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Studie: Einfluss der Gewerkschaften gestiegen

München (afp) > Der Einfluss der Gewerkschaften ist in Deutschland einem Bericht zufolge deutlich gestiegen. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert in ihrer Dienstagsausgabe aus einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), das darin von einem „Comeback der Gewerkschaften“ spricht. Es sei den Vertretungen in den vergangenen Jahren gelungen, „aus dem politischen Abseits herauszutreten, in das sie sich mit ihrer Opposition gegen die Agenda 2010 selbst hineinmanövriert hatten“. Die Studie soll am Mittwoch vorgestellt werden.

Die Forscher werteten dem Bericht zufolge die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (Allbus) aus, in der alle zwei Jahre mehr als 3000 Menschen in Deutschland zu ihren Einstellungen und Verhaltensweisen befragt werden. Demnach stieg zum Einen die Zahl der berufstätigen Gewerkschaftsmitglieder: Vor neun Jahren waren 18 Prozent der Beschäftigten in Deutschland Mitglied in einer Gewerkschaft, bis 2012 stieg dieser Wert auf 20,6 Prozent.

Zum Anderen sehen die Forscher die Finanzkrise vor sechs Jahren als Grund für den gestiegenen Einfluss der Gewerkschaften. So hätten in der Einigung auf Konjunkturprogramme Gewerkschaften und Parteien während der Krise wieder zueinander gefunden. Es folgte die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns, der vor allem ein Projekt des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) war. „Das Zusammenrücken hat sich vor allem für die Gewerkschaften gelohnt“, zitierte die Zeitung aus der Studie.

Das IW konstatierte zudem, dass Frauen häufiger in wachsenden Branchen wie Gesundheit und Erziehung arbeiteten, jedoch seltener als Männer in Gewerkschaften einträten. Auch Jüngere treten demnach seltener ein als Ältere. „Ohne das Erschließen neuer Berufsgruppen“ könnten die Gewerkschaften jedoch nicht repräsentativ sein, schreiben die Autoren der „SZ“ zufolge.