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RSPO, POIG, FONAP und ISCC: Wie Palmölproduzenten von Zertifikaten profitieren

Die Nachhaltigkeitszertifizierung wird sich bei Palmölbauern in Indonesien und Malaysia nur durchsetzen, wenn sie selbst davon profitieren. „Die Zertifizierung liegt in westlichem Interesse“, sagt Daniel May, Palmölexperte der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ). „Aber eine nachhaltige Produktion liegt im Interesse der Bauern.“

Bonn (csr-news) – Die Nachhaltigkeitszertifizierung wird sich bei Palmölbauern in Indonesien und Malaysia nur durchsetzen, wenn sie selbst davon profitieren. „Die Zertifizierung liegt in westlichem Interesse“, sagt Daniel May, Palmölexperte der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ). „Aber eine nachhaltige Produktion liegt im Interesse der Bauern.“

Schulungen in nachhaltigem Anbau vermitteln den Anbauern vertiefte Kenntnisse im Farmmanagement: den Einsatz von Düngemitteln, den richtigen Erntezeitpunkt und die Verhinderung von Bodenerosionen. Dieses Wissen führe zu deutlich gesteigerten Flächenerträgen und reduzierten Kosten.

Manches, was selbstverständlich scheint, ist es nicht: Dass etwa Pestizide nicht im Küchenregal, sondern in einem abgeschlossenen Raum gelagert werden. In den Palmölanbaugebieten kenne jeder Bauer ein Familienmitglied oder einen Nachbarn, der unter den Folgen einer Verwechslung leide, berichtet May.

Abholzungen: Druck von zwei Seiten

Ein knappes Drittel des auf dem Weltmarkt gehandelten Palmöls wird auf Kleinfarmen gewonnen. Deren Eigentümer profitieren von Schulungen besonders. Es sind aber auch Kleinbauern, die – insbesondere in Indonesien – gesetzwidrig Regenwald abholzen und durch ihre Plantage ersetzen.

Im Fokus der öffentlichen Diskussion über Urwaldzerstörung stehen insbesondere die großen Unternehmen, die damit Drück von zwei Seiten ausgesetzt sind: Sie haben von der indonesischen Regierung Lizenzen für Rodungen zum Aufbau neuer Palmölplantagen erhalten. Nutzen sie ihre Lizenzen dann nicht sofort, sondern prüfen erst, ob die betroffenen Flächen erhaltenswert sind, droht der Staat seinerseits mit Lizenzentzug. Roden sie sofort und vollständig, protestieren NGOs weltweit dagegen.

Globales Thema der Zivilgesellschaft

Es sind insbesondere europäische NGOs, die den Palmölsektor sachkundig beobachten und gegen Urwaldabbau öffentlichkeitswirksam protestieren. „Aber auch in Australien und Neuseeland ist die Zivilgesellschaft hoch sensibilisiert und in Amerika wird das Thema zunehmend wichtig“, sagt May. In China und Indien – zwei Großabnehmern von Palmöl – steht die Diskussion über nachhaltiges Palmöl noch ganz am Anfang. „Aber auch das kommt“, sagt May.

RSPO, POIG, FONAP und ISCC

Die Vielzahl der Palmölinitiativen, Standards und Zertifikate ist verwirrend. Einige zentrale Akteure und ihre Unterschiede: Der 2004 gegründete Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) ist die umfassendste Initiative, die zu einem nachhaltigen Palmölanbau und insbesondere zum Erhalt der Urwälder beitragen will. Ob die dort vereinbarten Kriterien für diese Ziele ausreichen, darüber sind Experten uneins. Palmölerzeuger können eine erste Fläche auditieren lassen und erhalten das RSPO-Zertifikat, wenn sie einen ambitionierten Zeitplan für die Zertifizierung aller weiteren Flächen vorlegen. Der RSPO veröffentlicht seine Audits.

Das International Sustainability and Carbon Certification (ISCC)-System legt ähnliche Standards wie der RSPO zugrunde. Es werden aber nicht die Hersteller, sondern konkrete Flächen zertifiziert – und die ISCC-Audits werden nicht veröffentlicht.

RSPO-Mitglieder – Palmölerzeuger -, denen die Standards des RSPO nicht weit genug gehen, gründeten 2013 die Palm Oil Innovation Group (POIG). Deren Standards sehen etwa auch den Schutz besonders wertvoller Torfmoore vor. „Damit gehen erstmals Palmöl-Grower über die Standards des RSPOs freiwillig hinaus, was auf Produzentenseite einigen Aufruhr verursacht hat“, sagt May. Allerdings seien überwiegend kleinere Erzeuger POIG-Mitglieder.

Das Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) wurde ebenfalls 2013 gegründet. Die in Deutschland entstandene Initiative wendet sich an Unternehmen und NGOs aus Deutschland, der Schweiz und Österreich und erreicht insbesondere Mittelständler. Die Kriterien, auf die sich FONAP-Mitglieder verpflichten, entsprechen in etwa denen der POIG.

Pestizideinsatz, Arbeitsschutz und Mindestlohn

Die enormen Urwaldzerstörungen durch den Ölpalmenanbau stehen im Vordergrund der aktuellen Diskussion, jedoch spielen im Zusammenhang mit nachhaltigem Palmöl auch andere Aspekte eine Rolle:

Für die Themen Arbeitsschutz und Pestizideinsatz sind die großen Unternehmen sensibilisiert. Ihre Herausforderung besteht darin, entsprechende Regelungen für alle Arbeiter verbindlich zu machen. So reizt das heiße Wetter Erntearbeiter dazu, auf das Tragen eines Helms zu verzichten – womit sie sich einem höheren Risiko aussetzen, von herabfallenden Nüssen am Kopf verletzt zu werden. Bei Kleinbauern kommt es immer wieder vor, dass Pestizide in Getränkeflaschen im Haus aufbewahrt – und dann versehentlich geschluckt werden. Bei den Kleinbauern gab es jüngst auch Diskussionen über den Mindestlohn. Sie beschäftigen saisonabhängig Erntehelfer und bezahlen diese nach Kilogramm. Bei einer Umrechnung auf die dafür erforderliche Zeit ergab sich, dass die Erntehelfer nicht auf einen Mindestlohn kamen.

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