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CSR NEWS briefly vom 26.02.15

Tagesaktuelle Ereignisse und Themen rund um die gesellschaftliche Unternehmensverantwortung:

Tagesaktuelle Ereignisse und Themen rund um die gesellschaftliche Unternehmensverantwortung:

McDonald’s wird Steuerflucht in Milliardenhöhe in EU vorgeworfen

Paris (afp) > Die Imbisskette McDonald’s soll den EU-Staaten durch Steuertricks mehr als eine Milliarde Euro vorenthalten haben. Der Fast-Food-Riese habe durch sogenannte Steueroptimierung zwischen 2009 und 2013 Zahlungen von 1,05 Milliarden Euro vermieden, erklärten drei internationale Gewerkschaftsverbände am Mittwochabend. So habe McDonald’s Einnahmen in Höhe von 3,7 Milliarden Euro über seine Luxemburger Holding McDonald’s Europe Franchising laufen lassen. Diese habe in Luxemburg in dem fünfjährigen Zeitraum nur 16 Millionen Euro Steuern gezahlt. Von diesen Finanzmanövern sei vor allem der französische Fiskus betroffen gewesen, erklärten die Gewerkschaftsverbände. Ihm seien zwischen 386 und 714 Millionen Euro Steuereinnahmen entgangen. Die Verbände riefen die EU-Kommission und die nationalen Steuerbehörden dazu auf, das Finanzgebahren von McDonald’s genau unter die Lupe zu nehmen und die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen.

McDonald’s Europe erklärte in einer Stellungnahme, es würden alle geltenden Gesetze eingehalten, einschließlich derjenigen zu der Frage, wo Steuern gezahlt werden müssen. McDonald’s zahle außerdem nicht nur Steuern auf seinen Gewinn, sondern auch Sozialabgaben und Immobiliensteuern. Internationale Konzerne nutzen immer wieder Schlupflöcher in den nationalen Steuersystemen, um Steuern zu sparen. Unter anderem verlagern sie ihre Gewinne in Länder mit niedrigen Steuersätzen. Wegen solcher Praktiken standen unter anderem der iPhone-Hersteller Apple und die Kaffeehaus-Kette Starbucks in der Kritik.

Die EU-Kommission erklärte am Mittwoch, „der Kampf gegen Steuerflucht und Steueroptimierung“ habe „absolute Priorität“. Sie verwies auf ihre offiziellen Ermittlungen zu den Steuersystemen in Luxemburg, Irland, Belgien und den Niederlanden. Den vier Staaten wird vorgeworfen, Großkonzernen Steuererleichterungen einzuräumen – auf Kosten der anderen EU-Staaten. Ergebnisse der Ermittlungen zu Luxemburg, Irland und den Niederlanden sollen im zweiten Quartal dieses Jahres vorgestellt werden.

In Österreich wurde der „Schandfleck des Jahres“ verliehen

Wien (csr-news) > Das Netzwerk Soziale Verantwortung (NeSoVe) verleiht in Österreich jedes Jahr den „Schandfleck des Jahres“ an Unternehmen, Organisationen, Institutionen oder Einzelpersonen, die auf besondere Weise durch unverantwortliches Handeln aufgefallen sind. Der Schmähpreis wird als Jury- und als Publikumspreis vergeben. Für den Publikumspreis konnte einen Monat lang per Internet über die sechs Nominierten IKEA, Samsung, Plachutta, Eterna, Jean-Claude Juncker und Henry am Zug abgestimmt werden. Mit 34 Prozent der abgegebenen Stimmen war das Ergebnis eindeutig: Henry am Zug Ungarn, der Cateringservice in den Zügen des ÖBB. Dass viele Angestellte von Henry am Zug Ungarn u.a. auch auf österreichischen Strecken arbeiten, aber mit rund 500 Euro pro Monat zu ungarischen Konditionen entlohnt werden. hat viele Menschen empört. Heinz Högelsberger von der Gewerkschaft vida begründete die Nominierung wie folgt: „Wer dachte, dass Sozialdumping im Verborgenen passiert, wird bei der ungarischen „Henry am Zug“ eines Besseren belehrt: Hier findet Diskriminierung in aller Öffentlichkeit vor den Augen der Fahrgäste statt. Er appellierte an das Unternehmen, den Schmähpreis zum Anlass zu nehmen und zukünftig gleiche und faire Gehälter zu zahlen.

