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Tierhaltungskennzeichnung bei Frischfleisch

Das Land Baden-Württemberg setzt sich dafür ein, europaweit eine Tierhaltungskennzeichnung bei Frischfleisch verpflichtend einzuführen – vergleichbar mit der Kennzeichnungspflicht bei Eiern.

Berlin (csr-news) – Das Land Baden-Württemberg setzt sich dafür ein, europaweit eine Tierhaltungskennzeichnung bei Frischfleisch verpflichtend einzuführen – vergleichbar mit der Kennzeichnungspflicht bei Eiern. „Aktuell lassen sich höhere Standards nur am Biosiegel sowie sehr begrenzten freiwilligen Labels und Markenfleischprogrammen erkennen“, sagte Baden-Württembergs Verbraucherminister Alexander Bonde einer Podiumsdiskussion am 26. Februar in Berlin. „Gerade beim konventionellen Fleisch gibt es jedoch enorme Unterschiede in der Tierhaltung, die man bisher nicht am Produkt erkennen kann.“ Bereits im vergangenen Herbst hatte Baden-Württemberg auf der Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern in Potsdam den Vorschlag gemacht, sich an den Kennzeichnungsregeln von Eiern zu orientieren.

Die Tierhaltungskennzeichnung soll es Verbrauchern ermöglichen, auch beim Frischfleisch bewusste Kaufentscheidungen zu treffen, so der Minister. Außerdem würden Tierhalter für höhere Standards wie tierfreundlichere Ställe oder Weidegang zurzeit nicht angemessen vergütet. Bonde hält es für wichtig, ein einfaches Kennzeichnungssystem zu entwickeln: So solle es „mehr Differenzierung als die bereits heute mögliche Wahl zwischen ,bio‘ und ,konventionell‘, aber auch kein überfrachtetes und damit schwer verständliches System“ geben.

Seit 2005 müssen Konsumeier innerhalb der Europäischen Union gekennzeichnet werden: Anhand eines Codes auf den Eiern können Verbraucher die Haltungsform der Hennen erkennen. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft kauften deutsche Verbraucher 2013 im Vergleich zu 2010 etwa 30 Prozent mehr Eier aus ökologischer Erzeugung. Dennoch kauften sie mit rund 61 Prozent am häufigsten Eier aus Bodenhaltung – danach folgen Eier aus Freilandhaltung mit rund 24 Prozent und Eier aus ökologischer Erzeugung mit rund 9 Prozent. Derzeit diskutiert eine Arbeitsgruppe im Auftrag der Agrarministerkonferenz unter dem Vorsitz Baden-Württembergs darüber, wie eine ähnliche Kennzeichnungspflicht für Frischfleisch umgesetzt werden kann.

Der Tierschutzverband Provieh begrüßte den Vorstoß des baden-württembergischen Landesministeriums. Die Einführung einer Tierhaltungskennzeichnung könne dem Preisverfall bei Fleischprodukten entgegenwirken, so der Verband in einer Pressemitteilung. Laut Vorstandsmitglied Volker Kwade könnte die Kennzeichnung darüber hinaus „in Zukunft schrittweise Verbesserungen der Haltungssysteme herbeiführen“.

Mit dem Thema „Tierschutz“ beschäftigt sich auch die März-Ausgabe des CSR MAGAZIN: www.csr-magazin.net