitlinien für europäische Friseure“. Zudem soll „Der Faire Salon“ als Gütesiegel entsprechende Betriebe auszeichnen. Betriebe die der Initiative beitreten wollen, müssen sich dem „Ehrenkodex für das Friseurhandwerk in Europa“ anschließen und beispielsweise ihren Angestellten Tariflöhne bezahlen, für Weiterbildungen sorgen, entsprechend hochwertige Produkte verwenden und Schwarzarbeit ausschließen.

Eine weitere Initiative ist der Verein „Forum impulsgebender Friseure“, der sich ebenfalls für eine nachhaltigere Ausrichtung der Branche engagiert. Im Forum haben sich bislang bundesweit 100 Salons zusammengefunden, die sich vor allem für ökologische Verbesserungen einsetzen. Nach Auskunft der Initiatorin sei das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Branche in den letzten Jahren gewachsen. Dafür hätten auch Messen wie die „Green Salon“-Schau innerhalb der Messe „Hairworld – Hair and Beauty gesorgt. Auf der Messe tauschten sich Handwerk, Handel und Industrie aus der Friseur-Branche über die Förderung ökologisch basierter Produkte und Dienstleistungen aus. Insgesamt zeigen die Projektergebnisse, dass Nachhaltigkeit in der Friseurbranche noch keine gelebte Selbstverständlichkeit ist. Für die Zukunft könnten Kunden die Treiber für mehr Nachhaltigkeit sein. Bei der Kundenbefragung wurde zwar deutlich, dass vor allem der Preis zählt, Themen wie faire Behandlung der Mitarbeiter, ökologisch und gesundheitlich unbedenkliche Produkte sowie insgesamt ein ökologisches Bewusstsein der Betriebe stellt für die Kunden allerdings ein Qualitätsmerkmal dar. „Aus Nachhaltigkeitsperspektive ist in der Friseurbranche noch nicht ausreichend bekannt, dass nachhaltiges Engagement nicht nur einen gesellschaftlichen Mehrwert schafft, sondern betriebswirtschaftliche Vorteile bedeuten kann, den Kundenwünschen entgegenkommt und nicht zuletzt einen Beitrag zu einem besseren Image der gesamten Branche leistet“ so das Fazit der Verbraucher Initiative.

Dokumentation „Corporate Social Responsibility bei Friseurbetrieben“

 

Hier geht es zum zweiten Teil: CSR im Kfz-Gewerbe

Hier geht es zum dritten Teil: CSR bei Pflegediensten.

 

 

 

 

 

 

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