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G4-Reporting zur Lieferkette – erste Erfolge in DAX und EURO STOXX

Beim Einbezug der Lieferkette in die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach dem aktuellen Reportingstandard G4 feiern DAX 30 und EURO STOXX 50-Unternehmen erste Erfolge. Es werden vermehrt konkrete Zahlen und Anteile genannt, und einzelne Best Practice-Berichte gehen bereits deutlich über eine Beschreibung von Lieferkette und Lieferantenchecks hinaus. Unsere Kurzstudie zeigt: Die Unternehmen haben sich auf den Weg gemacht!

Hamburg (csr-partner) – Beim Einbezug der Lieferkette in die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach dem aktuellen Reportingstandard G4 feiern DAX 30 und EURO STOXX 50-Unternehmen erste Erfolge. Es werden vermehrt konkrete Zahlen und Anteile genannt, und einzelne Best Practice-Berichte gehen bereits deutlich über eine Beschreibung von Lieferkette und Lieferantenchecks hinaus. Unsere Kurzstudie zeigt: Die Unternehmen haben sich auf den Weg gemacht!

Von Janina Beduhn

6 von 9: Lieferkette ist wesentlicher Aspekt

Aktuell identifizieren sechs der neun Unternehmen des EURO STOXX 50 und DAX 30, die bereits nach G4 berichten, Themen der Lieferkette als wesentliche Aspekte ihres Geschäfts. Die Unternehmen ASML, Daimler, Iberdrola, Inditex, Nokia und Philips müssen damit neben einer Beschreibung ihrer Lieferkette auch umfänglich zu deren Auswirkungen auf Umwelt, Arbeitspraktiken, Menschenrechte und Gesellschaft berichten. Eine Herausforderung für Unternehmen, deren Materialaufwandsquote zum Teil im Bereich von 50 Prozent liegt. Doch wer von ihnen berichtet am besten? Am transparentesten? Am ausführlichsten? Wir haben die vorliegenden Berichte nach verschiedenen Kriterien analysiert.

Integrierte Berichte informieren umfassender zu Themen der Lieferkette

Drei von sechs Unternehmen berichten ihre Nachhaltigkeitsthemen nach dem G4-Modell „Comprehensive“ und müssten somit deutlich umfassender informieren als die „Core“-Berichterstatter. Doch wurden in den „Comprehensive“-Berichten die Hausaufgaben gemacht? Liefern sie tatsächlich umfassendere Angaben zur Lieferkette als die „Core“-Berichte?

Ein klares Nein. Obwohl mehr spezifische Standardangaben gefordert werden, sind „Comprehensive“-Berichte nicht immer umfangreicher in ihren Informationen zur Lieferkette. Während der Automobilhersteller Daimler sein Lieferantenmanagement im hinteren Drittel seines „Comprehensive“-Nachhaltigkeitsberichts versteckt und nur kurz berichtet, nennt der finnische Telekommunikationskonzern Nokia in seinem „Core“-Bericht nicht nur aussagekräftige Daten, sondern berichtet auch ausführlich zu Umweltauswirkungen, Menschenrechten und Arbeitspraktiken seiner Lieferanten.

Deutlicher wird der Unterschied von Umfang und Qualität der Lieferkettenangaben zwischen klassischen Nachhaltigkeitsberichten und integrierten Berichten. Die zwei integrierten Berichte von Inditex und Philips bilden ihre Lieferkette deutlich umfangreicher ab als Unternehmen, die „nur“ einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen. Zudem sind die Informationen in den integrierten Berichten deutlich prominenter platziert.

Das spanische Textilunternehmen Inditex gehört zu den erfolgreichsten Lieferketten-Managern in Europa und stellt den vertikalen Organisationsansatz in den Fokus seines integrierten Berichts 2013. Auf über 30 Seiten zeigt das Unternehmen an zentraler Stelle im Bericht, dass es seine Lieferkette als Grundpfeiler des Kerngeschäfts begreift. Die Auswirkungen seiner Lieferkette auf Umwelt, Arbeitspraktiken, Menschenrechte und Gesellschaft präsentiert Inditex in umfassenden Tabellen. Anschauliche Grafiken zeigen Highlights einer nachhaltigen Entwicklung der Lieferkette.

Darstellung und Informationsgehalt: Best Practice und verstecktes Potenzial

Eine gute Darstellung seiner komplexen Lieferkette zeigt neben Inditex auch der niederländische Elektronikkonzern Philips. Die wesentlichen Auswirkungen der Lieferkette hinterlegt Philips, wenn auch teilweise unvollständig, mit konkrete Zahlen und Maßnahmen und berichtet seine Audit-Strukturen anhand anschaulicher Grafiken. Mit Angaben zur Anzahl seiner „full scope“-Audits und Überprüfung potenzieller Lieferanten ist Philips schon vorne dabei. Das Unternehmen nennt zudem den Anteil der Lieferanten, bei denen Auswirkungen ermittelt wurden, die Qualität der Auswirkungen und entsprechende Maßnahmen. Auch mit der Veröffentlichung der Anzahl beendeter Geschäftsbeziehungen zeigt Philips überdurchschnittliche Transparenz.

Die übrigen Unternehmen haben Schwierigkeiten, vor allem aussagekräftige quantitative Angaben zu machen. Hier sollte auch für die nächsten Jahre die individuelle Weiterentwicklung der Berichtsinhalte im Fokus stehen. Ein Unternehmen des EURO STOXX zeigt, wie es gehen kann:

ASML gehörte mit seinem Nachhaltigkeitsbericht nach dem „Core“-Modell zu den „First Movern“ in 2014 und berichtet nun schon im zweiten Jahr nach G4. Der Anbieter von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie zeigt (noch) wenig Veränderung in der quantitativen Berichterstattung, doch eine starke Entwicklung seiner strategischen Aufstellung. Womöglich eine positive Auswirkung der Berichtsanforderungen? So nimmt ASML jetzt Nachhaltigkeitskriterien in den QLTCS-Prozess (quality management, logistics management, technology management, cost management and sustainability) auf und verpflichtet alle produktrelevanten, geschäftskritischen Lieferanten zur Anerkennung seines Code of Conduct. Und auch wenn die quantitative Berichterstattung noch Defizite aufzeigt, definiert ASML konkrete Ziele für das kommende Berichtsjahr: Lieferantenumfragen und regelmäßige Audits sind geplant, so dass bald auch die Anforderungen der spezifischen Standardindikatoren berichtet werden können.

Fazit:

Die Verbesserung des Reportings zur Lieferkette ist deutlich. Dennoch zeigt sich im DAX 30 und EUROSTOXX 50 noch hohes Potenzial, über die Auswirkungen der Lieferkette umfassender zu berichten. Die größte Herausforderung ist es dabei, gerade für die „Comprehensive“-Berichterstatter, quantitative Angaben zu veröffentlichen. Die Anforderungen in den spezifischen Standardangaben wiegen schwer. Um das Reporting weiter zu entwickeln, bedarf es zunächst einer systematischen Integration und Dokumentation von CSR-Aspekten in die Lieferkette. Hier können oft auch Einsparpotenziale realisiert sowie Reputationsrisiken minimiert werden. Eine gute Berichterstattung kann darauf aufbauen. Als Wegweiser zur Weiterentwicklung der Berichterstattung zur Lieferkette können auch Best Practice-Berichte dienen. Für das unternehmensspezifische Reporting müssen jedoch individuelle Lösungen gefunden werden.

Autorin:
Janina Beduhn ist Consultant bei Kirchhoff Consult AG

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