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Nachhaltige Textilien: Öffentliche Ausschreibungen kein Vorbild

Das Thema „nachhaltige Textilien“ wird noch immer stiefmütterlich behandelt, sagt Ralf Hellmann. Der Geschäftsführer von Dibella, einem Anbieter von Textilien im B2B-Sektor, hat mit anderen Unternehmern gemeinsam den Verband MaxTex gegründet. CSR NEWS fragte den Unternehmer danach, wie er den nachhaltigen Textilsektor voranbringen will und was die Politik dazu beisteuern könnte.

Bocholt (csr-news) – Das Thema „nachhaltige Textilien“ wird noch immer stiefmütterlich behandelt, sagt Ralf Hellmann. Der Geschäftsführer von Dibella, einem Anbieter von Textilien im B2B-Sektor, hat mit anderen Unternehmern gemeinsam den Verband MaxTex gegründet. CSR NEWS fragte den Unternehmer danach, wie er den nachhaltigen Textilsektor voranbringen will und was die Politik dazu beisteuern könnte.

Sie sind als Anbieter nachhaltiger Textilien im B2B-Bereich tätig. Wie weit oben auf der Agenda stehen Nachhaltigkeitsthemen auf der Agenda professioneller Einkäufer?

Ralf Hellmann: Das Bewusstsein für Mensch und Umwelt, die ökonomischen, ökologischen und sozialen Zusammenhänge unseres Handelns, ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Die Endverbraucher fordern zunehmend nachhaltig einwandfreie Produkte und Dienstleistungen. Unsere Kunden, die im B2B-Geschäft zwischengeschaltet sind, setzen verstärkt auf nachhaltige Lösungen in allen ihren Prozessen. Gleichwohl stellen wir fest, dass das Thema nachhaltiger Textilien noch immer stiefmütterlich behandelt wird. Hier wird die Verantwortung noch weitestgehend beim Hersteller gesehen, der unbedenkliche Textilien kostenneutral liefern soll, was natürlich noch nicht möglich ist. Das Verständnis wächst jedoch: Vor allem in Holland, Österreich und der Schweiz werden aktiv nachhaltige Textilien von uns gefordert. Zu beklagen ist, dass die öffentliche Hand zwar lautstark den Einkauf nach sozialen und ökologischen Gesichtspunkten propagiert, aber nicht danach handelt. In Ausschreibungen wird als oberstes und entscheidendes Kriterium – trotz aller anderslautender Bekundungen – weiter allein der Preis definiert und die Kosten des Lebenszyklus werden generell außer acht gelassen.

Gemeinsam mit anderen haben Sie einen neuen Verein gegründet – MaxTex. Warum braucht es diesen neuen Zusammenschluss?

MaxTex unterstützt die Interessen nachhaltig handelnder Unternehmen im Bereich textiler Produktion und textiler Dienstleistungen. Bei den Unternehmen sollen in allen Stufen der Wertschöpfung im Herstellungsprozess von Textilien eine nachweisbar umwelt- und sozialgerechte Produktion durchgesetzt werden. Der Anteil nachhaltiger textiler Produkte im Markt soll sich dadurch stetig steigern. MaxTex hilft seinen Mitgliedern, bei den Kunden und Endverbrauchern die Akzeptanz nachhaltig produzierter Textilien und umwelt- und sozialverträglicher Dienstleistungen zu verbessern. Indem sie mit dem konkreten Nutzen und einem überzeugenden Preis-/Leistungsverhältnis argumentieren -ohne mit erhobenem Zeigefinger und abgenutzten ökologischen Argumenten daherzukommen.

Wie gewinnen Sie in Ihrem eigenen Unternehmen Mitarbeiter dafür, nachhaltig zu denken und zu handeln?

Nachhaltiges Denken und Handeln ist ein Selbstzweck. Kein schlichtes Marketingmodul, um zusätzliches Geschäft zu generieren. Diese Haltung müssen die Mitarbeiter verinnerlichen und das fängt bei der Geschäftsführung an. Nachhaltigkeit muss als menschliche Grundhaltung gelebt und vorgelebt werden. Wir haben bei Dibella unser Unternehmen komplett hinterfragt und gemäß den Nachhaltigkeitskriterien umgestaltet. Das fängt bei Fragen der Produktion, der Energie und des Verbrauchs an und geht schließlich hin bis zum richtigen Verhalten rund um den Arbeitsplatz, etwa der An- und Abfahrt, möglichst mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Es sind viele kleine Bausteine, die dazu beitragen. Ein Belohnungssystem für bestimmte nachhaltige Verhaltensweisen hilft überdies. Im Ergebnis: Alle müssen mitziehen – top-down!

Was würde Nachhaltigkeit im Textilsektor voranbringen? Politische Steuerung, mehr Nachhaltigkeitsbildung, eine veränderte Kundennachfrage – oder müssen es die Unternehmer selbst richten?

Politische Steuerung ist richtig und wichtig, aber schwer. Gerade in der Textil- und Bekleidungsindustrie haben wir es mit globalen Zusammenhängen zu tun, die sich international nur ganz bedingt politisch von Deutschland aus steuern lassen. National betrachtet kann die Politik sehr, sehr viel mehr Anreize setzen, als sie dies gegenwärtig macht, um nachhaltiges Wirtschaften bei Unternehmen oder in der öffentlichen Hand, aber auch in privaten Haushalten, zu fördern. Wie angesprochen, sollte z. B. die öffentliche Beschaffung konsequenter auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Steuerliche Vorteile helfen, der Abbau von bürokratischen Hemmnissen bei der Umsetzung nachhaltiger Lösungen hilft, mehr Flexibilität ist vonnöten.

Und insgesamt muss in der Gesellschaft das Bewusstsein gefördert werde, dass Jeder dazu beitragen kann und muss. Noch fehlt uns in Deutschland in weiten Teilen dieser Grundkonsens, weil uns viele Entscheidungen seitens Politik und Verwaltung schlicht abgenommen werden.

Wir als Unternehmen Dibella gehen gegenüber unseren Kunden und der Gesellschaft aktiv in Vorlage und fördern Nachhaltigkeit überall, auch wenn es uns (noch) nicht in gewünschter Weise goutiert wird. Wir müssen einfach einen langen Atem haben.

Vielen Dank!

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