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Bei G7 nachhaltige Lieferketten vereinbaren

Der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza vor zwei Jahren hat die Probleme internationaler Wertschöpfungsketten deutlich ins Bewusstsein von Produzenten aber auch Konsumenten gerückt. Heute sind Unternehmen und ihre Beschäftigten Teil weltweiter Lieferketten. Daraus entstehen Verpflichtungen für die Einhaltung gültiger Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards. Die Bundesregierung will ihre diesjährige G7-Präsidentschaft dazu nutzen, die Voraussetzungen für weltweit gute Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Berlin (csr-news) > Der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza vor zwei Jahren hat die Probleme internationaler Wertschöpfungsketten deutlich ins Bewusstsein von Produzenten aber auch Konsumenten gerückt. Heute sind Unternehmen und ihre Beschäftigten Teil weltweiter Lieferketten. Daraus entstehen Verpflichtungen für die Einhaltung gültiger Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards. Die Bundesregierung will ihre diesjährige G7-Präsidentschaft dazu nutzen, die Voraussetzungen für weltweit gute Arbeitsbedingungen zu schaffen.

88 Tage bevor sich die Regierungschefs der G7-Staaten auf Schloss Elmau beraten, haben Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles und Bundesentwicklungsminister Gerd Müller ihr Zukunftspapier mit dem Titel „Gute Arbeit weltweit“ vorgestellt. Anlass ist eine zweitägige Konferenz, auf der die von beiden Ministerien getragene Initiative „Standards in Lieferketten“ offiziell gestartet ist. Im Rahmen der Initiative beraten Vertreter von Regierungen, Unternehmen, Sozialpartnern, internationalen Organisationen und Zivilgesellschaft Vorschläge zur Umsetzung von Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards in globalen Lieferketten. Gerd Müller: „Wir haben als Industrienationen die Möglichkeit, die globalen Produktionsabläufe zu beeinflussen. Wenn wir Hungerlöhne in Textilfabriken, Kinderarbeit, Müllhalden voll Elektronikschrott, vergiftete Flüsse als Folge unseres Konsumhungers nicht wollen, müssen wir einen fairen Handel politisch gestalten. Dafür gibt es viele Hebel. Deutschland hat das Thema auf die G7-Agenda gestellt, denn zusammen haben unsere Länder die Marktmacht und damit auch die Verantwortung, die Ausbeutung von Mensch und Natur zu beenden.“ In ihrem Zukunftspapier beschreiben die beiden Minister die aktuellen Herausforderungen und heben die Verantwortung der Industrie- und Produktionsländer, aber auch von Unternehmen und Konsumenten hervor. Andrea Nahles: „Allein durch Arbeitsunfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen entsteht weltweit ein Schaden von 2,8 Billionen US-Dollar pro Jahr. Dies entspricht vier Prozent des globalen BIP. Das können und dürfen wir uns nicht leisten. Menschenwürdige Arbeitsbedingungen müssen überall und weltweit gelten. Deshalb suchen wir den Dialog mit allen Beteiligten, aus Produktionsländern und aus Abnehmerländern, um gemeinsam mit ganz konkreten Maßnahmen dafür zu sorgen, den international verbindlichen Arbeits- und Sozialstandards weltweit mehr Geltung zu verschaffen.“ Müller und Nahles sehen vor allem zwei Dimensionen, in den sie entscheidende Verbesserungen erreichen wollen. Dies ist zum einen eine menschenwürdige Arbeit und zum anderen sind dies nachhaltige Produktionsverfahren. Dabei soll beispielsweise die Frage beantwortet werden, wie muss Arbeit gestaltet sein, damit sie al menschenwürdig anzusehen ist. Und, was bedeutet dies neben ökologischen Aspekten für die Produktionsverfahren. Wirtschaftliche Entwicklung darf nicht zwangläufig mehr Ressourcenverbrauch oder höhere Emissionen bedeuten, genauso wenig wie Kinderarbeit, Zwangsarbeit oder Diskriminierung am Arbeitsplatz. Wenn es nach der Bundesregierung geht, dann sollen zwischen den G7-Ländern ganz konkrete Umsetzungsschritte vereinbart werden, mit denen sich die Bedingungen in den weltweiten Lieferketten verbessern lassen.

Beispielsweise sollten Herstellerländer gemeinsam beraten, wie man Betriebsfeuerwehren einführt oder über die Förderung von Arbeitsinspektoren. Denkbar wäre die Einführung eines globalen Präventionsfonds „Vision Zero Fund“, mit dem Ziel, die Zahl der Opfer von Arbeitsunfällen weltweit soweit wie möglich zu reduzieren, indem beispielsweise Brandschutzmaßnahmen gefördert werden, Trainingsmaßnahmen angeboten werden oder den Aufbau von Unfallversicherungen. Aber es sollen auch Bündnisse aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Gewerkschaften gebildet werden, um die zur Umsetzung vereinbarter Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards in allen G7-Ländern zu fördern. KMU müssten Unterstützung erhalten damit auch sie entlang ihrer Wertschöpfungsketten in der Lage sind Verantwortung zu übernehmen. Durch die Schaffung von Beschwerdemechanismen und Schlichtungsverfahren werden Beschäftigte in die Lage versetzt, sich gegen Verstöße der Arbeitsnormen zu wehren. Insgesamt würden sich dadurch auch die Standards verbessern. Am Ende muss auch der Verbraucher mitspielen, deshalb muss mehr Transparenz dafür sorgen, dass ihnen auch nachhaltiger Konsum ermöglicht wird.

Das Zukunftspapier „Gute Arbeit weltweit“  zum Download.