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Telekom: Nachhaltige Lieferketten im Schulterschluss mit Einkauf, Zulieferern und der Branche

„Nachhaltige Lieferketten lassen sich nur im Schulterschluss mit dem Einkauf verwirklichen“, sagt Birgit Klesper, die den Bereich Group Transformational Change und Corporate Responsibility bei der Deutschen Telekom leitet. CSR NEWS sprach mit ihr über das nachhaltige Supply Chain Management, das „Together for Sustainability“-Programm, die unternehmensübergreifende Joint Audit Cooperation und die Situation von Wanderarbeitern. Das Lieferkettenmanagement ist Schwerpunktthema in der Märzausgabe des CSR MAGAZIN.

Bonn (csr-news) – „Nachhaltige Lieferketten lassen sich nur im Schulterschluss mit dem Einkauf verwirklichen“, sagt Birgit Klesper, die den Bereich Group Transformational Change und Corporate Responsibility bei der Deutschen Telekom leitet. CSR NEWS sprach mit ihr über das nachhaltige Supply Chain Management, das „Together for Sustainability“-Programm, die unternehmensübergreifende Joint Audit Cooperation und die Situation von Wanderarbeitern. Das Lieferkettenmanagement ist Schwerpunktthema in der Märzausgabe des CSR MAGAZIN.

Die Mitarbeiter im Einkauf der Deutschen Telekom bewegen ein jährliches Volumen von über 20 Milliarden Euro. Etwa 30.000 Lieferanten stellen dem Telekommunikationskonzern nicht nur Elektronikprodukte, sondern ebenso Papier, Textilien, Glühbirnen sowie Agenturleistungen zur Verfügung. „Welche Kriterien sind heute wichtig für den Einkauf?“, fragt Klesper und gibt die Antwort selbst: „Preis, Qualität und dass ein Produkt pünktlich von A nach B kommt.“ Nachhaltigkeit ist ein Punkt, der zukünftig als separates Element gewichtet Einfluss auf die Entscheidungsfindung haben soll.

Konzentration auf die wichtigsten Lieferanten

Eine CR-Klausel ist seit 2013 fester Bestandteil der Allgemeinen Einkaufsbedingungen der Telekom und ihre Zulieferer verpflichten sich auf eine Sozial-Charta. Um überhaupt Lieferant werden zu können, muss zunächst ein Standardfragebogen zu CR-Fragen beantwortet werden. Darüber hinaus gibt es ein deutlich umfangreicheres Selbstauskunftssystem für aktive Lieferanten. Die Analyse- Ergebnisse fließen in ein Ranking ein, das die Zulieferer nach einem Ampelsystem mit den Bewertungen grün, gelb oder rot belegt. Ausgewertet wird der Fragebogen von den Einkäufern, die dafür unter anderem ein Trainings- und Schulungsprogramm durchlaufen haben. Zudem ist der Einkauf in der Sustainable Supply Chain Working Group ein wichtiger Partner.

Auch anhand der Fragebogenergebnisse entscheidet die Telekom, welche Auftragnehmer einem Audit unterzogen werden. „Alle kleinen Lieferanten zu auditieren, das schaffen wir nicht“, sagt Klesper. „Deshalb konzentrieren wir uns auf die 120 bis 150 Wichtigsten.“ Das sind die großen Zulieferer ab einem jährlichen Lieferumfang von 100.000 Euro, mit denen der Konzern 80 Prozent seines Einkaufsvolumens abwickelt, und die aufgrund ihrer regionalen Herkunft, der Warengruppe oder der Fragebogenergebnisse als Risikolieferanten eingestuften Unternehmen.

Bei den Telekom-Audits kommen eigene Mitarbeiter und externe Dienstleister zum Einsatz. Der Konzern setzt auf langfristige Einkaufsbeziehungen und die Weiterentwicklung seiner Zulieferer. Bei den Audits festgestellte Mängel werden deshalb in einem „Corrective Action Plan“ erfasst, dessen Umsetzung in regelmäßigen Kontakten mit den Betroffenen begleitet wird. „Und bei der Nichteinhaltung der Verbesserungspläne gibt es einen Eskalationsprozess“, erläutert Klesper. Die Verbesserung von Arbeits- und Lebensbedingungen braucht Zeit. „Es gibt aber Verstöße mit Null-Toleranz, etwa Frauenversklavung oder Kinderarbeit“, stellt Klesper klar.

Die Telekom legt Wert darauf, dass Unternehmen ihre Vorlieferanten in das Nachhaltigkeitsmanagement einbeziehen. Dazu hat der Bereich CR einen Workshop entwickelt, zu dem Lieferanten ihre eigenen Zulieferer einladen. „Viele von denen haben noch nie einen „Endkunden“ wie die Telekom gesehen oder sich gar mit ihm und seinen Anforderungen persönlich ausgetauscht “, sagt Klesper und ergänzt: „Man braucht für nachhaltiges Lieferantenmanagement einen langen Atem.“ Manchen Zulieferern, vorallem in Schwellenländern, müsse man immer wieder erläutern, warum ein nachhaltiges Wirtschaften wichtig sei.