Den „Schandfleck des Jahres“-Jurypreis erhielt Jean-Claude Juncker. „Der „Parade-Europäer“ Jean-Claude Juncker hat in seiner Amtszeit als luxemburgischer Regierungschefs das Land zur wichtigsten Steueroase der EU ausgebaut. Ob transnationale Konzerne, vermögende Einzelpersonen oder Investmentfonds – Luxemburg bietet für sie alle Lösungen zur Steuervermeidung oder Steuerhinterziehung an und ist somit der Prototyp einer Steueroase.“, erklärt David Walch von Attac Österreich. Franz Fiala vom Verbraucherrat und Vorsitzender des Netzwerks begründet die Jury-Entscheidung so: „Juncker ist nicht nur der politisch verantwortliche Architekt der Steueroase Luxemburg, welche die Gemeinschaft um ihre Steuereinnahmen prellt, sondern ist auch eine Symbolfigur für das Europa der Konzerne, für Sozial- und Demokratieabbau sowie Regulierungsverhinderung im Interesse von Kapital und Profit. Für Leute wie ihn sollte es keinen Platz in der EU Führung geben, schon gar nicht den des Präsidenten der europäischen Kommission“

Zum Hintergrund der Initiative Schandfleck des Jahres erläutert Stefan Grasgruber-Kerl von der NGO Südwind und stellvertrender Vorsitzender von NeSoVe: „Uns ist wichtig zu betonen, dass der Schandfleck des Jahres ein politischer Preis ist. Wir wollen eine ernsthafte Debatte darüber führen, wie wir eine sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Gesellschaft schaffen können. Unabdingbar ist dabei eine stärkere Regulierung in den Bereichen ArbeitnehmerInnen- und Menschenrechte, Ökologie und soziale Verantwortung: Nur eine Gesellschaft, in der Mindeststandards in diesen Bereichen durch gesetzliche Regelungen garantiert werden, kann sich guten Gewissens sozial gerecht und nachhaltig nennen. Die Initiative Schandfleck des Jahres richtet sich somit auch an politische Entscheidungsträger mit der Forderung, durch Gesetze und Verordnungen die Grundlage für eine bessere Gesellschaft zu schaffen.“

Textilsiegel „Grüner Knopf“ ist online

Berlin (csr-news) > In der gestrigen Sitzung des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller den Startschuss für das Textilsiegel „Grüner Knopf“ gegeben. Mit dem Textilsiegel erhalten Verbraucher in Zukunft die Möglichkeit, direkt zu vergleichen, ob ein Kleidungsstück zu fairen Bedingungen produziert worden ist; dazu zählen soziale Standards wie gerechte Löhne und humane Arbeitsbedingungen. Für die Unternehmen die fair produzieren, ergeben sich daraus auch Qualitäts- und Wettbewerbsvorteile gegenüber den Wettbewerbern, die nicht fair produzieren. Bisher gehören dem Siegel 59 Teilnehmer aus Wirtschaft und Verbraucherverbänden an. Entwicklungsminister Gerd Müller, der das umstrittene Bündnis initiierte, rechnet in den nächsten Monaten mit weiteren Teilnehmern. Das Textilsiegel im Internet.

Finalisten des Deutschen CSR-Preises 2015 stehen fest

Stuttgart (csr-news) > Der Deutsche CSR-Preis wird auch in diesem Jahr in sechs Kategorien vergeben, jede mit einer eigenen Jury ausgestattet. Diese haben nun ihre Finalisten bekannt gegeben. Wolfgang Scheunemann, Initiator des Deutschen CSR-Forums und des Deutschen CSR-Preises, freut sich über die Einreichungen: „Die Bewerbungen zeigen, dass gesellschaftliche Verantwortung auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit Leben gefüllt werden kann. Es sind vielfach ganz hervorragende und kreative Bewerbungen eingereicht worden, die ermutigende Beispiele für eine zukunftsfähige Welt darstellen.“

Die Finalisten des Deutschen CSR-Preises 2015 sind:

Kategorie „CO2-Vermeidung als Beitrag zum Klimaschutz“

  •    Commerzbank AG, Frankfurt
  •    ista Deutschland GmbH, Essen
  •    Kyocera GmbH, Meerbusch

Kategorie „Gender Diversity“

  •    Hilfswerk-Siedlung GmbH, Berlin
  •    TÜV Rheinland GmbH, Köln

Kategorie „Vorbildliche Kooperation eines Unternehmens mit NGOs/NPOs“

  •    A GmbH & Co. KG, Düsseldorf
  •    Edeka Zentrale AG & Co. KG, Hamburg
  •    Trumpf GmbH + Co. KG, Ditzingen

Kategorie „CSR in der Lieferkette“

  •    Besco Berliner Steincontor GmbH, Berlin
  •    Deutsche Telekom AG, Bonn
  •    Märkisches Landbrot GmbH, Berlin

Kategorie „Nachhaltige und zukunftsfähige Stadtentwicklung“

  •    Stadt Delitzsch
  •    Stadt Wiesloch

Kategorie „Bestes Video zum CSR-Engagement eines Unternehmens“

  •    Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, Bonn
  •    Knorr-Bremse AG, München
  •    Upstalsboom Hotel + Freizeit GmbH & Co. KG, Emden

 

