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Big Data: „Privacy“ als CSR-Herausforderung

Im Umgang mit digitalen Nutzerdaten sollte „Privacy“ als ein CSR-Thema gewertet werden. Das sagte Gerd Billen, Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, am Donnerstag in Berlin. „Wir erleben zurzeit, dass das, was uns als Persönlichkeit ausmacht – unsere Daten, unsere Äußerungen – zunehmend eine Goldgräberstimmung auslöst“, so Billen. Das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung werde in vielen Geschäftsmodellen ausgehebelt. Christoph Schmallenbach, Vorstand der Generali Deutschland, beklagte eine mangelnde gesellschaftliche Dialogbereitschaft. „Wir können keine neuen Produkte, keine neuen Services entwickeln, ohne in den Dialog zu treten“, so der Versicherungsmanager.

Berlin (csr-news) – Im Umgang mit digitalen Nutzerdaten sollte „Privacy“ als ein CSR-Thema gewertet werden. Das sagte Gerd Billen, Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, am Donnerstag in Berlin. „Wir erleben zurzeit, dass das, was uns als Persönlichkeit ausmacht – unsere Daten, unsere Äußerungen – zunehmend eine Goldgräberstimmung auslöst“, so Billen. Das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung werde in vielen Geschäftsmodellen ausgehebelt. Christoph Schmallenbach, Vorstand der Generali Deutschland, beklagte eine mangelnde gesellschaftliche Dialogbereitschaft. „Wir können keine neuen Produkte, keine neuen Services entwickeln, ohne in den Dialog zu treten“, so der Versicherungsmanager.

In einer Diskussion auf der UPJ-Jahrestagung bezog sich Schmallenbach auf die Entwicklung eines sogenannten Vitality-Produktes, bei dem Versicherte gesundheitsbezogene Daten an den Versicherer übermitteln und für gesundheitsförderndes Verhalten finanziell belohnt werden. Basis der Versicherungsbranche sei das Vertrauen, Daten dürften keinesfalls missbraucht werden. Von manchen Kritikern werde seinem Unternehmen generell die Bereitschaft zum kritischen Dialog abgesprochen, sagte Schmallenbach. “Wenn das die Art und Weise ist, wie sich Deutschland mit den Chancen der Digitalisierung beschäftigt, dann hat Deutschland ein Problem.“

Inflationärer Innovations-Begriff

Kritisch zu einem Vitality-Produkt äußerte sich der Direktor der Stiftung „Futurzwei“, Prof. Harald Welzer. „Wir können die Bürgerinnen und Bürger ohne Privatheit nicht denken“, so Welzer. Strategien, die das Gesundheitsverhalten zur Basis von Versicherungen machten, hebelten die Privatheit aus und stellten die Solidarität in Frage.

Zugleich wandte sich der Sozialpsychologe gegen einen inflationären Gebrauch des Begriffs „Innovation“. Welzer: „Eine soziale Innovation kann die radikale Steigerung von Ungleichheit sein.“ Der Begriff sei „normativ total leer“ und besitze – anders als der zuvor häufig verwandte Begriff „Fortschritt“ – keinen Bezugsrahmen.

Es gelte, eine gesellschaftliche Debatte darüber zu führen, was zu einem guten Leben gehört. In diesem Zusammenhang nannte Welzer die Werte Freiheit, Partizipation und Rechtssicherheit. „Wir haben eine Systemkonkurrenz zwischen Gesellschaften, die weiterhin demokratisch sein wollen und wissen, dass es auch etwas kostet, demokratisch zu sein, und Gesellschaften, die darauf verzichten, demokratisch sein zu wollen“, so der Wissenschaftler.

CSR schafft Verbindungen

Seit 2004 führt das UPJ-Netzwerk für Corporate Citizenship und CSR eine Jahrestagung durch. In diesem Jahr stand die Veranstaltung mit etwa 380 Teilnehmern unter dem Motto „Verbindungen entwickeln. Mit CSR und Sozialen Kooperationen Zukunft gestalten“. Für Günther Horzetzky (Foto), Staatssekretär im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium, beschreibt das Tagungsmotto einen Kern gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung. „Die wichtigste Aufgabe von CSR besteht darin, Verbindungen herzustellen“, so Horzetzky. Dialog schafften Verbindungen zwischen Unternehmen und der Gesellschaft, Vertrauen und neue Sichtweisen. Der Staatssekretär beobachtet eine Zunahme an Netzwerken. Horzetzky weiter: „Solche Netzwerke warten nicht auf Lösungen von außen, sie schaffen Lösungen selber mit dem Wissen und der Kompetenz ihrer Mitglieder.“

Dass solche Kooperationen keineswegs selbstverständlich sind, darauf wies Hella Dunger-Löper (SPD), Staatssekretärin in der Senatskanzlei Berlin, hin. „Wir sehen, dass eher die Separierung und Fraktionierung wächst.“ Gerade beim Thema „Innovationen“ würden unterschiedliche Herangehensweisen und Entwicklungsgeschwindigkeiten deutlich. „Es gibt massiv unterschiedliche Kulturen, daran scheitern viele Kooperationen“, so die SPD-Politikerin.

Foto: Staatssekretär Gerd Billen (Sebastian Heise/UPJ)

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