Wanderarbeiter unterstützen und Produktion steigern

Wie stark bei dieser Überzeugungsarbeit wirtschaftliche Argumente zählen, erlebt die Telekom bei den Teilnehmern an ihrem Lieferantenentwicklungsprogramm „Together for Sustainability“. In dieses Programm investiert der Konzern Zeit und Geld und bringt eigene sowie externe Experten ein, die vor Ort bei den Zulieferern Mitarbeitergespräche führen und Teamleiter schulen. Trotzdem hat es eine Weile gedauert, bis sich die ersten Freiwilligen meldeten. Denn die Teilnahme bedeutet auch, einem Kunden Einblicke in die eigenen Unternehmensabläufe zu geben. „Dieses Wissen nutzen wir später nicht für unsere Einkaufsverhandlungen“, so Klesper. Bis zum Jahresende werden sieben Lieferanten das einjährige Programm durchlaufen haben und zu den Themen Arbeitssicherheit, Arbeitsschutz und Personalwesen geschult sein.

Erste Erfahrungen zeigen, dass Zulieferer im Rahmen dieses Programms ihre Effizienz steigern und Kosteneinsparungen verwirklichen konnten – durch verantwortungsvolles Wirtschaften. Ein Beispiel:

Chinesische Fabriken sind auf Wanderarbeiter angewiesen, von denen viele nach dem Heimaturlaub während des chinesischen Neujahrsfestes nicht an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Unter den ICT-Zulieferern ist ein Wettbewerb um Mitarbeiter entbrannt, viele Arbeiter wechseln für ein leichtes Lohnplus den Arbeitgeber. Für Unternehmen bringt das einen hohen Aufwand für Neueinstellungen und die Einarbeitung der neuen Kräfte mit sich – und ein um Wochen verzögertes Wiederanlaufen der Produktion. Teilnehmer des „Together for Sustainability“ Programms haben in die Verbesserung von Arbeitsbedingungen und Mitarbeiterunterkünften investiert. Dazu gehören Maßnahmen wie ansprechendere Schlafstätten, kostenfreie Nutzung von Wäschereien, W-Lan, Sorgentelefone, Englischkurse, Betriebssport oder ein Speiseangebot in den Kantinen, das sich an den regionalen Besonderheiten (Vorlieben?) der Wanderarbeiter orientiert. Erreicht haben sie damit auch eine erheblich höhere Rückkehrerqoute nach dem Neujahrsfest und eine um die Hälfte verkürzte Wiederanlaufphase in ihrer Produktion.

„Personalentwicklung und das soziale Umfeld sind gerade im Blick auf die Wanderarbeiter große Herausforderungen für chinesische Unternehmen“, sagt Klesper. Die in der Regel 16- bis 30-Jährigen Frauen und Männer leben auf den Fabrikgeländen – in den großen Unternehmen zu Hunderttausenden und manchmal ohne Freizeitangebote und ohne Unterstützung bei ihren sozialen Problemen. Da mache es einen Unterschied, ob eine Wohnumgebung nur Betonwände oder auch Grünflächen biete, sagt Klesper. Dass sich dieser Unterschied auch betriebswirtschaftlich rechnet, entdecken mehr und mehr chinesische Unternehmen.

Audits bündeln: die Joint Audit Cooporation

Neben den eigenen Aktivitäten bündelt die Deutsche Telekom ihre Ressourcen im Bereich der Sozial-Audits mit anderen Firmen aus der Branche. Dazu gründete der deutsche Konzern 2010 gemeinsam mit Orange und der Telecom Italia die Joint Audit Cooperation (JAC). Inzwischen zählt der Zusammenschluss zehn Mitglieder, die sich zunächst auf gemeinsame Standards und Auditierungsprozesse verständigt haben. Eine „Joint Audit Roadmap“ beschreibt das Vorgehen innerhalb des Zusammenschlusses. Auditierungsergebnisse werden in einer gemeinsamen Datenbank erfasst und kommen damit allen Mitgliedern zugute. Die Vorteile liegen auf der Hand. Einerseits werden Kosten unter den Mitgliedern geteilt. Auch die Zulieferer werden nicht unnötig mehrfach auditiert und können nach einheitlichen Standards arbeiten. Zweitens ist die Marktmacht der JAC größer als die eines einzelnen Unternehmens und steigert damit die Durchsetzungskraft gegenüber mächtigen Lieferanten zur Verbesserung der Bedingungen.