Mangelnde Konfliktkultur in den Unternehmen

München (csr-news) > In zwei von drei Unternehmen wird über die Fehler von Vorgesetzten in den meisten Fällen der Mantel des Schweigens gelegt. In jeder vierten Firma sind die Missgriffe der Chefs sogar ein absolutes Tabuthema. In deutschen Betrieben wird damit offener über familiäre oder gesundheitliche Probleme geredet als über die Fehlleistungen der Führungskräfte. Das sind Ergebnisse der Studie „Einfluss des HR-Managements auf den Unternehmenserfolg“ der Personalberatung Rochus Mummert. Dazu wurden HR-Führungskräfte sowie 1.000 Arbeitnehmer befragt. „Da sich die meisten Konflikte in Unternehmen an Fehlern entzünden, muss es erlaubt sein, auch die der Chefs zu thematisieren“, sagt Hans Schlipat, Studienleiter und Managing Partner der Rochus-Mummert-Gruppe. „Am besten von den Top-Führungskräften selbst. Denn das Schaffen einer offenen und konstruktiven Konfliktkultur funktioniert nur, wenn es von ganz oben vorgelebt wird“, so Schlipat weiter. Laut der aktuellen Rochus-Mummert-Studie haben die Vorstandsvorsitzenden oder Vorsitzenden der Geschäftsführung den mit deutlichem Abstand größten Einfluss auf die Leitkultur ihres Unternehmens. Wie die Studie weiter zeigt, wird in deutschen Büros und Werkhallen nur noch über das Thema Gehalt weniger offen gesprochen: Drei von vier Arbeitnehmern sagen, dass der Lohnzettel in ihrem Arbeitsalltag ein Tabuthema ist. Über familiäre und gesundheitliche Probleme kann hingegen immerhin in rund 40 Prozent der Firmen ohne Angst vor Sanktionen kommuniziert werden. „Die Vorbildfunktion der obersten Führungsebene ist essenziell, um einen kulturellen Wandel in einem Unternehmen zu bewirken“, sagt Personalberater Schlipat. Unternehmen, den dieser Wandel gelingt, profitieren zudem auch wirtschaftlich. So zeichnen sich laut der Studie ertragsstarke Unternehmen dadurch aus, dass Konflikte nicht tabuisiert und gemeinsame Überzeugungen durchgängig in allen Hierarchien gelebt werden. „Die auf diese Art ausgedrückte Wertschätzung durch Vorgesetzte ist über alle Hierarchien hinweg der größte Motivator – und dazu noch völlig kostenlos“, so Schlipat.

Religionsgemeinschaften und Naturschutzvertreter vereinbaren Zusammenarbeit

Bonn (csr-news) > Die Vertreter von neun verschiedenen Religionsgemeinschaften haben sich im Bundesamt für Naturschutz zu einer Verantwortung zum Schutz der Natur und der biologischen Vielfalt bekannt. Damit ging das zweitägige Dialogforum „Religionen und Naturschutz“ erfolgreich zu Ende. Die Teilnehmer zeigten sich begeistert von der großen Übereinstimmung im Gedankengut in Bezug auf Natur und Umwelt in den unterschiedlichen Religionsgemeinschaften und wollen zukünftig enger zusammenarbeiten. Im Kern einigten sie sich auf vier Eckpunkte, die die Grundlage für die weitere Zusammenarbeit bilden sollen:

  •    Im Anschluss an den jährlichen Ökumenischen Tag der Schöpfung am ersten Freitag im September soll gemeinsam an einer religiösen Woche gearbeitet werden, in der Themen des Naturschutzes und der biologischen Vielfalt im Zentrum stehen.
  •    Freiflächen um Gebäude wie Synagogen, Tempel, Kirchen, Moscheen oder Friedhöfe sollen noch stärker als bisher Orte der biologischen Vielfalt werden. Das gilt auch für die in zahlreichen Städten entstehenden Interkulturellen Gärten.
  •    Für Gemeinden, Schulen und andere Bildungseinrichtungen sollen Interreligiöse Teams für Natur und biologische Vielfalt gebildet werden, die angesichts unterschiedlicher religiöser Traditionen die gemeinsamen Aufgaben bei der Erhaltung und Bewahrung der Natur darstellen und erörtern.
  •    Es soll ein Netzwerk der Religionen für den Naturschutz aufgebaut werden.

Vor allem die Bildung dieses Netzwerkes wurde von den Anwesenden als wichtiger Schritt für die künftige Zusammenarbeit angesehen. Das Dialogforum vereinbarte, auf Basis der Gespräche eine Erklärung zu formulieren, die dann von hochrangigen Vertretern der Religionsgemeinschaften sowie Naturschutzakteuren unterzeichnet werden soll. Damit wurde eine Projektgruppe beauftragt, die umgehend die Arbeit aufnehmen wird. Das Forum befasste sich ausgiebig mit der Bedeutung von Natur und biologischer Vielfalt in den verschiedenen Religionen, die in einer großen Bandbreite vertreten waren: Sikh, Muslime, Juden, Hinduisten, Eziden, Christen, Buddhisten, Bahai und Aleviten nahmen an der Veranstaltung teil.