Nachrichten

Eon vor Radikalumbau: Energieriese macht 2014 Rekordverlust

Der Energieriese Eon ist so tief in die roten Zahlen gerutscht wie noch kein börsennotierter deutscher Versorger zuvor: Eon musste im vergangenen Jahr einen Verlust von 3,16 Milliarden Euro verbuchen, wie aus dem am Mittwoch vorgelegten Geschäftsbericht hervorgeht. Verantwortlich seien vor allem „Wertberichtigungen“, überwiegend aus dem Kraftwerksgeschäft im europäischen Ausland. 2014 sei „kein einfaches Jahr“ gewesen, gestand Konzernchef Johannes Teyssen.

Frankfurt/Main (afp) – Der Energieriese Eon ist so tief in die roten Zahlen gerutscht wie noch kein börsennotierter deutscher Versorger zuvor: Eon musste im vergangenen Jahr einen Verlust von 3,16 Milliarden Euro verbuchen, wie aus dem am Mittwoch vorgelegten Geschäftsbericht hervorgeht. Verantwortlich seien vor allem „Wertberichtigungen“, überwiegend aus dem Kraftwerksgeschäft im europäischen Ausland. 2014 sei „kein einfaches Jahr“ gewesen, gestand Konzernchef Johannes Teyssen.

Von Michael Rebmann

Finanzvorstand Klaus Schäfer zeigte trotz des Rekordverlusts mit dem zurückliegenden Geschäftsjahr zufrieden. In einem „schwierigen Umfeld“, geprägt durch den Einbruch des Ölpreises, die Abwertung des Rubels und wärmsten Temperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, hätten die Geschäfte sich im Rahmen der Erwartungen entwickelt. Als Folge der schwierigen Rahmenbedingungen sei Eons Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebitda) 2014 zurückgegangen. Er sank um neun Prozent auf 8,34 Milliarden Euro.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Finanzchef weiterhin mit einer „angespannten Lage in Europa“. Neben Rubel und Ölpreis würden die niedrigen Strompreise sich belastend auswirken. Für 2015 rechnet Schäfer mit einem weiteren Rückgang des Ebditda auf einen Wert zwischen sieben und 7,6 Milliarden Euro.

Eon steht vor einem Radikalumbau: Im Dezember 2014 gab der Konzern bekannt, als Konsequenz aus der Energiewende sein klassisches Geschäft, die konventionelle Energiegewinnung aus Atom, Kohle und Gas, in eine neue Gesellschaft auszulagern. Stattdessen soll sich die Kernmarke des Konzerns auf die Sparten erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen konzentrieren. Mittelfristig will Eon die konventionelle Energiegewinnung ganz abstoßen und seine Anteile an der neuen Gesellschaft verkaufen.

Die Vorbereitungen für die Aufspaltung, die nächstes Jahr umgesetzt werden soll, sind laut Teyssen in vollem Gange. „Wir sind uns der Größe der Aufgabe bewusst“, sagte der Eon-Chef. Details zu den neuen Gesellschaften gab Eon am Mittwoch aber nicht bekannt. Teyssen trat einzig Spekulationen entgegen, dass eine der Gesellschaften künftig ihren Sitz in Berlin haben könnte. Beide sollen demnach im Rhein-Ruhr-Gebiet angesiedelt werden. Im zweiten Quartal 2015 will sich der Konzern genauer dazu äußern.

Ob Eon als Seitenhieb auf die Politik und die nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima beschleunigte Energiewende seine Jahreszahlen absichtlich am vierten Jahrestag der Tragödie veröffentlichte, blieb am Mittwoch unbeantwortet. Nach Einschätzung Teyssens hat sich Eon nach dem Unglück 2011 aber „vernünftig verhalten“. Entscheidungen zum Abschalten von Atomkraftwerken seien „rechtlich nicht belastbar“, weshalb Eon auch vor Gericht Ausgleichszahlungen erstreiten wolle. „Wir wollen nicht irgendetwas im Wege stehen“, sagte Teyssen mit Blick auf die Energiewende, aber Eon sei auch „kein Spender der Veranstaltung“.

Eon hatte bereits im Zuge der Energiewende nach der Atomkatastrophe 2011 rote Zahlen geschrieben. Damals schlug sich ein Minus von 2,2 Milliarden Euro zu Buche. Den bisherigen Negativrekord beim Nettoergebnis hatte 2013 der Konkurrent RWE mit einem Minus von 2,8 Milliarden Euro aufgestellt. RWE hatte bereits am Dienstag seine Jahreszahlen vorgelegt und für 2014 einen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro verzeichnet. 2013 hatte Eon noch einen Gewinn in Höhe von 2,09 Milliarden Euro gemacht.

