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Klimabilanz: Wir brauchen mutigere Veränderungen

Warum kommen Unternehmen ausweislich des CDP-Berichts trotz allem Klimaengagement bei der Vermeidung des Treibhausgasausstoßes nur minimal voran? Und wie vergleichbar sind die Klimabilanzen von Unternehmen? CSR NEWS sprach darüber mit Hannah Herrmann, Beraterin bei B.A.U.M. Consult.

Hamm (csr-news) – Warum kommen Unternehmen ausweislich des CDP-Berichts trotz allem Klimaengagement bei der Vermeidung des Treibhausgasausstoßes nur minimal voran? Und wie vergleichbar sind die Klimabilanzen von Unternehmen? CSR NEWS sprach darüber mit Hannah Herrmann, Beraterin bei B.A.U.M. Consult.

Frau Herrmann, wie vergleichbar sind die Klimabilanzen von Unternehmen? Sind da nicht unterschiedliche Definitionen – gerade bei Scope 2 und 3 – ein Problem?

Hannah Herrmann: Es gibt eine Reihe von Bedingungen, die erfüllt sein müssen um betriebliche Klimabilanzen zu vergleichen. 2 seien an dieser Stelle genannt:
Zum einen sollten die Bilanzen nach einem einheitlichen Standard erstellt werden. Dazu bietet sich der Greenhouse Gas (GHG) Protocol Corporate Standard an. Dieser setzt einheitliche Anforderungen an die Erstellung einer betrieblichen Klimabilanz. Scope 1 und 2 sind als Mindestumfang abzudecken. Das umfasst in der Regel Wärme- und Stromversorgung am Standort sowie Treibstoffverbräuche. Die Ermittlung von vor- und nachgelagerten Emissionen (Scope 3) aus Abfall, Mitarbeiteran- und -abreise, Materialien, Transporten sowie der Vorkette der Energieerzeugung, etc. ist freiwillig und wird sehr unterschiedlich von den Unternehmen durchgeführt. Bei einem Vergleich sollte genau geprüft werden, welche Emissionsbereiche jeweils abgedeckt wurden, sonst vergleichen Sie Äpfel mit Birnen.

Daneben ist es schwierig, absolute CO2-Emissionen für Vergleiche heranzuziehen, da die Größe des Unternehmens immer unterschiedlich ist. Sinnvoller wäre der Vergleich von Kennzahlen (z.B. t CO2/ t € Umsatz oder t CO2/ Mitarbeiter). Auch hier kann es Unterschiede in der Definition geben. Emissionen pro Mitarbeiter können sich sowohl auf die tatsächlichen Köpfe oder Vollzeitstunden beziehen.

Neben den genannten Aspekten gibt es weitere Einflussfaktoren. In der Summe ist daher ein Vergleich sehr schwierig und jeweils vom Einzelfall abhängig. Daher empfehle ich das Instrument Carbon Footprint in erster Linie intern zu nutzen. Prozesse durch die CO2 – Brille zu betrachten erweitert den Blick und sorgt für neue Impulse.

Was ist aussagekräftiger: Eine Klimabilanz auf Unternehmens- oder auf Produktebene?

Weder noch, da ein anderer Ansatz zugrunde liegt. Damit bieten die Instrumente auch unterschiedliche Ansatzpunkte für Verbesserungen:

Betriebliche Klimabilanzen geben standort- oder unternehmensbezogen Auskunft über die betriebliche Effizienz und eröffnen beispielsweise Fragen rund um die Themen Abfallmanagement und Geschäftsreisen. Die Referenzgröße wird vom Unternehmen selbst definiert. Über eine solche Kennzahl kann die Entwicklung der Emissionen als Teil des Managementsystems beobachtet und gesteuert werden.

Produktbezogene Bilanzen beziehen sich bereits auf eine festgelegte Referenzgröße. Bei der Ermittlung wird die Wertschöpfungskette eines Produktes ausgehend von Vormaterialien über Transportprozesse und die Produktion bis zur Nutzung und Entsorgung beleuchtet (Cradle to Grave). Der Prozess wird hinsichtlich der CO2-Emissionen transparent, das schafft Ansatzpunkte für Verbesserungen.

Warum kommen Unternehmen ausweislich des CDP-Berichts trotz allem Klimaengagement bei der Vermeidung des Treibhausgasausstoßes nur minimal voran?

Weil nicht grundlegend umgedacht wird. Bei CO2-Einsparmaßnahmen werden in der Regel Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz durchgeführt. Meist ist da noch die ein oder andere kWh einzusparen, aber der Spielraum ist begrenzt. Was wir brauchen sind mutigere Veränderungen. Strom aus erneuerbaren Energien direkt am Standort, ein Wechsel von Öl auf Holzhackschnitzel oder Pellets für die Wärmeversorgung, Fahrzeuge mit neuen Antriebstechnologien, neue Produktdesigns, etc.

Gibt es Lösungen auch für kleinere Unternehmen, ihre Klimabilanz zu erfassen und zu berichten?

Ja. Die Anwendbarkeit des Standards für KMU wird von verschiedenen Initiativen aufgegriffen. Der WWF hat gemeinsam mit dem CDP das Projekt klimareporting.de auf die Beine gestellt. Ziel war es, einen Leitfaden speziell für KMU zu konzipieren und in einer Pilotphase zu testen. Wichtig ist, dass nicht nach der Berechnung einer Klimabilanz Halt gemacht wird. Der Mehrwert für Unternehmen entsteht erst durch die Arbeit mit den Ergebnissen im Sinne einer Klimastrategie. Ich empfehle in einer Startbilanz Scope 1 und 2 Emissionen aufzunehmen und diese je nach Relevanz um Scope 3-Emissionsbereiche zu erweitern. Eine Software kann für die Datensammlung und -konsolidierung wertvoll sein, hier gilt es, sorgfältig die eigenen Bedürfnisse mit den Angeboten abzugleichen.

Vielen Dank!