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Opfer von Fabrikbrand in Pakistan fordern Schadenersatz von Kik

Rund zweieinhalb Jahre nach einem verheerender Brand in einer pakistanischen Fabrik ziehen vier Betroffene in Deutschland gegen den Textildiscounter Kik vor Gericht.

Dortmund (afp) – Rund zweieinhalb Jahre nach einem verheerender Brand in einer pakistanischen Fabrik ziehen vier Betroffene in Deutschland gegen den Textildiscounter Kik vor Gericht. Das Landgericht Dortmund bestätigte am Freitag den Eingang einer Schadenersatzklage, die nun in einem ersten Schritt zunächst der Gegenseite für eine Stellungnahme zugeleitet wird. Kik hatte die Vorwürfe bereits im Vorfeld energisch zurückgewiesen. „Ungeachtet der Frage, ob die Klage juristisch zulässig ist, begrüßen wir es grundsätzlich, wenn dieser hochkomplexe Sachverhalt von einer objektiven Instanz faktenbasiert beleuchtet und aufgeklärt wird“, kommentierte Kik auf Nachfrage von CSR-NEWS den Vorgang. Kik setzt darauf, dass vor allem die neusten Ermittlungsergebnisse pakistanischer Behörden entsprechend berücksichtigt werden.

Hintergrund ist ein verheerendes Großfeuer in einer Textilfabrik des pakistanischen Unternehmens Ali Enterprises in Karachi, in der unter anderem Jeans für Kik produziert wurden. Dabei starben 2012 nach Angaben der Menschenrechtsorganisationen ECCHR und Medico International 260 Menschen. Zusammen mit ähnlichen Fabrikkatastrophen etwa in Bangladesch hatte der Brand das Thema der prekären Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie auf die Tagesordnung gebracht. Westliche Konzerne gerieten öffentlich unter Druck.

In einem Zivilprozess wollen die Kläger, bei denen es sich nach Angaben von ECCHR und Medico International um einen damals verletzten 26-jährigen Arbeiter sowie drei Hinterbliebene von Todesopfern im Alter zwischen 49 und 62 Jahren handelt, nun Schmerzensgeld von je 30.000 Euro erstreiten.

Zugleich sei ihre Klage aber auch „ein Signal gegen die Politik der Straflosigkeit“ international tätiger Unternehmen, erklärte Thomas Seibert, Südostasienkoordinator von Medico. Diese seien für die Arbeitsbedingungen bei Zulieferern vor Ort verantwortlich. Kik habe den Opfern bisher außerdem lediglich „Almosen“ angeboten.

Der im nordrhein-westfälischen Bönen ansässige Konzern hatte diesen Angaben bereits am Donnerstag vehement widersprochen. Er habe den Opfern des Brands bereits eine Million US-Dollar (aktuell etwa 940.000 Euro) Soforthilfe ausgezahlt und sei darüber hinaus zur Zahlung weiterer „Langzeitentschädigungen“ bereit.

Die Gespräche darüber seien mit Opfervertretern vor Ort „intensiv“ geführt worden, erklärte Kik. Diese hätten von ihm unterbreiteten Vorschlag allerdings abgelehnt, eine „angemessene Entschädigung“ auf Basis einer für derartige Fälle geschaffenen Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) vorzunehmen. Außerdem fehle leider „die erforderliche Transparenz über die Verwendung der bereits hergestellten Gelder“.

Kik wies zugleich erneut eine Mitschuld an dem Brand zurück. Die Ermittlungen der pakistanischen Behörden deuteten inzwischen darauf hin, dass es sich um einen Brandanschlag gehandelt habe, der im Zusammenhang mit Schutzgeldzahlungen stehe, führte das Unternehmen aus. Notausgänge seien außerdem „absichtlich“ blockiert worden. Unabhängig von der Schuldfrage fühle es als Unternehmen aber eine „moralische Verantwortung“.

ECCHR und Medico erklärten, bei dem Brand seien die Opfer erstickt und verbrannt, weil Fenster vergittert und die Notausgänge verschlossen gewesen seien. Die von den Betroffenen gegründete Selbstorganisation habe das in den Verhandlungen von Kik unterbreitete Angebot als „inakzeptabel“ abgelehnt und stellvertretend die vier Kläger für einen Prozess in Deutschland bestimmt.

Deren Angaben zufolge bot der Konzern den Geschädigten eine Zahlung von „zunächst“ 1000 US-Dollar an, wollte sich in den Gesprächen aber nicht auf konkrete Summen für die langfristige Entschädigung festlegen und auch keine „rechtliche Verantwortung“ für die Toten und Verletzten übernehmen. „Die Betroffenen fordern, dass Kik sich endlich der Verantwortung für seine ausländischen Zulieferbetriebe stellt“, erklärten die Organisationen.

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