Das ändert sich bei Eon

Deutschlands größtes Energieunternehmen Eon richtet sich radikal neu aus. Das bisherige Geschäftsmodell ist laut Eon-Chef Johannes Teyssen den Herausforderungen der Energiemärkte von heute nicht mehr gewachsen. Deshalb gab der Vorstand im Dezember 2014 bekannt, den Konzern aufzuspalten. Im zweiten Quartal 2015 will Eon Details bekannt geben.

Was hat Eon vor?

Eon plant, sein einstiges Kerngeschäft, die konventionelle Energiegewinnung aus Atom, Kohle und Gas, in eine neue Gesellschaft auszulagern. Stattdessen soll sich die Kernmarke des Konzerns auf die Sparten erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen konzentrieren. Mittelfristig will Eon die konventionelle Energiegewinnung ganz abstoßen und seine Anteile an der neuen Gesellschaft verkaufen.

Teyssen reagiert nach eigenen Angaben auf die neuen Bedingungen im Energiemarkt. Die Abspaltung sei eine „konsequent unternehmerische Antwort auf die Veränderungen in den Energiemärkten“, sagte Teyssen am Mittwoch nach der Bekanntgabe der Jahresbilanz 2014. Im Dezember hatte der Eon-Chef erklärt, dass Verbraucher mehr und mehr nachhaltige Energie fordern würden und sie zum Teil auch selbst produzieren. Hierfür wolle Eon in Zukunft Lösungen finden.

Warum will Eon sein einstiges Kerngeschäft loswerden?

Der schwer angeschlagene Energiegigant reagiert mit der Spaltung auf den Preissturz bei Großhandelspreisen für Strom. Aufgrund von Überkapazitäten an Kraftwerken und des Ausbaus der erneuerbaren Energien sind die Strompreise seit Anfang 2013 drastisch gefallen.

Zudem lasten auf dem Dax-Konzern insgesamt Schulden in Höhe von 33 Milliarden Euro. Unter anderem erwiesen sich Zukäufe in Südeuropa als Milliardengrab. 2014 machte der Energieriese einen Rekordverlust von 3,16 Milliarden Euro.

Plant Eon eine Atom-„Bad-Bank“?

Kritiker befürchten, dass Eon mit der Aufspaltung einen profitablen und einen unprofitablen Geschäftsbereich schafft. Letzterer würde die konventionelle Energiegewinnung beinhalten. Die Bezeichnung spielt auf die Strategie einiger Banken nach der Finanzkrise an, die ihre problematischen Geschäfte in eine „Bad Bank“ auslagerten und dafür zum Teil Staatshilfen in Anspruch nahmen. Ähnliches könnte den Steuerzahlern für den Rückbau von Eons Atomkraftwerken und die Entsorgung des Atommülls drohen, befürchten Kritiker.

Teyssen widersprach diesen Ängsten am Mittwoch erneut energisch. Die neue Gesellschaft sei „solide finanziert“, sagte der Eon-Chef. Zuvor hatte er bereits erklärt, dass Eon mit rund 14,5 Milliarden Euro die höchsten Rückstellungen aller Energiekonzerne habe, die komplett auf die neue Gesellschaft übergehen würden.

Kostet die Konzern-Spaltung Arbeitsplätze?

Für die Eon-Beschäftigten sei die Spaltung zwar eine „Zäsur“, doch sie werde keine Arbeitsplätze kosten, sondern perspektivisch neue Jobs sichern, hieß es im Dezember. Bislang hat Eon nichts anderes verlauten lassen. Künftig sollen rund 20.000 Beschäftigte für die neue Gesellschaft arbeiten. Im Zuge des Sparprogramms „Eon 2.0“ hat der Konzern allerdings viele Jobs abgebaut. Alleine in diesem Jahr sollen 1500 Mitarbeiter „sozial verträglich“ ausscheiden.

Wo wird die neue Gesellschaft sitzen und wer übernimmt ihre Leitung?

Wo genau die neue Gesellschaft angesiedelt werden soll, steht noch nicht fest. Sicher ist aber, dass die Zentrale in der Region Rhein-Ruhr stehen soll, wie Teyssen am Mittwoch bekräftigte. Auch wer das Unternehmen in Zukunft führen werde, sei noch nicht bekannt.

Hinterlassen Sie einen Kommentar