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Rapex: Kindersandalen mit Erstickungsgefahr und Schmuck mit Schwermetallen

Kindersandalen mit Erstickungsgefahr und Modeschmuck mit Schwermetallen: Zwei Beispiele aus dem Bericht über rund 2500 gefährliche Waren, die vergangenes Jahr in Europa aus dem Verkehr gezogen werden mussten. Das EU-Schnellwarnsystem Rapex verzeichnete 2435 Warnmeldungen und damit erneut mehr als im Jahr zuvor, wie die EU-Kommission am Montag in Brüssel mitteilte. Vor allem von Spielzeug sowie Textilien, Kleidern und Modeartikeln gingen demnach Risiken aus.

Brüssel (afp) – Kindersandalen mit Erstickungsgefahr und Modeschmuck mit Schwermetallen: Zwei Beispiele aus dem Bericht über rund 2500 gefährliche Waren, die vergangenes Jahr in Europa aus dem Verkehr gezogen werden mussten. Das EU-Schnellwarnsystem Rapex verzeichnete 2435 Warnmeldungen und damit erneut mehr als im Jahr zuvor, wie die EU-Kommission am Montag in Brüssel mitteilte. Vor allem von Spielzeug sowie Textilien, Kleidern und Modeartikeln gingen demnach Risiken aus.

Von Phillipp Saure

Auf diese beiden Kategorien allein entfielen 28 und 23 Prozent der Meldungen. Dahinter rangierten elektrische Geräte und Zubehör wie Mobiltelefone und Ladegerät mit neun Prozent sowie Autos mit acht Prozent. Außerdem als gefährlich gemeldet wurden Artikel zur Baby- und Kinderpflege wie Kinderwagen (drei Prozent) sowie Lampen und Zubehör (ebenfalls drei Prozent).

Gut ein Viertel der gemeldeten Waren hätten die Nutzer verletzen, ihnen etwa Schnitte zufügen können, listet der Report auf. Chemische Risiken wie Verätzungen waren ebenso häufig. Etwa zwölf Prozent der Produkte könnten zu Erstickungen führen, fast ebenso viele einen Stromschlag verursachen oder zum Erdrosseln führen.

Konkret steckt hinter diesen Risiken zum Beispiel ein Paar rosa Bade-Sandalen für Kinder. Den Plastik-Schühchen in Fischform waren auch kleine Fisch-Augen aufgeklebt worden. Genau dieses liebevolle Detail aber könnte sich leicht lösen, verschluckt werden und ein Kind ersticken, so die Einschätzung der EU-Kommission. Weitere Fälle: Modeschmuck enthielt gesundheitsschädliche Schwermetalle, Babyartikel fruchbarkeitsschädigende Weichmacher und Lederwaren Chrom, das Hautreizungen hervorrufen kann.

Aus Deutschland kamen 296 der 2435 Meldungen. Diese Waren fielen also hierzulande das erste Mal als bedenklich auf. Die Behörden machen dann über das EU-System Rapex die anderen Länder auf die Gefahr aufmerksam. Alle Länder, die dasselbe Produkt auf ihrem Markt finden, sollen dann Gegenmaßnahmen wie Einfuhrverbote, Einstellung des Verkaufs oder Rückrufe einleiten. Außer den 28-EU-Ländern nehmen auch Island, Norwegen und Liechtenstein teil.

Das Ursprungsland der meisten gefährlichen Waren war wie schon in den Jahren zuvor auch China. Von dort stammten 64 Prozent der gemeldeten Produkte. Allerdings ist China auch einer der größten Importeure der in Rapex angetroffenen Warengruppen.

Mit Ausnahme eines Jahres sind die Rapex-Meldungen seit 2003 immer weiter angestiegen. Die EU-Kommission bewertet dies als Beleg des immer besser werdenden Schutzes. Die Verbraucher könnten „zuversichtlich sein, weil mehr Produkte vom EU-Markt genommen worden sind“. Die steigende Zahl lässt sich aber auch so lesen, dass Sicherheitsstandards bei der Herstellung der Waren ignoriert werden. In diesem Sinne erklärte die SPD-Europaabgeordnete Evelyne Gebhardt: „Es gelangen zu viele gefährliche Produkte auf den europäischen Markt.“

Der europäische Verbraucherschutzverband Beuc hält die Bilanz für „gemischt“. Die Argumentation der EU sei „eine Sichtweise“ unter anderen, sagte Beuc-Sprecher Johannes Kleis zu AFP. Berücksichtigt werden müssten neben den Kontrollen auch andere Faktoren wie die Gesamtzahl von Importen. Gebhardt und Kleis plädierten dafür, die geplante Revision der EU-Richtlinie zur Produktsicherheit voranzutreiben. Unterdessen warnte der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling: „Die Dunkelziffer der nicht erkannten Produkte bleibt hoch.“

Bei Rapex geht es um die meisten Arten von Produkten für Verbraucher und den Beruf. Dazu zählen auch Anlagen für Betriebe. Nicht erfasst werden Lebensmittel, Pharmazeutika und medizinische Geräte, für die es eigene Kontrollsysteme gibt.