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Nachhaltigkeitsperformance internationaler Konzerne stabil

Eine der großen Diskussionen zu Wirtschaftsthemen ist hierzulande das Freihandelsabkommen TTIP. Vor diesem Hintergrund hat die Nachhaltigkeits-Ratingagentur oekom research in ihrem aktuellen Jahresbericht „oekom Corporate Responsibility Review 2015“ einen Vergleich zwischen europäischen und US-amerikanischen Unternehmen gezogen. Das Ergebnis ist eindeutig, in europäischen Konzernen ist die wahrgenommene soziale und ökologische Verantwortung ausgeprägter. Fraglich ist, was TTIP für die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen bedeuten wird.

München (csr-news) > Eine der großen Diskussionen zu Wirtschaftsthemen ist hierzulande das Freihandelsabkommen TTIP. Vor diesem Hintergrund hat die Nachhaltigkeits-Ratingagentur oekom research in ihrem aktuellen Jahresbericht „oekom Corporate Responsibility Review 2015“ einen Vergleich zwischen europäischen und US-amerikanischen Unternehmen gezogen. Das Ergebnis ist eindeutig, in europäischen Konzernen ist die wahrgenommene soziale und ökologische Verantwortung ausgeprägter. Fraglich ist, was TTIP für die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen bedeuten wird.

Rund 3.500 Unternehmen betrachtet oekom inzwischen regelmäßig und bewertet sie anhand von 100 Kriterien. Aus diesem Datenpool bedienen sich die Analysten auch für ihre jährliche Bewertung der sozialen und ökologischen Verantwortung börsennotierter Unternehmen, die hauptsächlich aus Industrieländern stammen. Danach ist die Gesamtbewertung der Performance stabil geblieben, auch wenn das Gesamtniveau durchaus noch kritisch zu bewerten ist. Gerade einmal jedes sechste der untersuchten Unternehmen konnte so überzeugende Nachhaltigkeitsleistungen vorweisen, dass es für den oekom Prime Status in Betracht kamen. Also erfüllten nur 16,3 Prozent der Unternehmen die geforderten branchenspezifischen Mindeststandards. Für knapp die Hälfte der Unternehmen spielt Nachhaltigkeit noch immer keine oder nur eine nebensächliche Rolle. Ihr Anteil ist allerdings rückläufig. Dies liegt nach Einschätzung der Analysten möglicherweise an der verbesserten Transparenz über das Engagement sozialer und ökologischer Themen bei Unternehmen, die bislang eher intransparent waren. „Im Vergleich zum vergangenen Jahr sehen wir bei den Unternehmen minimale Fortschritte beim Umgang mit den ökologischen und sozialen Herausforderungen“, fasst Matthias Bönning, COO und Head of Research von oekom research, die Ergebnisse zusammen. „Doch vor dem Hintergrund der großen globalen Probleme und der sich daraus ergebenden Handlungsnotwendigkeit reicht das mit Sicherheit noch nicht aus.“

Im internationalen Branchenvergleich erreichen die Hersteller von Haushaltsprodukten für ihr Nachhaltigkeitsmanagement die höchste Bewertung. Auf Rang 2 der Branchenbewertung landen die Unternehmen der Automobilindustrie. Am unteren Ende der Rangliste platzieren sich der Einzelhandel, die Öl- und Gasbranche sowie die Immobilienbranche. Auffällig ist, dass selbst die besten Branchen nicht die Hälfte der Maximalpunktzahl erreichen, die meisten Branchen nicht einmal ein Drittel. Unternehmen der Metall- und Bergbaubranche sowie der Öl- und Gasbranche verstoßen am häufigsten gegen mindestens eines der Prinzipien des UN Global Compact. Mehr als jedes dritte Unternehmen zeigt hier einen Verstoß gegen die Prinzipien, besonders häufig sind Umweltverstöße und Menschenrechtsverletzungen. Auf Rang 3 der Branchen mit den häufigsten Verstößen folgt die Textilbranche, in der rund jedes fünfte Unternehmen (20,7 Prozent) in Verstöße gegen die UN-Prinzipien verwickelt ist. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Arbeitsrechtsverletzungen, die vor allem in der Zulieferkette stattfinden.

Verstöße gegen die Prinzipien des UN-Global Compact

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Quelle: oekom Corporate Responsibility Review 2015

In diesem Jahr hat sich oekom research aber auch der Frage gewidmet ob, wie und in welchem Umfang sich die ökologische und soziale Verantwortung europäischer von US-amerikanischen Unternehmen unterscheidet. Hintergrund ist die andauernde Diskussion um das Freihandelsabkommen TTIP und die damit einhergehenden Befürchtungen, ökologische und soziale Standards würden durch die Annäherung eher abgeschwächt. Tatsächlich sind die Unterschiede zwischen den beiden Wirtschaftsräumen gewaltig. Während die europäischen Unternehmen eine durchschnittliche Bewertung von 40,6 auf der von 0 bis 100 (Bestwert) reichenden Skala erreichten, kamen Unternehmen mit Sitz in den USA nur auf eine durchschnittliche Bewertung von 25,2. Auch in Branchen, in denen der Waren- und Dienstleistungsaustausch zwischen Europa und den USA besonders groß ist, wie z. B. in der Automobilbranche, dem Maschinenbau oder der Chemiebranche, zeigen europäische Unternehmen bessere Leistungen im Nachhaltigkeitsbereich.

Der Jahresbericht „oekom Corporate Responsibility Review 2015“ zum Download.

 

Die besten drei Unternehmen in ausgewählten Branchen

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Quelle: oekom Corporate Responsibility Review 2015

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