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Kündigung wegen Anzeigen-Einfluss: Journalist über fehlende HSBC-Berichterstattung seines Blatts empört

Scharfe Kritik des bisherigen Chefkommentators der britischen Tageszeitung „Daily Telegraph“ an der mangelnden Berichterstattung über die fragwürdigen Finanzpraktiken bei der Großbank HSBC hat am Mittwoch in Großbritannien hohe Wellen geschlagen. Der politische Chefkommentator Peter Oborne hatte am Vortag in einem längeren Internetbeitrag seine Kündigung öffentlich gemacht, die er bereits im Dezember wegen seiner Bedenken über den wachsenden Einfluss der Anzeigenabteilung auf journalistische Inhalte eingereicht habe.

London (afp) – Scharfe Kritik des bisherigen Chefkommentators der britischen Tageszeitung „Daily Telegraph“ an der mangelnden Berichterstattung über die fragwürdigen Finanzpraktiken bei der Großbank HSBC hat am Mittwoch in Großbritannien hohe Wellen geschlagen. Der politische Chefkommentator Peter Oborne hatte am Vortag in einem längeren Internetbeitrag seine Kündigung öffentlich gemacht, die er bereits im Dezember wegen seiner Bedenken über den wachsenden Einfluss der Anzeigenabteilung auf journalistische Inhalte eingereicht habe.

Von Dario Thuburn

Er habe sich zu diesem Schritt entschlossen, weil er das Verhalten seines Blatts zu den als „Swissleaks“ bekannten Enthüllungen als skandalös empfinde, schrieb er auf der Website openDemocracy. Darin warf er dem „Daily Telegraph“ vor, die Enthüllungen weitgehend unterschlagen zu haben. Während sie in der vergangenen Woche international für Schlagzeilen sorgten, „brauchte man ein Mikroskop“, um im Telegraph Berichte darüber zu finden, schrieb Oborne. Diese Berichterstattung komme einem „Betrug am Leser“ gleich.

Ein internationales Recherche-Netzwerk hatte am 9. Februar Schwarzgeld-Konten und Geschäfte mit Waffenhändlern und Schmugglern bei der Schweizer HSBC öffentlich gemacht. Den Recherchen zufolge half die Bank in der Vergangenheit weltweit zehntausenden Kunden, darunter bekannte Diktatoren und Kriminelle, rund 180 Milliarden Euro vor den Steuerbehörden zu verstecken.

Zu dem Recherchenetzwerk gehört auch die britische Zeitung „The Guardian“. Sie berichtete am Mittwoch, dass HSBC noch vor Veröffentlichung der Rechercheergebnisse ihre Anzeigen beim Mutterhaus, Guardian News and Media, ausgesetzt habe.

In den sozialen Netzwerken erhielt Oborne weitgehend Unterstützung für seine Kritik. Der „Daily Telegraph“ wies die Vorwürfe als „haltlosen Angriff“ zurück: Die Kritik sei voller „Andeutungen und Ungenauigkeiten“, die Zeitung habe stets penibel auf die Trennung zwischen Redaktion und Anzeigen geachtet.

Die Schweizer Filiale der HSBC hatte sich nach den Enthüllungen von den kritisierten Praktiken distanziert. Seit 2008 habe die Bank einen radikalen Umbau vorgenommen, um zu verhindern, dass ihr Service für Steuerhinterziehung oder Geldwäsche genutzt werde, erklärte der Chef der Schweizer HSBC, Franco Morra. Neue Manager hätten die Geschäftspraktiken grundlegend überarbeitet und Konten von zweifelhaften Kunden geschlossen. Zu den Vorwürfen Obornes wollte sich die HSBC zunächst nicht äußern.

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